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Strategien

Webagenturen als E-Business-Anbieter

"Schau doch einfach im Web nach..."

Trotz nachhaltiger Internet-Flaute: Webagenturen behaupten sich und werden zu E-Business-Anbietern und E-Marketing-Full-Service Dienstleistern

Christine Wahlmüller

Rund ein Drittel der österreichischen Unternehmen insgesamt und 88 % der großen Companys besitzen sie: die Website. Doch wie entsteht eine (erfolgreiche) Darstellung im WWW und wer steckt dahinter? Die New-Media-Branche ist kaum 10 Jahre alt. Anbieter wie Pixelpark (neu PXP Austria), diamond:dogs, OgilvyInteractive, Spreitzer New Media, Reichl & Partner, Pjure oder Pixelwings haben den Markt fest im Griff. Daneben tummeln sich aber noch viele kleine, lokale und neue Anbieter.

Schau doch einfach im Web nach" - heute schon fast ein ganz selbstverständlicher Ratschlag, bei Jugendlichen sowieso, aber auch bei allen, die im Büro-Alltag ihr Brot verdienen oder zu Hause einen Computer besitzen. Sogar die Zielgruppe 50+, landläufig auch noch unter Pensionisten eingereiht, macht große Fortschritte, was Internet-Zugang und die Nutzung desselbigen betrifft. Bereits 18 Prozent verbringen jede Menge Zeit vor dem Computer, d.h. fast jeder fünfte ist "online". Von den Internet-Diensten sind die Informationssuche (58%) und das Versenden von E-Mails (54%) die mit Abstand beliebtesten Beschäftigungen der insgesamt 3,5 Millionen Österreicher, die derzeit das Web nutzen. (Alle Daten lt. AIM Austrian Internet Monitor, 1. Quartal 2003)

Eine Website zu haben, bringt demnach enorme Vorteile: Wie sonst erreicht ein Unternehmen mit einem Schlag 3,5 Millionen potentielle Informations-Suchende? Wie sonst ist es möglich, einem so großen Publikum, aktuellste News direkt vor die Nase zu setzen? Wie sonst bekommt ein Unternehmen die Chance auf einen direkten, interaktiven Dialog mit der potentiellen Käuferschaft z.B. über Chats, Online-Gewinnspiele, Meinungsforen, Gästebuch etc. Marketing und CRM-Experten müsste da ja schon seit Jahren das Herz im Leibe lachen. Meint man. Doch weit gefehlt. Denn der Haken an der Sache ist: Websites müssen ständig gepflegt, gewartet und aktualisiert werden, auch an Design, Seitenstruktur und Navigation sollte sich in einem bestimmten Zeitraum immer wieder etwas ändern - sonst wird es dem anspruchsvollen, optisch verwöhnten Publikum nämlich langweilig. Und da waren sie, die Probleme. Denn der Haupt-Fehler vieler Unternehmen in den letzten Jahren war es, "einfach einmal eine Website zu haben". Heute weiß man: Eine Website allein zu haben reicht nicht. Der richtige Weg ist es, eine Internet-Präsenz als weitere, neue, immer mehr an Bedeutung erlangende Informations- und gleichzeitig Kommunikations-Möglichkeit zu sehen, die für Marketing und Vertrieb unbedingt genutzt werden muss - will man gegenüber der Konkurrenz nicht auf der Strecke bleiben.

New Media Ranking 2002

Wer etwas auf sich hält, und wie viele große Unternehmen auch über ein entsprechendes Marketing-Budget verfügt, lässt seine Website von einer der renommierten Agenturen erstellen. Welche das sein kann, darüber gibt z.B. das jährlich erscheinende New Media Ranking des Manstein Verlags Aufschluss. Im letzten Ranking 2002, bei dem sich 44 Agenturen beteiligten, lag hier die Pixelpark Österreich Gruppe - bestehend aus Pixelpark Austria und Pixelpark CEE - klar an der Spitze. Dicht gefolgt von der diamond:dogs group und OgilvyInteractive. Auffallend ist: Kaum einer der Agenturen existiert länger als 10 Jahre, die Branche ist damit noch kaum den Kindheitsschuhen entwachsen und kommt erst jetzt langsam in Richtung Pubertät.

Dass noch viele Veränderungen, Zusammenschlüsse, Käufe und Verkäufe anstehen, zeigen auch die großen Agenturen: Pixelpark Austria firmiert ab sofort unter dem Namen PXP Austria - man gehörte ja schon seit kurzer Zeit zu 100 % zur PXP Software AG. Jetzt erfolgt die zentrale Umbenennung auch für die Österreich-Tochter. Geschäftsführer Markus Höfinger bezeichnet seine Agentur als "E-Business-Dienstleister" und nennt drei Arbeitsschwerpunkte: "Portallösungen, CRM und E-Commerce - diese drei Bereiche werden von den Kunden zur Zeit am meisten nachgefragt. Zu den großen Kunden von PXP gehört z.B. die mobilkom (Portal und Intranet). Jeder Kunde und jedes Projekt verlangt eine individuelle Betrachtung, so wurde für RHI Veitsch Radex evaluiert, welche Portal und CMS-Lösungen gibt es, und welche passt am besten zum Unternehmen. Dazu wurde ein Fragekatalog mit rund 200 Fragen erarbeitet. "Wichtig ist es, sehr methodisch mit dem Kunden gemeinsam zu evaluieren, welche Lösung für ihn am besten passt", erklärt Höfinger die Arbeitsweise.

Ein PXP-Vorzeigeprojekt in diesem Sinne ist www.win2day.at, ein großes Online-CRM Projekt, das im Auftrag der Österreichischen Lotterien und Casinos Austria realisiert wurde und 15 bis 20 Millionen Euro Umsatz pro Monat "einspielt". Höfinger arbeitet mit einem kleinen Team: Die führende Webagentur des Landes beschäftigt derzeit nur rund 40 Mitarbeiter, daneben noch einige projektbezogenen "Freiberufler". Die Branche ist daher eigentlich nur eine Mini-Branche, was die beschäftigten Personen betrifft. Umso größer ist das Potential, das eigentlich vorhanden ist.

Rund 235.000 Unternehmen gibt es in Österreich. Die großen Agenturen "spitzen" allerdings vor allem auf die Top-500-Unternehmen. Bei PXP Austria ist ein durchschnittliches, individuelles Web-Projekt z.B. erst ab rund 100.000 Euro zu haben. Höfinger dazu: "Der KMU-Markt ist sicher super spannend - aber wir sind mit unseren Strukturen mit Projektleiter, Artdirektor und Spezialisten dafür nicht aufgestellt". Dafür ist das Angebot der großen Agenturen für die großen Unternehmen inzwischen umfassend und höchst komplex: Es reicht von Portallösungen (Website, Intranet, Extranet) über E-CRM und Online Marketing, E-Commerce-Lösungen, Content Management Systemen und Lösungen (Eigenentwicklung und Implementierung von Systemen wie Vignette, Open Market etc.) bis hin zu mobilen Applikationen.

Expansionsgelüste von diamond:dogs

Jede Agentur versucht mittlerweile auch, sich mit einem "eigenen Mascherl" den Markt zu erobern. Die 1999 gegründete diamong:dogs group (2. Platz New Media Ranking (NMR) 2002) ist mit ihren Tochterunternehmen mercato und doppelschicht verstärkt auf dem Wege zum "Online Marketing" in allen Facetten. Geschäftsführerin Nathalie Kohn sieht den Schwerpunkt der Agenturtätigkeit ganz einfach in der "Projektentwicklung und Umsetzung, basierend auf drei Säulen: Consulting, Solution, Marketing". Die 30-jährige MBA-Absolventin hat auch ein logisch klingendes, eigentlich banales Erfolgrezept parat: "Das wichtigste ist, die Sprache der Kunden zu sprechen, und im Sinne eines ausgewogenen Verhältnisses eine win-win-Situation zu schaffen, in der beide langfristig voneinander profitieren". Die diamond:dogs, zuletzt vor allem durch die Erstellung der Website für Hutchison www.drei.at im Rampenlicht, wollen 2003 expandieren. Laut Nathalie Kohn sind für heuer noch ein bis zwei weitere Unternehmens-Akquisitionen geplant.

OgilvyInteractive: Fokus auf CMS

Für OgilvyInteractive, die Multimedia-Schmiede von OgilvyOne (3. im NMR 2003) liegt der Fokus vor allem auf Weiterentwicklung und Einsatz des Content Management Systems ART 3.5 und der Realisierung von Multimedia-, eCRM- sowie Wireless-Projekten. Die Agentur, die heuer ihr 5 Jahres-Bestand-Jubiläum feiert, beschäftigt zur Zeit 50 Mitarbeiter und profitiert vor allem auch von ihrem internatioalen Netzwerk und dem ganzheitlichen Angebot der einzelnen Units (Werbung, PR, Marketing, Internet, Multimedia). "Ein wichtiges Thema ist zur Zeit auch das Wissensmanagement, Intranet und Datenbanken stoßen auf immer größeres Kundeninteresse", weiß Geschäftsführer Wolfgang Slupetzky zu berichten.

Ganz egal für welches Kundensegment, Ogilvy ist preisgekrönt unterwegs: Zuletzt konnte für www.missLO.at, eine Gesundheits-Seite für junge Frauen des Pharma-Riesen Wyeth, der Pharma Advertising Award 2003 in Empfang genommen werden. Stolz ist man auch auf die Realisierung der Portale www.a1.net, www.bbag.com (Website und Intranet für die Brau Beteiligungs Aktien Gesellschaft) sowie den Online-Shop der Gärtnerei Starkl www.starkl.at.

Was tut sich bei Top10 Agenturen

Weiters unter den Top10 der österreichischen Agenturen befinden sich Net-Value (4), DMC01 (5), die Salzburger Agentur Conova (6 - im Vorjahr noch auf Platz 16 gelegen), Pjure Marketing Services (7), Spreitzer New Media (8), die Linzer Reichl & Partner (9) sowie kraftWerk (10). Zwei "alteingesessene" Agenturen wurden damit aus den Top10 Rängen knapp verdrängt: Pixelwings (11 - 2001: Rang 9) sowie Nofrontiere (12 - 2001: Rang 8).

Einen interessanten Weg beschreitet die Net-Value, die zu 70% Geschäftsführer Michael Stergar und zu 30% der PR-Agentur Pro&Co gehört. Erstens werden in der 1996 gegründeten Agentur nur 11 Fixangestellte, dafür aber zur Zeit 35 freie Mitarbeiter beschäftigt. Zweitens bietet Net-Value neben dem üblichen Angebot, Beratung und Konzeption von Websites in allen Facetten, vor allem auch Content-Entwicklung und Beratung (eigene Online-Redaktion!) sowie Systemintegration und Anbindung von Internetanwendungen an die firmen-internen EDV-Systeme (z.B. SAP R/3). Über die 50% Tochter Cobweb Consulting wird auch Implementation bzw. Eigenentwicklung von Content-Management-Systemen (CMS) offeriert. Zu den großen Referenzprojekten der DMC gehören neben dem "Amtshelfer im Internet" www.help.gv.at oder der Internet-Präsenz des Wissenschaftsministeriums www.bmbwk.gv.at auch der Relaunch des Online-Auftritts der Kleinen Zeitung oder die Marketing-Plattform für Europapier www.buero24.at inklusive SAP-Anbindung.

DMC01 sieht Nachfrage nach mobilen Plattformen

Nur ein Jahr später als Net-Value, nämlich 1997 gegründet, wurde die DMC01, die klein aber fein mit 20 Mitarbeitern als Tochter-Unternehmen der DMC-Gruppe von Alexander Reiberger geführt wird und sich selbst als "Full Service Neue Medien und Beratungs-Agentur" versteht. Bei DMC sieht man den Bereich mobile Plattformen derzeit stark nachgefragt, "daneben geht der Trend in Richtung zweckorientierte, schlanke und leicht bedienbare Websites", erläutert Reiberger. Zur Zeit wird bei DMC an mehreren großen Projekten gearbeitet: So steht der Relaunch der Internet-Präsenz der BAWAG-PSK-Gruppe www.bawag.com und www.psk.at sowie des Autoherstellers Fiat www.fiat.at an. Die neue - allerdings sehr einfach "gestrickte" - Seite von Turboschuh www.turboschuh.at ist dafür schon online.

Führend im Westen Österreichs ist die Salzburger Agentur Conova, die neben Web-Design und Beratung auch Netzwerk-Services, Hosting & Housing sowie Security-Lösungen anbietet. Conova profitiert vor allem vom Haus- und Hof-Kunden Salzburger Nachrichten www.salzburg.com und anderen Salzburger Institutionen wie dem Salzburger Flughafen www.salzburg-airport.com oder den Salzburger Festspielen www.salzburgfestival.at. Weiterer prominenter Conova-Kunde ist z.B. TUI www.tui-reisecenter.at.

Pjure: Cross Media Aktivitäten

Zurück nach Wien. Relativ neu in der Szene ist die 2000 gegründete Agentur Pjure, die zur Zeit 20 Mitarbeiter beschäftigt. Neben dem New-Media Part hat die Agentur es sich zur Aufgabe gemacht Cross-medial verbindend zu agieren: Vom Kundenmagazin bis zum Prosepekt-Material, vom POS-Material bis zum Mailing reicht das Pjure-Angebot. Aber auch CRM-Beratung (Ist-Analysen, Strategie-Entwicklung, Organisationsberatung etc.) wird großgeschrieben. Zu den großen Kunden von Pjure zählen T-Mobile (T-Day Kampagne und Migration der Website), der ÖGB (Implementation einer CMS-Plattform) oder Siemens (Spin the Globe Kampagne). Gerade im Laufen ist die Entwicklung einer Online-Plattform für ATV plus.

Einen schönen Sprung nach vorne unter die Top 10 hat Spreitzer New Media durch die Übernahme von medienhaus+partner gemacht. Die Agentur hat sich ursprünglich aus einem Spin of der DM-Agentur Palla, Koblinger & Partner entwickelt. Geschäftsführer und Eigentümer Jörg Spreitzer sieht die vier Säulen Web, eCRM, Online Advertising und eBusiness als Arbeits- und Service-Schwerpunkte und bezeichnet sein Unternehmen als "Kreativagentur für Top-Brands". Spreitzers Team hat u.a. das Portal der Erste Bank/Sparkassengruppe oder die umfassende Website der VA-Tech inklusive CMS-Eigenentwicklung und Implementierung erstellt. Soeben in Arbeit sind Online-Projekte für das Dorotheum, VB-Leasing und das Außenministerium. "Es kommt immer auf die Idee an. Dass wir diese dann auch gut umsetzen, versteht sich ganz von selbst", strotzt Spreitzer vor Selbstbewusstsein.

Reichl & Partner: Liebe zum Detail

Marketing, Design, Technologie - mit diesen drei "Erfolgsfaktoren des E-Marketing" (Eigenaussage) punktet die Linzer Agentur Reichl & Partner kräftig. 13 Mitarbeiter sind unter der Führung von Rainer Reichl (75 Prozent Anteile) und Rainer Scharinger (25 Prozent Anteile) derzeit ziemlich mit Arbeit eingedeckt. "Wir realisieren den überwiegenden Teil unserer Projekte auf Basis eines CMS-Systems, das den Kunden auch die schnelle und einfache Wartung aller Inhalte und der Struktur der Websites erlaubt", erklärt Scharinger. Das bisher größte Projekt, das mit dem Redaktionssystem Powerslave realisiert wurde, ist die Website der Linz AG www.linzag.at, Sieger des Webcheck2002 (Studie von diamond:dogs in Kooperation mit Roland Berger Consulting). Weiteres interessantes Projekt ist z.B. die Realisierung eines Newsletter-Systems für die Drogeriekette Marionnaud www.marionnaud.at, das sich als "Schlager" entpuppte.

Mittlerweile wird dieses System auch vom Design Center Linz www.design-center.at, vom Getränke-Produzent Gröbi www.groebi.at sowie der Möbelplattform Orientierung www.orientierung.at genutzt. Die Liebe zum Detail und zur individuellen Realisierung zeichnen Reichl & Partner aus. Ein Beispiel dafür ist die Website für Tondach www.tondach.at, einen Ziegelhersteller aus Gleinstätten in der Steiermark, bei der neben dem Einsatz des CMS Powerslave auch die Möglichkeit besteht, alle Dachziegel online im Morgen-, Mittags- und Abend-Licht zu betrachten. Im Moment wird bei Reichl & Partner fieberhaft an der Fertigstellung der Website für das "Culinarium Österreich" gearbeitet, die Mitte Juni online gehen soll.

Pixelwings: Langfristige Kundenbetreuung

Mit derzeit 15 Mitarbeitern beschreitet Christoph Wize mit seiner Agentur Pixelwings, allein was die Unternehmensführung betrifft, einen innovativen Weg. 30 Prozent der Firmenanteile gehören den Mitarbeitern. Umfassendes Projektmanagement und langfristige Betreuung der Kunden wird bei Pixelwings großgeschrieben. Seit 1999 wird z.B. Renault Österreich bei allen Web-Aktivitäten betreut. Stolz ist das Pixelwings-Team auch auf den Relaunch des Ö1-Kulturkalenders oe1.orf.at/kulturkalender sowie auf das Portal der Arbeiterkammer. Für Renault hat Pixelwings gerade das angeblich "größte Formel 1 Online Spiel Österreichs" entwickelt. Noch im Laufen ist die Arbeit an der neuen Website für das Museum moderner Kunst www.mumok.at. Wichtig ist laut Geschäftsführer Christoph Wize "eine gute Kombination aus Kreativität und professioneller Umsetzung, d.h. Köpfe in den Wolken, aber Füße auf dem Boden".

Verweigerer des Rankings: Pixel.at

Daneben gibt es natürlich noch viele andere Web-Dienstleister. Zu den größeren Ranking-Verweigerern (und Kritikern) zählt sich die Agentur Pixel.at, die seit 1999 über 80 große und kleine Webprojekte realisiert hat. Jüngste Projekte sind der ATP Online Tennis Grand Prix (für Raiffeisen), die Online-Shaker-Kampagner (für American Express) sowie die kulinarische Online-Erlebniswelt von Toni Mörwald www.moerwald.at. Die Online-Vermarktung der Snowboard WM bzw. von Wintesportarten ist das nächste große Projekt von pixel.at. Geschäftsführer Bernd-Axel Hugelmann spricht aus, was viele denken: "Die Lage ist nicht einfach, die Unternehmen sparen alle" Seiner Meinung nach zählt daher neben der angebotenen Leistung bei den Kunden umso mehr "Handschlagqualität, Seriosität, Authentizität und Zuverlässigkeit".

Überlebens-Chancen für Newcomer?

Trotz der nach wie vor spürbaren Flaute und der vorsichtigen Zurückhaltung der Unternehmen, was alle Internet-Aktivitäten (und Investitionen) betrifft, gibt es Newcomer am Markt wie z.B. Aline, die bereits 2001 noch als CSB Production gegründet seit Jänner 2003 unter dem neuen Firmenname Aline agiert. Das 3 Personen Team arbeitet dabei projektbezogen mit Freelancern zusammen. Neben Webdesign ist die Kleinagentur auch auf Sound, Grafik & Design spezialisiert. Zielgruppe und potentielle Kundschaft sind Klein- und Mittelbetriebe. "Viele Unternehmen wollen ihre Website neu gestalten lassen oder erkennen erst jetzt die Wichtigkeit einer Internet-Präsenz", weiß Geschäftsführerin Sabine Müller-Vohnout zu berichten. Die Kunden legen vor allem auf "schnelle und problemlose Umsetzung und Abwicklung von Projekten, auf Flexibilität und good vibrations Wert", so Müller-Vohnout. Aber auch auf neue Ideen kommt es sicher an. So bietet Aline neuerdings Webdesign nach den Prinzipien des Feng Shui. Inspiriert zu dieser Idee wurde die junge Agentur sicher durch die Realisierung der Website für Kinesiologie www.amate.at.

Im Sound-Bereich freut sich Müller-Vohnout gerade über den Auftrag, den Soundtrack für die Beachvolleyball-WM 2003 zu entwickeln, der dann weltweit gesendet wird. Leicht ist es für die junge Firma aber jedenfalls nicht "Überleben kann man nur mit Idealismus und jeder Menge an positiver Lebenseinstellung", gesteht die sympathische, junge Geschäftsfrau.

Trends und Entwicklungen

Komplexe Lösungen unter Beachtung der Prinzipien der Web-Usability sowie Systemintegration, Erkennen der Bedeutung von Nutzen und Inhalt und damit verbunden der Einsatz und die Entwicklung von Content-Management-Systemen und die Entwicklung von Online-CRM-Aktivitäten und Strategien, Ausbau der Website in Richtung Multimedia und mobilen Applikationen, E-Commerce-Aktivitäten sowie Personalisierung und Nutzung der Website als wichtigen Information- und Kommunikations-Kanal - das sind wohl die wichtigsten Trends und Entwicklungen der nächsten Zeit in punkto Websites. Zentraler Angelpunkt dabei ist und bleibt die einfache Bedienbarkeit (Usability) durch den User, verbunden mit der Aktualität und Zielpublikum-gerechten Aufbereitung des Contents.

Ein großer Trend abseits der eigentlichen Dienstleistung ist auch die zunehmende Expansion bzw. Zusammenarbeit weit über die Grenzen hinweg. PXP z.B. orientiert sich zunehmend nach dem Osten, die Position von PXP CEE soll weiter ausgebaut werden. "Erfolgreich werden alle jene Multimedia-Dienstleister sein, die den Kunden in allen Kommunikationsanliegen für dessen Zielgruppen strategisch beraten und begleiten können, über den eigenen Tellerrand hinausblicken und auch in der technischen und grafischen Umsetzung höchst kompetent sind", fasst Wolfgang Slupetzky von OgilvyInteractive zusammen. "Lösungen für Unternehmen müssen ganzheitlicher werden. Dabei müssen alle Kommunikationsbereiche integriert werden und vor allem Ergebnisorientiertheit im Vordergrund stehen", ergänzt Pjure-Geschäftsführer Helmut Kosa. Die nächsten 12 Monate werden für die New Media Branche jedenfalls "heiß", glaubt man der Stimmung in der Branche. "Derzeit findet eine massive Marktbereinigung statt, aus der lediglich drei bis vier große Agenturen hervorgehen werden", bewertet Nathalie Kohn, Geschäftsführerin bei diamond:dogs die Lage ziemlich radikal. Erst Mitte 2004 werde sich die Situation deutlich entspannen, so Kohn.

Schöne Multimedia-Zukunft?

Breitband-Internet, schnelle Computer, tolle, große Flatscreens und zunehmendes Wissen und Interesse bei den Anwendern - all das wird insgesamt den Weg in die neue Multimedia-Welt öffnen. Bis dahin ist allerdings noch ein langer Weg. Denn erst muss sich auch in den Köpfen der Entscheider in den Unternehmen durchsetzen, dass ihre Websites nur dann beachtet werden, wenn so banal klingende Faktoren wie Bedienbarkeit, Inhalt oder zielgruppengerechte Ansprache beachtet werden. Oder schlichtweg eine Website in den Tiefen des Internets erst einmal vom Publikum gefunden und akzeptiert werden muss - Stichwort Suchmaschineneintrag. Hier bleibt noch viel zu lernen, beileibe nicht nur im KMU-Sektor, sondern auch bei den Top500 Unternehmen, wie der Webcheck 2002, eine Initiative von diamond:dogs und der Roland Berger Unternehmensberatung, zeigt.

Fazit der Studie: Das Internet ist für die Unternehmen noch immer "Brachland". Mehr als 300 große Unternehmen nahmen bei der Online-Befragung teil, außerdem wurden die Websites der Teilnehmer analysiert. "Die Internetauftritte werden der steigenden Bedeutung des Mediums nicht gerecht", meinte Studienautor Ulf Deecke von diamond:dogs. Mangelnde Aktualität der Websites, schlechtes Feedback auf Anfragen aus dem Internet (47 Prozent antworteten überhaupt nicht), Chancen werden nicht genutzt, Risiken negiert - das sind die ernüchternden Ergebnisse der Studie. Durchschnittlich 100.000 Euro beträgt das Internet-Budget österreichischer Unternehmen pro Jahr. Vergleichbare deutsche Firmen investieren mit rund 230.000 Euro mehr als das Doppelte. Österreichs Unternehmen hinken zur Zeit in punkto Website gehörig hinterher und haben noch enormen Aufholbedarf. Darüber müssten sich die Webagenturen eigentlich freuen.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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