Viele Jahrzehnte verließ man sich in Tirol vor allem auf den Tourismus, der mit seinen jährlichen Steigerungsraten dem Land Wachstum und Wohlstand brachte. Erst als in den 90er Jahren die Erfolgskurve nicht mehr nach oben verlief, begann man sich Gedanken über die Zukunft des Landes zu machen. Die 1999 im Auftrag der Tiroler Wirtschaftskammer erstellte Studie "Zukunftsgedanken für Tirol" war dann der Ausgangspunkt für eine Reihe von Maßnahmen, die das Land auf die Überholspur gebracht haben. Die Ziele sind dabei durchaus ehrgeizig, möchte Tirol doch in der Anwendung moderner Technologien zu den führenden Regionen Europas aufschließen, wie es im Wirtschaftsleitbild heißt. Auf dem Weg in die Informationsgesellschaft wird Technologie zu einem Standort- und Schlüsselfaktor. Dementsprechend gilt es, nicht nur die Anstrengungen im Forschungs- und Entwicklungsbereich zu erhöhen, sondern auch den Transfer des daraus entstehenden Wissens in die Wirtschaft zu verbessern und die Innovationskraft der Unternehmen zu stärken.
So ist in den letzten Jahren ein Geflecht von Institutionen und Einrichtungen entstanden, die dazu beigetragen haben, dass sich Tirol heute als Technologieregion präsentieren kann. Entscheidende Impulse sind dabei von der Tiroler Zukunftsstiftung ausgegangen. 1998 als ein öffentlich-rechtlicher Fonds des Landes Tirol ins Leben gerufen, verfolgt die Zukunftsstiftung seitdem das Ziel, die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Tirol zu erhöhen und die regionalen und sektoralen Strukturen zu verstärken. Während dabei anfangs die Finanzierung zukunftsorientierter Initiativen und Projekte im Vordergrund stand, entwickelt sich die Zukunftsstiftung mehr und mehr zur Plattform für innovative Entwicklungen. Dabei konzentriert man sich auf die sogenannten Stärkefelder "Alpin", "Gesundheit" und "Informations- und Kommunikationstechnologie".
Neu hinzugekommen ist nun das Stärkefeld Mechatronik. "Tirol kann hier auf eine lange Tradition zurück blicken", so Johanna Bernhardt, Leiterin des Bereichs Mechatronik, der heute die Branchen Maschinen- und Anlagebau, Mess-, Regel- und Steuerungstechnik sowie Werkstoff- und Metallverarbeitung umfasst. Mehr als 700 produzierende Betriebe beschäftigen rund 15.000 Mitarbeiter, womit hier eine kritische Masse erreicht sei. Um die Zukunft dieser Unternehmen zu sichern, habe man eine Clusterausschreibung Mechatronik lanciert, so Bernhardt. Ziel sei die Kooperation von Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen und ein daraus resultierendes Profitieren voneinander. "Synergieeffekte erhoffen wir unter anderem in den Bereichen Technologietransfer, Ausbildung, aber auch Marketing", beschreibt Bernhardt die Erwartungen. Das Interesse sei groß, derzeit seien verschiedene Gruppen dabei, Konzeptvorschläge für einen Cluster zu erstellen. Diese werden dann von einer Jury auf ihre Brauchbarkeit hin überprüft. Bei der positiven Annahme eines Antrags stellt die Zukunftsstiftung in den nächsten fünf Jahren dann 400.000 Euro für das Clustermanagement zur Verfügung.
Bildung als entscheidender Wettbewerbsfaktor
Welch große Bedeutung Bildung und Wissen heute, vielmehr aber noch in der Zukunft haben werden, ist hinlänglich bekannt. Auch in Tirol hat man erkannt, wie wichtig qualitativ hochwertige Ausbildungseinrichtungen sind und die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen. Das aus der 1999 erstellten Studie hervorgegangene Konzept "ICT Tyrol" setzte dabei auf die Informatik. So konnten im Wintersemester 2001/02 etwas mehr als vierhundert Studienanfänger erstmals ein Informatikstudium an der Universität Innsbruck aufnehmen. Ebenso wurde im Oktober 2001 in Hall die Private Universität für Medizinische Informatik und Technik Tirol gegründet. Als erste Universität ist die UMIT (University for Health Informatics and Technology Tyrol) auf die zukunftsorientierten Themengebiete der Medizinischen Informatik ausgerichtet und bietet eine dreistufige akademische Ausbildung an, an deren Ende der Medizininformatiker als Schnittstelle zwischen Patient, Arzt und Informationstechnologie steht. Hauptgesellschafter ist neben der Tiroler Zukunftsstiftung die Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH (TILAK).
In Innsbruck wiederum ist das MCI (Management Center Innsbruck) angesiedelt, ein Kompetenzzentrum in Sachen Management. Angeboten werden hier nicht nur Fachhochschulstudien, etwa im Bereich Management und angewandte Informatik, sondern auch verschiedene Managementlehrgänge und Masterprogramme. Über das MCI lassen sich die für eine Unternehmensgründung so dringend benötigten Managementkenntnisse erwerben. Vor allem Akademiker, die eine Unternehmensgründung ins Auge fassen, sind von einem engmaschigen Netz umgeben, das ihnen zahlreiche Hilfen anbietet. Neben dem MCI haben die Universität Innsbruck, die Tiroler Zukunftsstiftung, MCI und die Innovations & Venture-Partners GmbH mit dem Center for Academic Spin-offs Tyrol (CAST) ein Unternehmen geschaffen, dass Gründungen im akademischen Umfeld fördern und Gründer von der Idee bis hin zur Unternehmensgründung unterstützen und begleiten möchte.
Büroräumlichkeiten stehen den Gründern ab dem nächsten Jahr im ICT Technologiepark zur Verfügung, der direkt auf dem Gelände der Universität Innsbruck entsteht. Dabei seien, so Projektleiter Christian Hörmann, 15% der rund 10.000 qm Nutzfläche für Unternehmensgründer reserviert. Der zeitliche Ablauf ist gut geplant, werden doch mit dem Abschluss der Bauarbeiten auch die ersten Studenten in Innsbruck mit ihrem Informatikstudium fertig. Nicht nur Firmen, sondern auch Forschungseinrichtungen sollen im neuen Technologiepark Platz finden, unter anderem das neu zu schaffende europäische Forschungszentrum für Quantenoptik und Quanteninformatik. "Unsere Zielgruppe ist in einem ersten Schritt vor allem die heimische Wirtschaft", so Hörmann, langfristig werde aber natürlich eine internationale Ausrichtung angestrebt. Platz für weitere Baustufen ist noch vorhanden und da gut zwei Monate nach dem Spatenstich bereits knapp zwei Drittel der Nutzfläche vermietet sind, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis mit dem nächsten Bauabschnitt begonnen wird.
Nachdem anfangs vor allem die Entwicklung von IT-Ausbildungsangeboten im Vordergrund stand, geht es mittlerweile auch darum, das dort erworbene Wissen der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Mit "trans IT" wurde daher eine Gesellschaft geschaffen, die die Kooperation zwischen Uni und Praxis stärken soll. "Eine unserer Aufgaben ist es, den Unternehmen die Berührungsängste vor dem akademischen Unfeld zu nehmen", berichtet Joachim H. Wolff, Geschäftsführer der Gesellschaft, die selbst ab nächstem Jahr Mieter im neuen Technologiepark sein wird. "Wir möchten durch unsere Arbeit den Gap zwischen Wirtschaft und Forschung schließen", beschreibt Wolff eines der Ziele der Gesellschaft. Im Unterschied zu einem Netzwerk oder Cluster sei man aber aktiv in IT-Projekten engagiert, wobei es sich nicht um Projekte des täglichen Bedarfs handele, sondern um innovative Fragestellungen. "Hier können wir natürlich auf die Universität zurückgreifen", so Wolff, der mit dem Unternehmen nicht nur Beratungsleistungen anbietet, sondern auch das Projektmanagement übernimmt. Zwar hat "trans IT" eine Anschubfinanzierung erhalten, mittel- und langfristig soll die Gesellschaft aber auf eigenen Beinen stehen. "Dabei verstehen wir uns aber nicht als Konkurrenz zu IT-Dienstleistern, die auf dem Markt tätig sind, denn wir möchten uns in Themenbereichen bewegen, die noch nicht kommerziell besetzt sind", beschreibt Wolff die Position der Gesellschaft, an der die Uni Innsbruck, das MCI und die Zukunftsstiftung Anteile halten.
Wie in einem Mosaik fügen sich die verschiedenen Einrichtungen zusammen und lassen eine IT-Landschaft entstehen, die mindestens ebenso attraktiv zu sein scheint wie die Tiroler Bergwelt. Unternehmen, die sich hier ansiedeln möchten, können auf die Dienstleistungen von Tech Tirol, der für Betriebsansiedelung und Standortmarketing zuständigen Servicestelle setzen. Durch eine gezielte Politik wurden in den letzten Jahren recht erfolgreich Nischen im Technologie- und IT-Bereich besetzt. Vieles deutet darauf hin, dass es mit Tirol als IT-Region weiter bergauf geht.
"Konsequente Fortführung und weitere Forcierung"
Im Rahmen der Serie IT-Bundesländer erläutert der Tiroler Landeshauptmann DDr. Herwig van Staa im Gespräch mit dem MONITOR die IT-Wirtschaft in Tirol.
Durch die zahlreichen Rückschläge in den letzten Monaten hat das Renomee der IT-Branche zwar etwas gelitten, trotzdem gilt die Branche als äußerst zukunftsträchtig. Welche Bedeutung hat diese Branche für Ihr Bundesland?
Wenn Sie mit zahlreichen Rückschlägen von Unternehmen der IT-Branche in der Vergangenheit einen Renomee-Verlust verbinden, teile ich diese Auffassung nicht. Vielmehr ist eine Marktregulierung eingetreten und zwar insofern, als all jene Firmen mit konkurrenzfähigen Produkten der Informations- und Kommunikationstechnologien ihre Position festigen und an Unternehmensprofil zugewinnen konnten. Dies führte unter anderem dazu, dass eine Segmentierung des Leistungsspektrums eintrat und gleichzeitig transparent wurde wie viele Tiroler IT-Unternehmen in ihren Marktnischen nationale und internationale Spitzenpositionen einnehmen.
Dies hat Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in unserem Land zu einer gemeinsamen IT-Offensive veranlasst, deren Ziel es ist, eine umfassende Vernetzung aller Regionen unseres Landes aufzubauen, um so allen Betrieben den Zugang und die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien, durchaus auch branchenspezifisch angepasst, wenn sie an die vielen Klein- und Mittelbetriebe Tirols denken, zu ermöglichen. Eine diesbezüglich erfolgreiche Entwicklung wird aber nur mit entsprechend einhergehenden Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten stattfinden können.
Was hat das Land Tirol in den letzten Jahren getan, um für IT-Unternehmen günstige Rahmenbedingungen zu schaffen?
Das Land Tirol hat, wie schon erwähnt, vor einigen Jahren gemeinsam mit der Universität Innsbruck, der Wirtschaftskammer Tirol und der Industriellenvereinigung Tirol eine IT-Offensive gestartet. Es geht dabei im Wesentlichen um den Auf- und Ausbau von Forschungsstätten und Bildungseinrichtungen. Neben der Gründung einiger IT-spezifischer Kompetenzzentren und der Implementierung eines Informatikschwerpunktes in Form eines eigenen Informatikinstitutes an der Universität Innsbruck ist auch die Implementierung eigener Fachhochschulstudiengänge mit IT-Schwerpunkt an den Standorten Innsbruck und Kufstein wesentlich. Die Erweiterung um IT Lehrveranstaltungen auch in den berufsbildenden höheren Schulen, wie HTL und HAK ist ebenfalls zu erwähnen.
Um den IT-Unternehmen jedoch beste Rahmenbedingungen für die Verbesserung des eigenen Know-hows und gesundes Wachsen zu ermöglichen; wirkt das Land Tirol bei der Errichtung eines ICT-Technologieparks am Campus der Baufakultät maßgeblich mit. In diesem ICT-Technologiepark wird die Österreichische Akademie der Wissenschaften mit Unterstützung des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck ein Forschungsinstitut für Quantenoptik und Quanteninformation betreiben. Die Universität Innsbruck hat gemeinsam mit dem Management Center Innsbruck (MCI) und der Tiroler Zukunftsstiftung mit der "transIT Transfer- und Entwicklungs GmbH" eine Gesellschaft gegründet, deren Zweck es ist, bedarfsgerechte anwendungsorientierte Forschung in Kooperation mit Unternehmen und Betrieben zu ermöglichen.
Betreiben Sie eine aktive Ansiedelungspolitik, um IT-Unternehmen in Ihr Bundesland zu holen?
Das Land Tirol verfügt mit der "Tech Tirol Technologietransfer- und Standortmarketing GmbH" über eine professionell agierende Einrichtung. In den Bezirken ergänzen die vernetzten IC-Innovation Center Tirol die aktive Ansiedlungspolitik. Tech Tirol verfügt mit der Standortdatenbank, mit einer Abteilung zur Abwicklung von Technologieprogrammen und dem Geschäftsfeld ICT-Technologiepark Universität Innsbruck über hervorragende Instrumente um Unternehmen des In- und Auslandes bei der Standortwahl Zeit und Geld zu sparen. Vor allem forschungsorientierte neue Betriebe und Betriebe deren Produkt- und Dienstleistungsentwicklung durch hochqualifiziertes Personal und der Forschungskapazität im Umfeld der Universität Innsbruck und anderer Hochschulen gesteigert werden kann; werden besonders angesprochen. So wird die Standortfrage durch die "weichen Faktoren" wie Ausbildung, Freizeitwert, Zugang zu Arbeitskräften und Programmen immer wichtiger und bei der Beratung durch Tech Tirol auch besonders berücksichtigt.
Welche Voraussetzungen finden Unternehmensgründer vor und in welcher Weise können Sie als Landesregierung hier Hilfestellung leisten?
Das Land Tirol offeriert Unternehmen verschiedenste Möglichkeiten der Unterstützung. Wie bereits erläutert steht Tech Tirol für die Koordinierung der maßgeblichen Entscheidungsträger hilfreich zur Seite und bietet ein kostenloses Ansiedlungsmanagement an, das vom ersten Kontakt über die Standortsuche, bis hin zur Steuer- und Rechtsberatung reicht.
Die Innovation Center Tirol, als regionale Einrichtungen zur Betriebsansiedlung bieten unterschiedlich gestaffelte Mietmodelle an.
Neben weiteren Einrichtungen des Landes bietet auch das Gründerservice der Wirtschaftkammer Tirol professionelle Unterstützung Unternehmensgründern ebenso an wie Betriebsnachfolgern bei der Übernahme eines Unternehmens.
Die Tiroler Zukunftsstiftung bietet mit ihrem dreistufigen Businessplanwettbewerb "Adventure X" innovativen Unternehmensgründen eine Plattform um neue Geschäftsideen unter professioneller Begleitung hinsichtlich ihrer Produkt- und Markttauglichkeit vorzustellen und eine Unternehmertätigkeit zu starten.
Die angesiedelten Unternehmen können darauf bauen, dass die Aus- und Weiterbildung im IT-Bereich als Basis für innovative Entwicklungen, Ideen und Projekte weiter vorangetrieben wird.
Welche Entwicklung wünschen Sie sich in den nächsten 10 Jahren für den IT-Standort Tirol beziehungsweise für die IT-Unternehmen in Ihrem Bundesland?
Ich erwarte mir eine konsequente Fortführung und weitere Forcierung aller Initiativen und Ausbildungsprozesse, um auch in naher Zukunft den höchst attraktiven Wirtschaftsstandort Tirol nachhaltig sichern zu können. Die zukünftige "neue" Universität Innsbruck soll noch verstärkter als bisher im Bereich der IT-Grundlagenforschung als Träger und Motor fungieren, um so gemeinsam mit der Politik und der Wirtschaft kommende Herausforderungen bewältigen zu können.
Informationsquellen im Internet
- http://www.tirol.gv.at Land Tirol
- http://www.zukunftsstiftung.at Tiroler Zukunftsstiftung
- http://www.tech-tirol.at Tech Tirol
- http://www.ict-technologiepark.at ICT Technologiepark Universität Innsbruck
- http://www.transit.ac.at trans IT Entwicklungs- und Transfercenter Universität Innsbruck
- http://www.mci.at Management Center Innsbruck
- http://www.cast-tyrol.com CAST Center for Academic Spin-offs Tyrol
- http://wko.at/tirol/tiz Technologietransfer- und Innovationszentrum - TIZ
- http://www.umit.at Private Universität für Medizinische Informatik und Technik
- http://www.fh-kufstein.ac.at Fachhochschule Kufstein




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7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 