Mag. Marion Breitschopf
Ziel der Veranstaltung war es, verschiedene Stakeholder aus dem Bereich "E-Payment" an einen Tisch zu holen und den status quo zu evaluieren.
Laut der Umfrage des Handelsverbandes "Elektronischer Zahlungsverkehr 5/2002" liegen Bezahlung mit Erlagschein und Bezahlung per Nachnahme unangefochten an der Spitze der in Österreich zurzeit angebotenen Zahlungsformen im Internet. Erst an dritter Stelle der angebotenen Bezahlmethoden steht die Kreditkarte.
Als Hindernisgründe für die Verwendung von anderen Zahlungsmethoden nennen die Anbieter zu hohe Kosten, zu hohen technischen Aufwand und mangelnde Akzeptanz bei den Endkunden.
Neben Sicherheitsaspekten und betriebswirtschaftlichen Überlegungen - wie vertretbare Disagiosätze und günstige Systemkosten - spielt der Endkunde auch bei den Überlegungen, welche Zahlungssysteme in nächster Zukunft angeboten werden, die tragende Rolle.
Was will der Endkunde?
Jürgen Gangoly, Internet-Ombudsmann, bringt die Bedürfnisse der potenziellen Käufer auf den Punkt: "Die Konsumenten wünschen sich benutzerfreundliche, sichere und billige Online-Zahlungsformen. Dazu ist es notwendig, dass sich Systemhersteller, Provider, Banken und Telekommunikationsunternehmen auf gemeinsame Standards einigen und diese rasch implementieren. Solange jeder größere Anbieter sein eigenes Süppchen kocht, werden die Konsumenten auf bewährte - für die Anbieter jedoch teure - Zahlungsmethoden wie Nachnahme und Überweisung zurückgreifen."
Die genannten Zahlungsmethoden haben einen großen Nachteil: Micropayments, also Zahlungen unter 3 Euro sind aufgrund der hohen Abwicklungskosten für den Anbieter unrentabel.
Dies stellt die Online Content Industrie vor ein großes Problem: die Bereitschaft der Endkunden für Inhalte im Netz zu bezahlen, nimmt zwar kontinuierlich zu. Laut einer Studie von Fittkau & Maaß sind nur mehr 27% der Internet-Gesamtnutzerschaft nicht bereit für Online Content zu bezahlen. Die Anbieter müssen jedoch auf Abo- oder Prepaidlösungen zurückgreifen, da kleine Summen nicht verrechenbar sind.
Diese Lösungen sind nicht gerade endkundenfreundlich - der Kunde muss sich auf einen längeren Zeitraum binden oder vorher eine Prepaid Card kaufen - und machen den Impulskauf unmöglich.
Divergierende Meinungen zwischen Content und Banken Vertretern
Insbesondere zwischen den Banken und den Content-Providern gibt es verschiedene Interessenslagen: Während die Content-Industrie auf neue Einnahmequellen durch ein billiges System für Micropayments hofft, sehen die Banken die derzeitigen Paymentangebote als ausreichend.
Das Clearinghouse als Problemlöser?
Das von Kurt Einzinger vorgestellte Modell eines Clearinghouses basiert auf der Überlegung, dass eine "Third Party" ohne eigene Geschäftsinteressen und unter Einbindung aller Stakeholder geschaffen wird, die das Clearing übernimmt. Diese Stelle wäre das Bindeglied zwischen Billing Partnern, die von den Endkunden frei wählbar wären und den Content-Providern, die somit nur mehr einen Vertragspartner hätten.
Im Prinzip stehen alle Stakeholder einer unabhängigen Clearingstelle kritisch aber positiv gegenüber. Als besonderes Problem wurde die Schnittstelle zu international verbreiteten Systemen erkannt.
Für Fragen zu den Aktivitäten der ISPA zum Thema E-Payment wenden Sie sich bitte an die ISPA-Serviceadresse office@ispa.at.
Mag. Marion Breitschopf ist Projektleitung E-Payment ISPA
Diskutiert haben:
Kurt Einzinger - ISPA
Hermann Futter - Compass Verlag
Jürgen Gangoly - Internet-Ombudsmann
Robert Macho - Bank
Austria Creditanstalt AG
Wolfgang Prentner
- ZT PRENTNER IT
Jochen Punzet - paybox
Tom Wolf - WiNAG.com
Moderation: Marion Breitschopf




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 