Adolf Hochhaltinger
Und nun dürfte - im Gegensatz zu der Präsentation der ersten Itanium-Chips - Intels 64-bit Flaggschiff auch ausgereift sein. Die ersten Itanium-Prozessoren (mit Merced-Kern) galten ja unter Insidern eher als eine Art "verlängerter Betatest". Sie waren mehr als "Markt-Enabler" gedacht, etwa als Testsystem für Entwickler und Systemadministratoren.
Erst der zweite Itanium mit dem "McKinley"-Kern - von Intel als "Itanium 2" vermarktet - sollte dank seiner deutlich höheren Performance als Backend-Server und High-Performance-Workstation seine Tauglichkeit im realen Einsatz unter Beweis stellen. Sein wohl größter Schwachpunkt: die relativ niedrige Taktfrequenz.
Nun folgt also mit dem "Madison"-Kern bereits die dritte Generation von Intels 64-bit Chips. Trotzdem werden auch diese Prozessoren weiterhin unter der Bezeichnung "Itanium 2" gehandelt. Dieser Prozessor wird allerdings nicht mehr in 180, sondern in 130 nm Technologie hergestellt - und das bringt - endlich! - eine höhere Taktfrequenz von (vorerst?) 1,3 bis 1,5 GHz. Und noch etwas: diese Chips werden mit einem L3-Cache zwischen 3 bis 6 MB ausgestattet sein.
Intel hat bereits angekündigt, dass diese verbesserte Itanium-2-Version um rund 30 bis 60 Prozent schneller läuft als der Vorgänger McKinley. Das bedeutet: endlich erreicht der 64-Bit-Prozessor die Spitze aller relevanten Benchmarks im Server- und Workstationfeld.
Auch für die Zukunft hat Intel bereits weitestgehend vorausgeplant: Als nächste Generation kommt - ebenfalls mit 130 nm - der "Madison II", und danach - erstmals in 90 nm Technologie, mit 18 MB L3-Cache und Simultaneous Multithreading (SMT), der "Montecito" - aber das ist derzeit für die Anwender alles noch Zukunftsmusik.
Die Neuen von HP
Zugleich mit dieser Präsentation stellte HP seine neuen Server auf der Basis des neuen Itanium 2 (Madison) vor, insbesondere eine ganze Reihe neuer Workstations. Und hier konsolidiert HP seine Produktlinien - statt bisher fünf wird es in Zukunft nur mehr drei Servertypen geben: "NonStop"-Server (mit dem neuen Itanium 2) sowie der "Integrity Superdome" (mit 16 bis 64 Prozessoren), auf dem gleichzeitig (!) Windows, Linux und HP-UX laufen kann, für den High-End-Bereich.
Dazu kommen noch die kleineren "Integrity"-Server (mit 1 bis 4 Stück des neuen Itanium 2) als Mittelklasse, und einige neue Modelle der ProLiant-Serie - DL560, DL580, ML 570 und DL740 - mit neuen, schnelleren Xeon MP Prozessoren, mit dem neuen "Gallatin"-Kern bis zu 2,8 GHz schnell - in 32-bit Architektur als leistungsfähige "Arbeitspferde" für Alltagsanwendungen.
"Der Itanium wird zum Mainstream-Prozessor" kommentiert Kasper Rorsted, HP Managing Director EMEA and Senior VP, HP Enterprise Systems Group, die Präsentation. "Damit ist die ewige Entscheidung ‚Computerleistung oder wirtschaftlicher Industriestandard' ein für allemal vorbei. Die neuen Integrity- und Pro-Liant-Server sowie die Zusammenarbeit mit Hunderten von Softwareanbietern stellen den Anwendern zu wirtschaftlichen Bedingungen die Leistung und die Ökologie zur Verfügung, um ihre Datacenter zu revolutionieren."
Der Einsatz des neuen Itanium 2 auf Workstations ist vor allem wegen seiner schnellen FPUs interessant, lobt doch Intel den neuen Prozessor vor allem wegen seiner Fähigkeiten als "Number Cruncher" ( "Zahlenknacker"), wie sie in einigen Pilotsystemen beispielsweise vom "National Center for Supercomputing Applications" (NCSA), dem europäischen Kernforschungszentrum (CERN) oder auch der Entwicklungsabteilung von DaimlerChrysler bereits genutzt werden. So soll beispielsweise die Kombination von Microsoft SQL Server 2000 und Windows Server 2003 Datacenter Edition auf dieser Hardware eindrucksvolle Leistungen erbringen.
Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Vor allem anfangs wird der 64-bit-Prozessor wohl noch einen guten Teil 32-bit-Software abarbeiten müssen. Und gerade hier liegt seine größte Schwäche, auf die Mitbewerber AMD auch oft und gerne hinweist: Beim Verarbeiten von 32-bit-Code ist der Itanium 2 überproportional langsam.
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8/2011
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Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 