Andreas Roesler-Schmidt
Linux ist praktisch gratis, doch ist es auch billiger? Microsoft meint naturgemäß nein und legt die IDC-Studie "Windows 2000 vs. Linux für Unternehmensanwendungen" vor. Diese kommt zu dem - von Microsoft viel zitierten - Schluss, dass die Software-Anschaffungskosten nur einen kleinen Teil der für Unternehmen relevanteren "Total Cost of Ownership" ausmachen. Die Studie besagt, dass Windows 2000 in vier von fünf Einsatzbereichen Kostenvorteile bringt, lediglich in der klassischen Linux-Anwendung Web Serving hat das Open Source-Betriebssystem die Nase vorne.
Für die von Microsoft beauftragte Studie wurden die Gesamtkosten für Windows 2000 Server-Umgebungen mit Linux Server-Umgebungen mehrerer Anbieter in den Einsatzbereichen Netzwerkinfrastruktur, File Serving, Print Serving, Web Serving und Sicherheitsanwendungen verglichen. Gemessen wurde dabei die TCO für 100 Anwender über einen Zeitraum von fünf Jahren. Ausgereifte IT-Plattformen haben laut IDC einige Vorteile bei der Kostenmessung. Erfahrung mit "älteren" Systemen reduzieren die Kosten. Dies gilt besonders für die Personalkosten, die in allen Anwendungen außer dem Web Serving den größten Anteil an den TCO einnehmen - durchschnittlich 62 Prozent.
Die Supportkosten für Linux übersteigen jene von Windows. Das liegt einerseits daran, dass für Windows mehr gut ausgebildete IT-Profis am Arbeitsmarkt zu finden sind (die dadurch auch preiswerter als Linux-Experten sind). Gleichzeitig hinkt Linux laut IDC bei der Unterstützung der Systembetreuer durch Management-Tools noch hinten nach, so dass die teureren Linux-Profis meistens auch einen höheren Arbeitsaufwand für das Konfigurieren, Programmieren und für den Support der Linux-Umgebungen haben. In den von IDC untersuchten Unternehmen waren die Personalkosten für Linux-Server dadurch in nahezu allen Fällen höher als für Windows 2000-Server. Möglicherweise sind aber die bereits zu Verfügung stehenden Management-Tools auch noch nicht ausreichend in den Unternehmen vorhanden. Allerdings erwartet sich IDC, dass die Lücke zwischen Linux und Windows bei den Supportkosten sich im Laufe der Zeit verengt. Auch werden immer mehr Softwarepakete für den Linux-Servermarkt dazuführen, dass Linux-Server-Umgebungen effizienter installiert, eingesetzt und gewartet werden können.
Geringe Ausfallszeiten - hohe Kosten
Den zweitgrößten Anteil (32 Prozent) an der TCO nehmen die Kosten für Systemausfallzeiten ein - trotz geringer Ausfallsquote. Bei der Verfügbarkeit liegt Windows mit 99,995 Prozent Verfügbarkeit hinter Linux mit 99,998 Prozent. Das wirkt sich nicht nur auf Kosten für das IT-Personal zur Reparatur, sondern auch auf die verloren gegangene End-User-Produktivität aus. Linux kann hier in einigen Anwendungsbereichen wesentlich besser abschneiden.
Schulungen, die Anschaffung von Software (inklusive Upgrades) und die Hardwareinvestitionen beanspruchen je rund 5 Prozent der TCO. Outsourcing-Kosten nehmen mit 0,4 Prozent eine bescheidene Rolle ein.
Doch die Total Cost of Ownership ist nicht alles. Die Kostenvorteile zwischen 11 und 22 Prozent für Windows 2000 sind kein zwingender Grund zum Plattformwechsel, mahnt IDC. Vielmehr müssen hier zahlreiche weitere, zum Teil schwer quantifizierbare Faktoren berücksichtigt werden. Es könne schwierig sein, während einer Übergangsphase von einer Betriebssystemumgebung auf eine andere eine angemessene Investitionsrentabilität zu erreichen, wenn die TCO-Werte der verglichenen Plattformen relativ nahe beieinander liegen, wie dies bei Linux und Windows 2000 der Fall ist. "Daher ist es häufig ökonomisch äußerst sinnvoll die Plattformen, die bereits in einem Unternehmen zum Einsatz kommen, auch weiterhin zu verwenden", schließt die Studie.
Lizenzen teurer als Mehraufwand
Nicht in allen Studien schneidet Windows so gut ab. In der Studie "TCO for Linux in the Enterprise" analysiert die Robert Frances Group Server-Installationen unter Linux, Solaris und Windows über einen Zeitraum von drei Jahren: "Linux war die günstigste Plattform in der Installation und im Betrieb. Auch wenn die Anfangskosten teilweise höher sind, kann die enorme Skalierbarkeit ohne zusätzliche Lizenzkosten langfristig signifikante Einsparungen bringen", lautet das Resümee der Studie, die sich allerdings auf den Web Server-Einsatz konzentriert. Interessanter Weise zeigte sich in den von der Robert Francis Group untersuchten Unternehmen ein anderes Bild der Administrator-Kosten: Windows nimmt hier trotz der höheren Gehälter für Linux- und Solaris-Experten beinahe das Vierfache von Linux in Anspruch, da im Durchschnitt unter Linux wesentlich mehr Server von einem Administrator verwaltet werden. In vielen Fällen waren allerdings die Linux-Admin-Kosten im ersten Jahr noch deutlich höher, da Administratoren erst von Unix auf Linux umgeschult und Scripts für automatisierte Aufgaben unter Linux erst geschrieben werden mussten während die Management Software für Linux noch nicht installiert war.
Beim Thema Sicherheit ist Linux im Vorteil: Windows-Administratoren müssen doppelt so viel Zeit aufwenden, um sicherheitsrelevante Patches zu installieren als Linux-Admins.
Während die Robert Frances Group schätzt, dass die TCO von Windows Server das 2,5-fache von Linux Servern beträgt, sieht das australische Unternehmen Cybersource einen Kostenvorteil von Linux zwischen 25 und 34 Prozent. Cybersource hat die 3-Jahres-Kosten für ein Unternehmen mit 250 Computer-Arbeitsplätzen berechnet und dabei sowohl Server als auch Clients einbezogen. Unter der Annahme, dass sämtliche Hardware neu gekauft werden muss, erspart Linux über 251000 US-Dollar bzw. rund 25 Prozent. Wird vorhandene Hardware genützt, erhöht sich der Vorsprung sogar auf 34,25 Prozent. In Cybersources Rechenbeispiel überwiegen die wesentlich höheren Software-Lizenzkosten der Windows-Variante die Mehrkosten der Linux-Administratoren um ein Vielfaches.
Sparen durch Server-Konsolidierung
Wie im individuellen Fall die TCO doch gänzlich anders aussehen kann, zeigt das Beispiel OMV. "Wir erreichen durch Linux deutlich geringere Kosten", erzählt Walter Rotter, Systems Support Manager. Linux setzt die OMV für SAP-Applikationen auf dem Mainframe ein. "Die Kostenvorteile erreichen wir durch die Server-Konsolidierung." Bisher mussten die rund 30 SAP-Systeme der OMV auf einer Vielzahl von NT-Servern laufen. "Von den 30 Systemen sind aber meist nur fünf bis sechs ständig produktiv, der Rest sporadisch. Einzelne Systeme sind sogar tagelang inaktiv."
Für Linux hat man sich wegen der Software-Kosten am Mainframe und wegen des Prozessor-Sharings entschieden. "Wir hatten schon bisher den Mainframe im Einsatz, das haben wir beibehalten. Linux kam als billige Software dazu." Wichtig ist dem System-Manager dabei die vom Unternehmen verlangte Flexibilität: "Wir können am Mainframe jederzeit zusätzliche SAP-Server betreiben oder temporäre Server für Schulungen einrichten", erzählt Rotter. "Mit Linux können wir dabei vorübergehend die Kapazität eines virtuellen Servers erhöhen - zum Beispiel wenn wir ein Upgrade testen müssen." Bisher mussten solche Einsätze auf einer Vielzahl kleinerer Server durchgeführt werden.
Unangenehme Erfahrungen mit höheren Administrator-Kosten hat Walter Rotter nicht gemacht: "Ganz am Anfang gab es noch keine System Management Tools. Aber inzwischen ist die Unterstützung von Herstellern wie CA oder IBM voll da." Auch die Schulungskosten hielten sich bei der OMV in Grenzen. Da man bisher schon praktisch alle Betriebssysteme im Einsatz hatte, ist Rotters Team Unix-erfahren. "Dann reichen dreitägige Schulungen. Für Unternehmen, die aus einer reinen Windows-Umgebung kommen, wäre das sicher schwieriger."




1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 