Andreas Roesler-Schmidt
Welche Erkenntnisse lieferte Ihre IT-Konvergenz-Studie in Bezug auf VoIP?
Das Interesse an Voice over IP ist stark gestiegen. Wir merken vor allem, dass die Top 500 Unternehmen sich mit der Thematik beschäftigen. Aber auch für andere Unternehmen wird es zunehmend zum Thema, da bei vielen in 1-2 Jahren Serviceverträge für vorhandene PBX auslaufen. Der ursprüngliche Hype war übertrieben, aber das Kosteneinsparungspotential und das nahende Lebenszyklusende vieler klassischer Anlagen wird IP-Anlagen durchaus zu Auftrieb verhelfen.
Worin sehen Sie die großen Vorteile der IP-Telefonie?
Es gibt nur mehr eine Art der Verkabelung. Die Sprache läuft über TCP/IP. Ein Wechselgrund für viele ist die Unzufriedenheit mit den bestehenden Anlagen, die inflexibel sind und bei deren Fernwartung die Anbieter kräftig kassieren. Das Service der klassischen Anbieter ist für viele unbefriedigend. Bei IP können die Administratoren selbst eingreifen und das System gestalten.
Besonders gut eignet sich die IP-Telefonie zur Einbindung von Filialen in die TK-Infrastruktur, wenn man die Standleitung für VoIP nützt, kann man intern kostenlos telefonieren und hat Durchwahlen an einer gemeinsamen Kopfnummer. Man hat dabei beträchtliches Einsparungspotential. Die Anbindung über IP ist einfacher als eine Anlagenkopplung. Das Billing erfolgt in der Zentrale. Auch für Teleworker ist VoIP geeignet: Es reicht eine DSL-Verbindung, da ohnehin nur mehr 9,6 Kbit für die Sprachübertragung benötigt werden. Mit DSL, Telefon und VPN ist der Teleworking-Arbeitsplatz komplett.
Wie schauen die Migrationsszenarien aus?
Vorhandene Telefonanlagen können über VoIP-Gateways angebunden werden: Entweder an einer freien internen S0-Leitung oder zwischen PBX und Amtsleitung dazwischen geschaltet. Es wird im Normalfall ohnehin sanft migriert und es macht nur selten Sinn, schlagartig auf VoIP umzusteigen, außer beim kompletten Austausch einer Anlage oder der Verkabelung eines neuen Gebäudes. Neuere Anlagen sind meist bereits gemischt bzw. "IP-enabled" und ermöglichen durch entsprechende Steckkarten in Teilbereichen IP-Telefonie einzusetzen, während die klassische Telefonie nicht gleich ausgetauscht werden muss.
Wer bietet besseres Know-how in Bezug auf IP-Telefonie - reine IP-Anbieter oder die klassischen PBX-Anbieter?
Die TK-Techniker sind noch nicht so IP-lastig in ihrem Know-how. Ihr Wissen ist auf dem ISDN-Basiswissen aufgesetzt, aber das ist nur mehr eine Frage der Zeit. Die IP-Techniker sind natürlich noch nicht so mit der Telefonie vertraut, etwa wie man mehrere Anlagen miteinander koppelt. Zunächst müssen sich die IP-Anbieter das Vertrauen im Telefonbereich erst erwerben. Es wird den Kunden aber schnell klar, dass bei Access Control Listen, Routern, Switches, USV und generell der gesamten IP-Struktur die IP-Kompetenzen nützlich sind.
Wie kommen die bisher getrennten IT- und Telefonie-Abteilungen mit der IP-Telefonie zurecht?
Die Telekom-Verantwortlichen haben ohnehin ihre Schwierigkeiten mit den PBX-Anbietern und sind daher einem Wechsel zur IP-Telefonie häufig aufgeschlossen. Schließlich sind sie es, die ihren Vorgesetzten ständig beibringen müssen, dass eine Störung noch nicht behoben ist, weil der PBX-Anbieter noch nicht reagiert hat oder ähnliches. Gerade in größeren Unternehmen besteht kaum Angst, die Aufgaben zu verlieren. Denn meist will sich die IT gar nicht um die Telefonie selbst kümmern, sondern nur um die zugrundeliegende Vernetzung. Aus der Telefonie- wird eben die VoIP-Abteilung. Für die IT-Abteilung ist VoIP eine Applikation - sie ist zwar für die Infrastruktur - die gemeinsame TCP/IP-Struktur - verantwortlich, überlässt die Betreuung der Anwendung IP-Telefonie aber den bisherigen TK-Betreuern, die nunmehr für die Applikation IP-Telefonie verantwortlich sind. Aber natürlich gibt es Grabenkämpfe und Ängste, bevor man aufzeigt, dass beide Abteilungen weiterhin ihre Berechtigung haben.



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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 