Adolf Hochhaltinger
Einigen LeserInnen wird zum Namen Borland sicher noch der Begriff "Turbo-Pascal", einfallen: ein im Vergleich zu den Mitbewerbern blitzschneller Pascal-Compiler, mit dem Borland zu DOS-Zeiten seinen ersten großen Hit landete. In den folgenden Jahren kamen dann Quattro Pro und Paradox sowie die Programmiersprache "Delphi" dazu, die sich - immer wieder verbessert und erweitert - bis heute eine viele Millionen starke Usergemeinde erhalten konnte.
Seit 1998 hat sich Borland vom reinen Hersteller von Entwicklungswerkzeugen zum Spezialisten für betriebssystemunabhängige E-Business-Integrations-Plattformen gewandelt. Konsequent erweiterte Borland seine Produkt-Palette und bietet heute sowohl Entwicklungsumgebungen als auch Deployment-Plattformen und Lösungen für das gesamte Application Lifecycle Management an.
Die geschäftliche Entwicklung der letzten Jahre umreißt Josef Narings so: "Wir konnten den Umsatz auch in den vergangenen Jahren regelmäßig steigern, er beträgt für das Jahr 2002 244 Mio. US-Dollar - eine Steigerung um 10 Prozent gegenüber den Vorjahr. Für 2003 haben wir uns sogar vorgenommen, die Umsatzgrenze von 400 Mio. Dollar zu erreichen. Alleine in Deutschland, der Schweiz und Österreich konnten wir den Umsatz im Jahr 2001 um 48 Prozent steigern, und auch im letzten Jahr war wieder eine Steigerung möglich."
Als einen wesentlichen Grund dafür sieht Narings die veränderten Geschäftsanforderungen in den Unternehmen: "In vielen Unternehmen verändern sich die Geschäftsanforderungen - durch den Markt geprägt - sehr schnell. Und dann beginnt die Geschwindigkeit bei der Entwicklung immer wichtiger zu werden. Sie entscheidet, wer mit seinem Produkt als erster am Markt ist. Und da kommen wir ins Spiel: Traditionell wurde die Qualität erst festgestellt, wenn ein Produkt fertig war. Entsprach es nicht, so wurde es zurückgeschickt und musste den gesamten Zyklus nochmals durchlaufen. Wir dagegen kontrollieren die Qualität schon von Anfang an, unmittelbar nach jedem Entwicklungsschritt. Mit anderen Worten: Der Fehler wird gleich dort festgestellt, wo er passiert ist, so kann eine Reparatur oder Nachbesserung unmittelbar dort veranlasst werden. Und damit ersparen wir uns - beziehungsweise dem betreffenden Unternehmen - eine Menge Leerlauf, und vor allem viel Zeit."
Das lässt sich, so Narings, auch statistisch belegen: "Wird im Vorfeld eines Projektes ,geschludert', dann sprengen 80 % aller Projekte den finanziellen Rahmen, beziehungsweise dauern länger als vorgesehen. Werden diese ,Requirements' allerdings von Anfang an genau erfasst, so sprengen nur 20 % aller Projekte die vorgegebenen Rahmenbedingungen. Und die Projekte werden dann auch noch zwischen zwei- und fünfmal schneller fertiggestellt."
Plattform Java
Borland erkannte insbesondere in dem Bereich rund um die plattformunabhängige Sprache Java ein zukunftsträchtiges Tätigkeitsfeld. Mit dem "JBuilder" wurde eine Umgebung für die Entwicklung leistungsfähiger Enterprise-Java-Anwendungen geschaffen. Kurz darauf folgte das "Enterprise Studio for Java", eine integrierte Plattform für den Entwurf, die Entwicklung, das Testen und die Auslieferung von Java-Lösungen vor allem für Business und e-Commerce.
Mit den Anfang 2003 abgeschlossenen Akquisitionen von TogetherSoft und Starbase verfügt Borland heute über eine Produktlinie, die sämtliche Aspekte des "Application Lifecycle Management" von A bis Z abdeckt.
Software-Entwickler können Business-Anwendungen schneller erstellen und einsetzen, denn alle fünf Phasen des Entwicklungszyklus - Define-Phase, Design-Phase, Develop-Phase, Test-Phase, und Deploy-Phase - lassen sich heute mit Lösungen aus einer Hand abdecken. Dazu kommen dann noch entsprechende Datenbank-Produkte.
Für das ganze Produkt-Leben
Mit diesem abgerundeten "life cycle management" kann Borland nun die gesamte Lebensdauer eines Projektes unterstützen - angefangen von der Erfassung der Vorgaben und Ansprüche an ein neues Projekt (CaliberRM) über das Management der Entwicklung selbst (Together) bis zum tatsächlichen Einsatz und der eventuellen Entwicklung weiterer Versionen.
"Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen ist es ganz wichtig", so Narings, "sich einmal mit Borland zu unterhalten. Egal ob sie zum Beispiel ein Softwarehaus damit beauftragen, für sie Software zu entwickeln, oder ob sie selbst einige Entwickler im Haus haben, die ihre Software schreiben: die Entwickler haben so die Chance, im Vorfeld für den Kunden sämtliche Anforderungen an die Software präzise zu erfassen."
Und als Zukunftsvision definiert Narings, "eine digitale Welt, in der Anwender sich frei entscheiden, mit welcher Programmiersprache und unter welchem Betriebssystem sie ihre Applikationen entwickeln und ablaufen lassen wollen."
http://www.borland.de




1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 