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Strategien

Interview mit Walter Weihs - Software AG

Architektur für die Zukunft

Die Software AG geht in die aktuellen Diskussionen über offene IT-Lösungen für Banken, Versicherungen und im E-Government mit dem klaren Konzept, dass zuerst die grundlegende Architektur stimmen müsse. Und die sollte auf XML beruhen. Walter Weihs, Vorstand der Software AG Österreich, sagte mir im Gespräch, warum das so sein muss.

Rüdiger Maier

Golf sei für das Geschäft nicht so gut nutzbar, wie oft behauptet. Der Sport brauche einfach zu viel Zeit, die viele Entscheidungsträger heute nicht mehr haben. Trotzdem sei aber der XML-Cup der Software AG sehr gut angekommen. So plaudert Weihs aus der "Business-Schule". Aber das Geschäft habe sich ja überhaupt grundlegend gewandelt, der Aufwand zur Erreichung eines Auftrages sei um ein Vielfaches gestiegen.

"Wir haben analysiert, dass die Entscheidungen heute nicht mehr so sehr in den IT-Abteilungen getroffen werden, sondern in den Fachabteilungen." Daher sei es notwendig, verstärkt das Gehör der Geschäftsführer, Vorstände und Generaldirektoren zu erreichen. Und die kämen etwa auch lieber zu hochwertigen Kundenveranstaltungen als auf Messen, wohin es eher die IT-Leiter zieht. "Daher steht das Preis-Leistungsverhältnis etwa einer exponet für uns nicht mehr im richtigen Verhältnis."

Den neuen Ansprechpartnern gehe es auch nicht mehr so sehr um Technologie, sondern viel mehr um Nutzen, ROI (Return on Investment) und die Erreichung der Geschäftsziele unter Einsatz von IT. Diese Gesetze gelten letztlich auch im öffentlichen Bereich, wo eine junge Generation um die schnelle Umsetzung von angestrebten Lösungen bemüht sei.

Neue Schwerpunkte

Die neuen Schwerpunkte der Software AG liegen bei Banken, Versicherungen und im E-Government. "Die öffentliche Verwaltung gerät zunehmend unter Druck. Es geht heute nicht mehr nur darum, Informationen online zur Verfügung zu stellen, sondern Online-Transaktionen zu ermöglichen", analysiert Weihs.

Jeder wolle heute direkt über Internet zugreifen, bei gleichzeitigem Schutz seiner Daten. Zunehmend seien daher aber Einzellösungen nicht mehr zielführend, sondern es werde eine unbegrenzte Verbindung über die Daten gefordert. "Für solche serviceorientierten Applikationen ist die zugrunde liegende IT-Architektur entscheidend. Daher setzen wir mit unserer Erklärungsarbeit dort an und finden immer öfter offene Ohren dafür."

XML als Basistechnologie

Kommt die Rede auf die Architektur, setzt das Unternehmen ganz auf XML. In einer auf der CeBIT 2003 von der Software AG präsentierten weltweiten XML-Studie zeigte sich, dass sich XML auf breiter Front durchgesetzt hat und heute zu den Kerntechnologien moderner und zukunftsorientierter IT-Strategien zählt. "Daher wollen wir in Zukunft auf dieser Grundlage noch mehr Lösungen anbieten", so Weihs. Schwerpunkte dabei bilden Integration und Web-Services, Content Management, Mobile Computing sowie Enterprise Transaction Systeme. Sie alle basieren auf XML-Produkten wie EntireX, Tamino Mobile, Tridon R5, Adabas oder Natural. Der XML-Sever Tamino ist fixer Bestandteil.

Im Bereich des E-Government bemüht sich das Unternehmen um den Auftrag der österreichischen Bundesverwaltung: "Technisch ist alles machbar, schwierig ist nur das Finden von wirtschaftlich annehmbaren Lösungen". In München habe man etwa bereits bewiesen, dass Bürgerservices über das Internet funktionierten und auch entsprechende Intranet-Applikationen für die Sachbearbeiter. Auch der deutsche Presse- und Informationsdienst der Bundesregierung, das deutsche BM für Finanzen oder die deutschen Justizministerien der Bundesländer seien mit den eingesetzten Lösungen zufrieden. Nach einer eingehenden Evaluierungsphase hoffe man nun auf den definitiven Auftrag der österreichischen Bundesverwaltung. Vorerst geht es dabei um die elektronische Aufbereitung der Lohn- und Kommunalsteuer sowie der Sozialversicherungsbeiträge. Bei der Vergabe des Auftrages zum elektronischen Akt (ELAK) sieht Weihs aber große Versäumnisse: Hier werde einmal mehr nicht zuerst über die richtige IT-Architektur gesprochen, sondern es käme zur Vergabe von Einzelprojekten. Damit sei mit hohen Kosten in der Zukunft zu rechnen.

Der richtige Mittelweg

Auch die EU verlange vermehrt XML als Format für IT-Neuentwicklungen. So gebe etwa die Europäische Zentralbank (EZB) durch den Einsatz von XML eine klare Vorgabe für die Nationalbanken der europäischen Länder. Die Umstellung auf XML erfordere sicher einigen Lernbedarf bei den IT-Betreuern, so Weihs. "Wenn die Daten einmal in XML vorliegen, dann lässt sich sehr vieles einfacher verwirklichen", so der Vorstand. Und er beschreibt den von der Software AG eingeschlagenen Weg als einen guten Mittelweg: "Wir fordern eine gewisse Anpassung des IT-Systems aber auch des Unternehmens."

Auch beim Projekt beim Versicherer Uniqa habe man sich zuerst auf Standards geeinigt und dann die Systeme verbunden. "Hier waren 13 verschiedene Systeme im Einsatz, die konnten wirtschaftlich nicht auf ein neues System umgestellt werden." Nach der erfolgreichen Integration können jetzt alle Mitarbeiter über Browser auf alle Systeme zugreifen. Später soll auch der externe Zugriff möglich werden. Wichtig war es dabei dem Uniqa-Vorstand, möglichst unabhängig von Herstellern zu werden. "dieser Wunsch wird sehr oft an uns herangetragen und wir können ihm mit XML-Technologien entsprechen", weiß sich Weihs in einer guten Ausgangsposition.

Geschäftseinheit "Mobile Computing"

Die Software AG erweitert ihr Lösungsportfolio um die Tamino Mobile Suite, eine Entwicklungsplattform für mobile Anwendungen und bietet mit Tamino Mobile Applications bereits erste maßgeschneiderte Lösungen für den Außendienst. Die Software AG Österreich hat bereits seit dem Jahr 2000 ein eigenes Team für Entwicklung und Vertrieb von mobilen Lösungen. Besonders erfolgreich war man bisher mit Projekten im Pflegebereich, wie z.B. mit Zeit- und Leistungserfassungssystemen für das Rote Kreuz in Oberösterreich, die Volkshilfe in Niederösterreich und in der Steiermark sowie für die AVS in Kärnten.

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