Christian Henner-Fehr
Für viele sind Weblogs eine Spielerei, die es einzelnen Personen möglich macht, über ihre Reisen oder andere Erlebnisse zu berichten. Erstellt werden diese Online-Tagebücher mit Hilfe von Software-Tools, die es jedem in kürzester Zeit möglich machen, auch ohne HTML-Kenntnisse online zu gehen und andere an einem wichtig scheinenden Ereignis teilhaben zu lassen. "Wunderbar heute mein kleiner bruder hat geburtstag und die ganze family steht auf der matte ich hab echt keinen bock mehr", schreibt etwa Kaethe in ihrem Weblog und hofft auf Reaktionen der Leser. Die Texte erscheinen dabei chronologisch geordnet, der aktuellste Eintrag ganz oben. Die Leser haben nun die Möglichkeit, einen Kommentar abzugeben und damit eine Art Gespräch in Gang zu bringen.
Ein Streifzug durch die Welt der Weblogs zeigt, dass es vor allem die Jüngeren sind, die Weblogs zum Austausch von Eindrücken und Informationen, aber auch von Bildern nutzen. Möglich machen dies Unternehmen, die Weblog-Software zur Verfügung stellen. Auf http://www.blogger.com etwa wird die Zeit zur Einrichtung eines eigenen Weblogs mit zwei Minuten veranschlagt. Kosten entstehen keine, wenn man sich mit der Basisversion zufrieden gibt. Wer über keinen eigenen Webspace verfügt, bekommt auch diesen kostenlos zur Verfügung gestellt. Während es das Weblogging in den USA schon seit ein paar Jahren gibt, findet der Durchbruch in Europa gerade erst statt. Die 20six AG (http://www.20six.de), führender Weblog-Anbieter in Deutschland, ging erst im März dieses Jahres an den Start. Auch hier kann jeder in wenigen Minuten seinen eigenen Weblog einrichten, bis jetzt noch kostenlos. Aber wie in vielen anderen Unternehmen bastelt man auch in dem in Hamburg beheimateten Unternehmen an Geschäftsmodellen, damit sich mit Weblogs irgendwann einmal Geld verdienen lässt. Hier im Norden Deutschlands setzt man auf die Jugend als Zielgruppe und bietet seit kurzem auch die Möglichkeit an, per SMS oder MMS Texte, Töne und Bilder auf die eigenen Weblogs zu laden. "Das Angebot der Aktualisierung mittels Handy wird von der Handy- und SMS-Generation gerne genutzt", erklärt Nicola Baum, Pressesprecherin des Unternehmens. Ein MMS-Handy bekomme so wieder etwas mehr Sinn, ist sie überzeugt.
Weblogs sind aber auch für den Businessbereich interessant, denn sie sind mehr als nur eine Tagebuchform oder ein einfacher Homepagegenerator. Faszinierend ist vor allem der Netzwerkgedanke, der hinter den Weblogs steht. Wissen, in einzelnen Weblogs generiert, kann durch Verlinkung miteinander verknüpft und dadurch in seinem Wert steigen. Weblogs können so zu riesigen Wissensspeichern werden. Bildung ist zum Beispiel das Thema im "Bildungsblog" (http://bildung.twoday.net). Einmal begonnen, taucht man ein in die Welt der Weblogs und ist erstaunt, welche Mengen an Informationen hier zusammen getragen werden. John Robb, Präsident des Softwareunternehmens UserLand (http://www.userland.com) beschreibt diese "k(nowledge)-logs" als ein Tool, das sich nicht nur als Archiv eignet, sondern auch Funktionalitäten aufweist, die eine langfristige Zusammenarbeit ermöglichen und die Interaktion und damit den Austausch stärken. Das Resultat sei ein kostengünstiges, auf dem Internet basierendes Netzwerk, in dem Wissen geteilt werden könne, so Robb (http://www.blogroots.com/chapters.blog/id/4).
Über das Potenzial von Weblogs wird mittlerweile häufig spekuliert, angetrieben vor allem durch die Übernahme von Pyra Labs durch den Suchmaschinenbetreiber Google. In "edings", einem Team-Weblog, der sich als deutsch-österreichischer eBusiness Dialog versteht, stellt Markus Stolpmann Vermutungen an, wie Google von dem Know-how der kalifornischen Firma, die hinter der schon erwähnten Site http://www.blogger.com steht, profitieren könnte. Sein Ausgangspunkt ist die Google Search Appliance. Dabei handele es sich um einen Such-Server für das Internet, der hinter der Firewall stehe und den Unternehmen dabei helfe, den Mitarbeitern das Firmenwissen zu erschließen, so Stolpmann (http://www.edings.at/eentry00742.html). In Verbindung mit der Weblog-Software lassen sich nun im Intranet Weblogs einrichten. Das Resultat: ein Wissensspeicher, der im Intranet entsteht und somit relativ sicher ist und über mächtige Suchinstrumente verfügt. Solche Lösungen können nicht nur den Unternehmen dabei helfen, den Kampf gegen die Informationsflut zu gewinnen, sondern den Entwicklern von Weblog-Software einen Weg weisen, wie sich mit Weblogging Geld verdienen lässt.
Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Weblogs im Business-Bereich hat Thomas N. Burg, Leiter des Zentrums für Neue Medien an der Donau-Universität in Krems, unter http://randgaenge.net/ beschrieben. Ob Projektmanagement, Community-Building oder PR, Weblogs stellen in vielen Bereichen eine kostengünstige Alternative dar. Burgs Weblog "Randgaenge" ist eine Fundgrube für diejenigen, die sich mit Weblogging beschäftigen wollen. Er selbst gilt mittlerweile als Experte auf diesem Gebiet und hat vor kurzem in Wien die erste europäische Weblog-Konferenz (http://blogtalk.net) organisiert. Da es außerdem mit Antville (http://www.antville.org), einem Open Source Projekt, und dem von der Wiener New Media Agentur betriebenen Weblog-Service twoday.net (http://twoday.net) zwei erfolgreiche österreichische Weblog-Anbieter gibt, kann Österreich durchaus als europäische Weblog-Hochburg bezeichnet werden.




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