Auch die Entwicklung von E-Learning-Plattformen muss unterschiedliche Lern- und Lehrtraditionen, unterschiedliche Kommunikationsgepflogenheiten und die oft kulturell bedingten Erwartungen bezüglich der Wissensvermittlung und -darstellung berücksichtigen.
Mit dieser Thematik beschäftigt sich eine Forscherin des Zentrums für Wissens- und Informationsmanagement der Donau-Universität Krems und beschreitet damit wissenschaftliches Neuland. "Zu interkulturellen Fragen an der Schnittstelle von Usability und E-Learning ist bisher noch kaum geforscht beziehungsweise publiziert worden", so Mag. Edith Denman-Maier, MSc.
Sie arbeitet seit Beginn des Jahres am Sitz des größten europäischen Hubschrauberproduzenten im französischen Marignane im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojekts ENKE an der Entwicklung von Web-basierten Trainingsmodulen (E-Training). Eurocopter plant, die Schulungsaktivitäten stärker auf die Online-Schiene zu verlagern, damit seine Kunden in über 100 Ländern die Schulungszeit vor Ort verkürzen können. Durch diese neue Form der Wissensvermittlung erhofft man sich bedeutende Einsparungen.
Erste Ergebnisse relativieren Bedeutung kultureller Unterschiede
Denman-Maier hat nun erste Zwischenergebnisse ihrer Forschungen vorgestellt. Als einzige wissenschaftlich-akademische Einrichtung im ENKE-Projektteam soll die Donau-Universität Krems dafür sorgen, dass bei der Entwicklung und Einführung von Informations- und Wissensmanagement-Tools sowie bei der Gestaltung der E-Learning-Plattform für einen multikulturellen und mehrsprachigen Benutzerkreis die menschlichen, interpersonellen, psychologischen und interkulturellen Aspekte berücksichtigt werden.
"Bisher fanden die Schulungen in kleinen Gruppen als Face-to-face-Kommunikation statt. Die große Herausforderung ist nun, die Erfahrungen und das Know-how der Trainer, ihr implizites Wissen explizit zu machen, um es für die Web-basierten Trainingsmodule nutzen zu können", erläutert Denman-Maier.
Eines der Erkenntnisse, welche die ausgebildete Anthropologin und Informationswissenschafterin mit der Methode der teilnehmenden Beobachtung sowie durch Interviews gewann, betrifft die ursprünglich als sehr stark eingeschätzten Auswirkungen der kulturellen Unterschiede: "Es stellte sich heraus, dass der professionelle Hintergrund - also ob die zu Schulenden Piloten sind oder Mechaniker - oft bedeutender ist als der kulturelle."
Deshalb wird vom ENKE-Projektteam nun das Ziel verfolgt, kulturelle Unterschiede in das E-Training-System zu integrieren anstatt es nach verschiedenen kulturell definierten Zielgruppen zu diversifizieren und entsprechend anzupassen. Am Ende des Projekts soll dann die grundlegende Frage des Forschungsvorhabens geklärt werden: ob es möglich ist, Web-basierte Trainingsmodule für eine kulturell heterogene Nutzergruppe zu entwickeln, die den gleichen beruflichen Kontext teilt, ohne nutzerspezifische Anpassungen ("customisation") oder lokale Varianten ("localisation") notwendig zu machen.



1/2012
8/2011
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Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 