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Moniskop

75 Jahre IBM Österreich

Vom Anbieter von Schnellwagen und Arbeiterkontrolluhren zur Niederlassung für das weltweite Produkt Announcement Service.

Andreas Roesler-Schmidt

Kritik an zu spätem Einsatz von E-Government in Österreich ist eigentlich fehl am Platz. Österreich setzte 1890 im Zuge der Volkszählung als erstes europäisches Land eine mechanische Datenverarbeitungsanlage ein. Die Maschine war von Hermann Hollerith 1887 in den USA erfunden worden, der dann das Vorläuferunternehmen von IBM, die Computing-Tabulating-Recording Company gründete.

Die Verankerung von IBM in Österreich erfolgte mit der Handelsregistereintragung unter dem Namen "Internationale Geschäftsmaschinen Vertriebsgesellschaft mbH" am 18. Mai 1928. Als Gegenstand des Unternehmens waren der "Handel mit Geschäftsmaschinen, insbesondere automatischen Schnellwagen, Arbeiterkontrolluhren, Statistik- und Buchhaltungsmaschinen und Geschäfte mit Gegenständen den gleicher Gattung" genannt. 1949 wurde in Graz die erste Geschäftsstelle außerhalb Wiens gegründet, andere Bundesländer folgten schrittweise: Linz 1958, Klagenfurt 1959, Bregenz 1962 und Salzburg 1963. Bis heute ist IBM mit Niederlassungen und Mitarbeitern in jedem Bundesland vertreten.

Die Wiener Zentrale übersiedelte 1969 von der Börse an das neue Haus am Donaukanal, das 2001 im Projekt "redesign Diana" nach Kriterien für moderne Arbeitsplätze neugestaltet wurde. Seitdem trägt das Haus Diana die Glasfassade und die Skylobby am Dach. IBM ist inzwischen wieder in ein Bauprojekt involviert, nämlich als Generalunternehmer für die schlüsselfertige Errichtung des Saturn Towers in der Donau City bis 2004.

Die Kunden der ersten Stunde waren namhafte österreichische Firmen wie die Wiener Städtische, Schoeller-Bleckmann oder die Landeskrankenkasse Graz. Anfangs waren es noch der Handlocher, die vertikale Sortiermaschine und die Tabelliermaschine, die in österreichischen Unternehmen für statistische Zwecke zum Einsatz kamen. Später waren es Innovationen der elektronischen Datenverarbeitung, die IBM an österreichische Unternehmen lieferte. Der erste IBM Computer (das Modell 650) in Österreich wurde 1958 an der TU Wien installiert. Der erste IBM PC wurde 1982, ein Jahr nach seiner Entwicklung, in Österreich ausgeliefert.

Prominente Auftritte hatte IBM Technologie bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck 1964: Das Organisationskomitee und das Presse-, Rundfunk- und Fernsehzentrum waren durch ein riesiges Nachrichtennetz mit IBM Rechnern verbunden. Bei der Nationalratswahl 1966 wurde die Ergebnisermittlung erstmals elektronisch auf IBM-Maschinen durchgeführt. In den Siebzigern war IBMs System/3 maßgeblich an der Berechnung der Wiener U-Bahn beteiligt. Stolz ist man bei IBM Österreich auf Kooperationen mit der Forschung, insbesondere auf den 1959 entwickelten ersten Transistorcomputer, den "Mailüfterl" von Heinz Zemanek.

1970 erreichte der Personalstand von IBM Österreich erstmals 1000 Mitarbeiter, der Umsatz wuchs auf über zwei Milliarden Schilling. 1972 notierte die IBM-Aktie an der Wiener Börse. Inzwischen sind es 2100 Mitarbeiter, die 720 Millionen Euro Umsatz (2001) erwirtschaften.

Die Neutralität und die geographische Nähe Österreichs zu den Ländern Ost- und Südosteuropas war 1965 ausschlaggebend für eine Aufwertung des Standorts Wien innerhalb des Konzerns. Mit dem "Vienna Control Center", dem späteren IBM Regional Office, Europe, Central and East (ROECE), wurde ein Zentrum zur Leitung der Geschäftsagenden in den damaligen Ostblockstaaten eingerichtet. 1998 wurde dieses Verantwortungsgebiet noch erweitert: Die in Wien angesiedelte IBM CEMA (Central, Eastern, Middle East and Africa) Organisation betreut 60 Länder. Die Bedeutung des Standorts Wien innerhalb der IBM Corporation zeigt sich auch darin, dass seit 1996 die weltweiten IBM International Business Operations mit 440 Mitarbeitern in Wien sitzen. Dieser Bereich ist für das weltweite Announcement Service von jährlich rund 4400 neuen Produkten verantwortlich. In Wien werden die Modell- und Teilenummern, Terms & Conditions und die technische Beschreibung aller neuen Produkte definiert und die weltweite Produktankündigung durchgeführt.

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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