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Strategien

EU-Osterweiterung:

Technische Dokumentation - Lokalisierung bleibt große Herausforderung

Die Richtlinien der europäischen Union verlangen von exportierenden Unternehmen lokalisierte Betriebsanleitungen für ihre Produkte. Dies stellt insbesondere kleine und mittlere Unternehmen oft vor erhebliche Probleme. Österreich hat hier eine wichtige Brückenfunktion.

Michael Plattner, Geschäftsführer itl GmbH Österreich, Christine Wallin-Felkner, Vorstand itl AG Deutschland

Wenn Unternehmen die Chancen des vergrößerten Binnenmarktes voll ausschöpfen wollen, müssen sich viele drastisch umstellen, weil es durch die Expansion im Osten auch eine größere Anzahl an Sprachen bei der technischen Dokumentation abzudecken gilt. Die Folge: Das rein manuelle Übersetzen als isolierter Teilprozess im Dokumentationsworkflow wirkt sich negativ auf die drei zentralen Projektfaktoren Termine, Kosten und Qualität aus. Hier ist deshalb ein gänzlich neuer Gesamtprozess gefragt.

Große Dokumentationsprojekte mit über 20 Sprachen sind mit den ursprünglichen Mitteln und Werkzeugen im Grunde nicht mehr zu bewerkstelligen. Der Aufwand wird so groß, dass er sich meist zu Lasten der Qualität auswirkt. Gerade hier dürfen aber auch kleine Unternehmen nicht schludern, weil mangelhafte Betriebsanleitungen schnell Schadensersatzklagen bedeuten können. Darum ist der Workflow in multilingualen Dokumentationsprojekten hinsichtlich der Werkzeuge und Teilprozesse zu verändern.

Zusätzliche Software reicht hier aber nicht aus, weil Osteuropa noch immer mit den Folgen des "eisernen Vorhangs" zu kämpfen hat. So unterstützt gängige Publishing-Software wie Adobes FrameMaker weiterhin weder Griechisch noch eine der künftigen EU-Sprachen aus Osteuropa. Mehr als zehn Jahre nach Einführung des Unicode-Standards ist dies schon eine gewisse Provokation für Europa.

Bis dato konzipierte man deshalb proprietäre Lösungen, die man in bereits existierende Publishing-Systeme integrierte. Dies führte allerdings auch zu hoch sensiblen, wartungsintensiven Gebilden - meist auf Kosten der Effizienz.

Ferner ignorierte man dabei allzu oft ein kritisches Postulat: Unter dem Diktat des Cross-Media-Publishing genügt es heute nicht mehr, ein fremdsprachliches Zeichen als "Glyphe" abbilden zu können. Vielmehr ist es entscheidend, ein zielsprachliches HTML-Dokument durchsuchen oder griechische Lesezeichen in PDF-Dokumenten erhalten zu können.

Ein prozessorientierter Ansatz kann hier Abhilfe schaffen. Teilprozesse wie Desktop-, Single Source- oder Cross Media Publishing müssen mit einem effektiven Übersetzungsworkflow in ein fundiertes Gesamtkonzept münden, das bei der Zeichencodierung dem Unicode-Standard folgt und die Logik des XML-Standards berücksichtigt. Dies kommt aber keiner Festlegung auf pure XML-Workflows gleich. Aus Sicht des Entwicklungsstandes gängiger Tools ist XML nämlich noch ein ziemlich neuer Standard.

Daneben sind auch die Implikationen von Übersetzung und Produktion auf die Redaktion zu erwägen: Die Zielsprache kann verglichen mit der Quellsprache einen größeren Platzbedarf zum Beispiel bei tabellarischen Darstellungen verlangen. Dies muss das Dokumentationskonzept angemessen berücksichtigen, etwa durch entsprechende "Pre-Flight-Werkzeuge". Diese haben übrigens mit den Werkzeugen aus dem Pre-Press-Bereich nur den Namen gemein.

Fazit: Die EU-Osterweiterung fordert zum Umdenken bei der technischen Dokumentation auf. Getrennte Prozesse wie Redaktion, Übersetzung, Reviews, Finishing oder Cross-Media-Produktionen sind zu integrieren. Diese Maßnahme kann sich bereits nach einem Dokumentationsprojekt auszahlen, weil sie für Verbesserungen sorgt, die sich gerade zum Projektende hin signifikant auswirken.

In Zeiten der EU-Osterweiterung und Globalisierung muss demnach eine Lösung Ziel sein, die das computergestützte Publizieren in alle Weltsprachen und Zeichen ermöglicht. Und zwar faktisch auf einem Rechner und über alle Medien hinweg.

itl versucht diesen Anforderungen mit dem Konzept des One World Publishing Rechnung zu tragen. Es verbindet die Prozesse Cross Media- und Single Source Publishing sowie Übersetzung und Lokalisierung zu einem Ganzen und bietet so einen effektiven Lösungsansatz.

Österreich kommt in diesem Kontext eine besonders wichtige Rolle zu, weil es aufgrund seiner geografischen Lage und Geschichte eine entscheidende Brückenfunktion nach Osteuropa einnimmt.

http://www.itl.co.at

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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