7-7-2003 | Aus MONITOR 7-8/2003 Gedruckt am 21-09-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/5916
MultiMedia

Weblogs - Konferenzbericht

Content Management für Arme

Weblogs boomen als Kommunikationsform im Internet. Die "Blogger" hielten jetzt ihre erste Konferenz darüber ab. Bleibt Bloggen ein Freizeit-Thema oder gibt es auch Business-Anwendungen?

Andreas Roesler-Schmidt

Von 23. bis 24. Mai fand im Wiener Tech Gate die Konferenz "Blogtalk" statt, die erste europäische Konferenz zum Thema Weblogs. Veranstaltet wurde Blogtalk vom ganz dem Thema Weblogs verschriebenem Zentrum für Neue Medien der Donau-Universität Krems.

"Weblogs sind ein Ausdruck für die Sehnsucht der Menschen, sich mitzuteilen - und zwar unzensiert und dann, wenn es ihnen Spaß macht", schwärmt Thomas N. Burg, Leiter des Zentrums für Neue Medien der Donau-Uni. "Im Unterschied zu allen anderen Formaten bietet ein Weblog die Möglichkeit, Netzwerke Gleichgesinnter zu bilden, ohne die Unordnung und mangelnde Fairness von Internet-Foren. Ein Weblog bietet seinen Nutzern alle Ruhe und Form zur Veröffentlichung ihrer Ideen, Fundstücke, Kritiken und Kommentare."

Weblogs bestehen aus tagebuchartigen, chronologisch rückwärts sortierten Einträgen eines "Bloggers", wie sich die Weblog-Autoren nennen. Häufig sind die Einträge dabei im Wesentlichen vom Blogger kommentierte Links zu Webseiten oder News-Meldungen, die für ihn von Interesse sind. Dabei wollen sie quasi als Orientierungshilfe in der Informationsflut des Internet dienen. "Erst die Moderation macht Inhalte interessant. Die wahre Qualität liegt im Bereitstellen gesicherter, bewerteter Informationen. Weblogs sind für den Aufbau von ‚Networks of Trust' geeignet, die den Zugang zu gesicherten Informationen ermöglichen", meint Burg.

Kommerzielle Nutzung?

Als Kommunikationsform im privaten Bereich erlebten Weblogs in letzter Zeit durchaus einen Hype. Doch lässt sich das Blog-Phänomen auch kommerziell nutzen?

Thomas N. Burg glaubt fest daran: "Die Tatsache, dass Google Blogger.com gekauft hat, zeigt dass die Geschäftsmodelle sehen. Welche das genau sind, kann man derzeit noch schwer sagen." Auf den Boom im Privaten soll auch ein kommerzieller Weblog-Boom folgen. "Weblogs sind ein Kommunikationsstil und eine Softwarelösung, die am Weg zur Business-Anwendung stehen und dort mit hohem Effizienzgrad zur Produktivitätssteigerung sowie zum Customer- und Investor Relations Service beitragen." Freilich stecken die Business-Weblogs erst in den Kinderschuhen.

Die klassische Tagebuch-Funktion der Weblogs lässt sich auch für kommerzielle Internet-Anwendungen nützen. "In der Politik hat man Weblogs bereits als neue Form der Öffentlichkeitsarbeit erkannt." Als Beispiele nennt Burg den dänischen Ex-Premierminister und US-Präsidentschaftskandidaten. In Österreich betreibt der Grüne Peter Pilz ein Web-Tagebuch, wenngleich er gegen Grundsätze der Blogger verstößt: Sein Weblog ist chronologisch so angeordnet, dass der jeweils jüngste Eintrag nicht am oberen, sondern am unteren Ende der Webseite aufzufinden ist.

Auch für Special Interest Online Medien ist die Weblog-Technik geeignet und ermöglicht das Publizieren als eine Art Journal. "Weitere Möglichkeiten bieten sich für Marketing und Produktentwicklung." So können Unternehmen die Community bereits in die Entwicklungsphase eines Produkts einbinden. Als Marketing-Tool benützt Spielzeughersteller Mattel die Technik: Seine Barbie-Puppe führt nämlich ein Weblog in dem Barbie über (Shopping-)Erlebnisse ihrer Freundinnen berichtet. Ob sich Ken da nicht vernachlässigt fühlt? Schließlich ist Bloggen ein zeitaufwendiges Hobby. Thomas N. Burg bringt für seinen eigenen Weblog rund 15 Stunden pro Woche auf.

Zeit ersparen kann die Blogger-Software aber kleineren Unternehmen, die aufgrund der Kosten kein Content Management System anschaffen wollen, sondern lieber ein Blogger-Tool als billiges "Micro-CMS" einsetzen, um News einfach und schnell auf ihrer Webseite zu publizieren.

Weitere Einsatzmöglichkeiten sieht Burg im Intranet: "Wir verwenden es selbst im Zentrum für Neue Medien seit etwa einem Jahr als internes "Wissensmanagement" und Reportingsystem. Wir betreiben eine Art Journal, das uns die Möglichkeit bietet, uns erschließbar zu machen, was auf anderem Weg nicht möglich wäre." Sogar als Projektmanagement-Tool für kommunikationsintensive Projekte sollen Weblogs tauglich sein.

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