Christian Henner-Fehr
Dass Salzburg eine hohe Lebensqualität vorweisen kann, beweisen unter anderem die zahlreichen Touristen, die das Bundesland jedes Jahr sowohl im Sommer als auch im Winter besuchen. Salzburg ist aber auch ein gutes Pflaster für Unternehmen, weist das Bundesland doch die höchste Selbständigenquote von ganz Österreich auf. Während bundesweit knapp 40 Unternehmer auf 1000 Einwohner kommen, sind es in Salzburg 49. Mit diesem Erfolg gibt sich Salzburg aber nicht zufrieden und strebt eine weitere Erhöhung dieser Quote an.
Schon 1998 wurde in einer von der SalzburgAgentur und Ernst&Young erarbeiteten Studie festgestellt, dass vor allem der IT-Sektor erhebliches Wachstumspotenzial aufweist und dazu beitragen kann, die Wirtschaftskraft des Bundeslandes mit seinen gut 500.000 Einwohnern weiter zu stärken. Verschiedene Maßnahmen und Initiativen haben seitdem dazu beigetragen, dass sich die Region zu einem qualitativ hochwertigen IT-Standort entwickelt hat.
Dazu gehört auch die von Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Eisl ins Leben gerufene Kooperationsinitiative "Cluster Digitale Medien". Der Cluster, den es nun seit fast drei Jahren gibt, wird von Christoph Hottes geleitet. Die steigenden Mitgliederzahlen beweisen, dass diese Initiative auf reges Interesse stößt. 212 Unternehmen sind mittlerweile der Initiative beigetreten. "Das Ziel des Clusters ist", so Cluster-Manager Christoph Hottes, "die Vernetzung der im Bereich digitale Medien aktiven Unternehmen." Da es sich bei einem großen Teil der Unternehmen in dieser Branche um Einzelunternehmen handelt, werden die Angebote des Clusters intensiv genutzt, so Hottes. "Wir bieten spezifische Beratungen an, vermitteln Experten oder unterstützen die Firmen in ihrer Außendarstellung." Auf der neu gestalteten Website können die Mitglieder darüber hinaus ihre Erfahrungen austauschen, Termine koordinieren und Angebote abgeben. Auf diese Weise lassen sich ganze Projekte über die Plattform abwickeln.
Von Nutzen für die Mitglieder ist auch die Entwicklung des eigenen Gütesiegels "enorm". "Mit diesem Gütesiegel möchten wir einen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten und den Kunden unserer Mitglieder eine Orientierungshilfe anbieten", beschreibt Hottes die Grundidee. Kunden, die die Firmen nicht genau kennen, können sich so darauf verlassen, dass bestimmte Qualitätsstandards eingehalten werden. "enorm"-zertifizierte Betriebe stehen für Kundennähe, Transparenz und Vertrauen und garantieren den Kunden eine faire und professionelle Geschäftsabwicklung", so Hottes.
Die Stärken des Clusters sieht Hottes sowohl in der Netzwerkstruktur des Clusters als auch in der Möglichkeit, gemeinsam in Nischen zu arbeiten. "Aus dieser Struktur heraus haben die Firmen die Chance, auch über die Grenzen der Region hinaus Geschäfte zu machen und Nischen zu besetzen" verweist Hottes auf die wachsenden Perspektiven auch für kleine Unternehmen. Eine dieser Nischen stellt der Bereich der geographischen Informationssysteme dar. Im GIScluster haben sich aus der Salzburger Region stammende Unternehmen zusammengeschlossen und versuchen, durch Kooperationen ihre Leistungspalette zu erweitern und aufzuwerten.
Die regionale und europaweite Bedeutung des Standorts Salzburg nimmt zu
So öffnet sich allmählich der Markt auch über die Grenzen Salzburgs hinweg. Zahlreiche von der EU geförderte Initiativen wie beispielsweise das Interreg-Projekt "IT-Region Salzburg, Rosenheim, Kufstein, Traunstein, Berchtesgadener Land" zielen in diese Richtung und versuchen, die Entwicklung zu beschleunigen.
Auch die "e-solutions", die Informationsmesse für praktische IT-Lösungen, ist ein Zeichen dafür, dass der Standort Salzburg mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Für Paul Hammerl, Pressesprecher der Reed Messe Salzburg ist sie die umfassendste Plattform der Informationstechnologie für Westösterreich und Südbayern. "Unser Einzugsgebiet weist einen Radius von ungefähr 80 bis 100 Kilometer auf und hat so vor allem eine große regionale Bedeutung", so Hammerl.
Wenn die e-solutions vom 24. bis 26. April zum zweiten Mal ihre Tore öffnet, hoffen die Veranstalter, die Zahlen vom letzten Jahr halten zu können. 3200 Fachbesucher stellten der Premiere 2002 ein gutes Zeugnis aus. "Unser Konzept, das Angebot den Unternehmensabläufen entsprechend auszurichten und Lösungen für Bereiche wie Management, Logistik und Finanzen anzubieten, ist aufgegangen", resümiert Hammerl. Die KMU, die als Zielpublikum auf der Suche nach konkreten Lösungen seien, hätte vor allem die gute Qualität der Kontakte überzeugt, fährt Hammerl fort. Schwerpunkt der diesjährigen e-solutions werden die Themen IT-Sicherheit und Mobile Kommunikation sein.
Weit über die Grenzen Salzburgs hinweg agiert Salzburg Research, die gemeinnützige Forschungsgesellschaft des Landes Salzburg. Vor dem Hintergrund der Kulturstadt Salzburg und ausgehend vom Wissenschaftsleitbild des Landes Salzburg beschäftigt sich die Gesellschaft unter anderem mit den Auswirkungen der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien auf den Kulturbereich. So wurde 2001 im Auftrag der EU die Studie "Technological Landscapes for Tomorrow's Cultural Economy" (DIGICULT) erstellt, die der Frage nachging, welche Entwicklungspotenziale Museen, Archiven und Bibliotheken im Zeitalter der Digitalisierung aufweisen. "Die Studie, die auch Handlungsempfehlungen enthält, ist auf großen Anklang gestoßen und war innerhalb von sechs Monaten vergriffen", berichtet die Projektleiterin Andrea Mulrenin.
Während britische Museen beispielsweise recht schnell mit der Umsetzung der Empfehlungen begonnen haben, dauert dieser Prozess in Österreich etwas länger. "Handlungsbedarf besteht aber", wie Mulrenin bestätigt. Durch die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl europäischer Partner verfügt die Forschungseinrichtung natürlich über ein exzellentes internationales Netzwerk. Resultat dieser Studie war deshalb nicht nur das Folgeprojekt "DigiCult Forum", sondern auch die Einladung in den Expertenbeirat des Europarats.
Weitere Maßnahmen und Initiativen
Damit der IT-Standort Salzburg weiter an Attraktivität gewinnt, bietet nicht nur die Salzburger Landesregierung in Form zahlreicher Maßnahmen und Initiativen ihre Hilfe an. Auch die Wirtschaftskammer (WK) sorgt mit dem Gründerservice dafür, dass diejenigen, die ein Unternehmen gründen möchten, die bestmögliche Unterstützung erhalten und so die Zahl der Unternehmen im IT-Bereich ständig ansteigt.
Für den Obmann der Fachgruppe Unternehmensberatung und Informationstechnologie in der Salzburger Wirtschaftskammer, Günther Morawetz, geht es denn auch darum, seinen Mitgliedern über die gesetzliche Vertretung hinaus Serviceleistungen anzubieten, um die Ertragskraft der Unternehmen weiter zu stärken. "Da Salzburg wenig Industrie aufweist, gilt unser Augenmerk besonders dem Bereich der Kreativwirtschaft", so Morawetz. Vor allem die Weiterbildung sei ein Schwerpunkt der Fachgruppe, denn nur so könne man als Unternehmen die Qualitätsstandards aufrechterhalten, betont der Obmann. Mit der sich in ihrem Eigentum befindlichen Fachhochschule engagiert sich die WK Salzburg aber auch im Ausbildungsbereich und sorgt so dafür, dass der Region die gut ausgebildeten Nachwuchskräfte nicht so schnell ausgehen werden.
"Die IT-Branche hat eine sehr hohe Bedeutung"
Der
Salzburger Landeshauptmann Dr. Franz Schausberger erläutert im Gespräch mit dem
MONITOR den Stellenwert der IT-Wirtschaft für das Land Salzburg sowie entsprechende
standortstärkende Initiativen.
Durch die zahlreichen Rückschläge in den letzten Monaten hat das Renomee der IT-Branche zwar etwas gelitten, trotzdem gilt die Branche als äußerst zukunftsträchtig. Welche Bedeutung hat diese Branche für Ihr Bundesland?
Eine sehr hohe! Salzburg hat in den letzten Jahren mit dem Aufbau der Technologiezentren, insbesondere des Technologiezentrum Salzburg (Stadt), der Errichtung der Fachhochschule und der Gründung der landeseigenen Forschungsgesellschaft "Salzburg Research" die Voraussetzungen für die Entwicklung dieser Branche geschaffen.
Mit April des vergangenen Jahres wurde in der SalzburgAgentur eine zentrale Ansprechstelle für kommerzielle internationale Film- und Fernsehproduktionen und im Rahmen der Wirtschaftsförderung ein eigener Filmförderungstopf ins Leben gerufen.
Mit mehr als 100 Unternehmen aus dem Bereich der IuK-Technologie ist das Techno-Z Salzburg eines der größten Technologiezentren in Österreich. Die Fachhochschule, mit mehr als 1.500 Studenten, wird sich in den nächsten Jahren verdoppeln. Angeboten werden unter anderem die Studiengänge MultiMediaArt, Telekommunikationstechnik und -systeme und Informationswirtschaft und Management.
Aufgrund der geographischen Nähe zu München, dem Medienzentrum in Deutschland, kann Salzburg gerade im IuK-Bereich in gezielten Nischen ein hervorragendes Angebot an hochwertigen Dienstleistungen zu signifikant niedrigeren Kosten liefern.
Zudem verfügt Salzburg mit den Salzburger Festspielen über einen hervorragenden Content-Provider. Gerade in der Verbindung von Kultur und Technologie liegt die große Chance für den "Medienstandort Salzburg".
Was hat das Land Salzburg in den letzten Jahren getan, um für IT-Unternehmen günstige Rahmenbedingungen zu schaffen?
Im Wesentlichen waren es zwei Initiativen: Da ist zum einen der Cluster Digitale Medien, eine Kooperations-Initiative des Landes Salzburg. Ziel ist die Stärkung des Wettbewerb-Potenzials von Klein- und Mittelbetrieben durch die Bildung von Unternehmens-Netzwerken. Zur Zeit sind 212 Betriebe Mitglied im Mediencluster, wobei sich der Bogen von Web-Design über Web-Solutions, von TV, Audio, Video bis hin zu geographischen Informationssystemen spannt. Das Herzstück des Clusters ist eine Informations- und Kommunikationsplattform. Diese dient vor allem der Schaffung und Förderung von regionalen, nationalen und internationalen Kooperationen. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen haben so die Chance, ihre Stärken zu verbinden.
Außerdem gibt es das von der EU geförderte Interreg-Projekt "IT-Region Salzburg, Rosenheim, Kufstein, Traunstein, Berchtesgadener Land". Unter Federführung der im Eigentum von Stadt und Land Salzburg stehenden Betriebsansiedelungsgesellschaft, der SalzburgAgentur, werden wirtschaftspolitische Fördermaßnahmen für die Unternehmen in dieser Region entwickelt.
Kernziele dabei sind, neue Marktchancen durch grenzüberschreitende Kontakte für die Unternehmen zu eröffnen, Angebot und Nachfrage im Bildungs-, Qualifizierungs- und Forschungsbereich zusammenzuführen sowie die Informations- und Kommunikationstechnologien als Impulsgeber für Innovationen und für den technologischen Fortschritt auch für KMU zu nutzen und zu fördern.
Betreiben Sie eine aktive Ansiedelungspolitik, um IT-Unternehmen in Ihr Bundesland zu holen?
Ja. Die SalzburgAgentur, als gemeinsame Einrichtung von Stadt und Land Salzburg bietet interessierten Unternehmen kostenlos ein professionelles Ansiedlungsmanagement an, das von der Erstberatung über die Standortsuche, Unterstützung bei Behördenkontakten, Förderungen, Steuer- und Rechtsberatung, bis zur Personalsuche oder Wohnungssuche reicht. Die SalzburgAgentur ist dabei der zentrale Ansprechpartner, der sämtliche benötigten Informationen bereitstellt und wichtige Kontakte herstellt.
Die SalzburgAgentur bewirbt den Wirtschafts- und Medienstandort Salzburg international und ist dabei in ein Netzwerk von Partnern auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene eingebunden. Gerade Unternehmen aus dem Bereich der IuK-Technologien gehören zu den wichtigsten Zielgruppen.
Welche Voraussetzungen finden Unternehmensgründer vor und in welcher Weise können Sie als Landesregierung hier Hilfestellung leisten?
Im Wesentlichen durch diverse Förderungen und Angebote im Rahmen der "Landesförderung für Jungunternehmer" unterstützen wir beispielsweise Jungunternehmer beim Aufbau des eigenen Unternehmens. Aber auch bei der Übernahme von kleinen oder mittleren Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft können Zuschüsse in Anspruch genommen werden.
Darüber hinaus bietet das Eigenkapitalservice (EKS) des Landes Salzburg Beratung und Maßnahmen zur Erhöhung der Eigenkapitalquote im Bereich der Klein- und Mittelbetriebe an. Es wurde auf Grund einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Salzburg, der Bürges Förderungsbank und der Innovationsagentur im März 1999 ins Leben gerufen. Erklärtes Ziel des EKS ist es, die Eigenkapitalstruktur der Unternehmen zu stärken und den Klein- und Mittelbetrieben neue Instrumente der Eigen- und Risikofinanzierung zugänglich zu machen.
Neben den Einrichtungen des Landes Salzburg bietet aber auch das Gründer-Service der Wirtschaftskammer Unternehmensgründern, Betriebsnachfolgern und Franchise-Nehmern professionelle Unterstützung beim Start ins Unternehmertum.
Welche Entwicklung wünschen Sie sich in den nächsten 10 Jahren für den IT-Standort Salzburg beziehungsweise für die IT-Unternehmen in Ihrem Bundesland?
Dass sich Salzburg in den kommenden Jahren noch weiter als moderner, dynamischer Medienstandort positionieren kann und noch stärker über seine Grenzen hinaus als Innovationsmotor und Ausbildungsstandort in diesem Bereich bekannt wird.
Informationsquellen im Internet:
http://www.salzburg.gv.at
Land Salzburg
http://www.salzburgagentur.at
SalzburgAgentur
http://www.sbg.wk.or.at
Wirtschaftskammer Salzburg
http://www.sbg.wk.or.at/ubdv/
Die Fachgruppe Unternehmensberatung & Informationstechnologie
http://www.mediencluster.at
Cluster Digitale Medien
http://www.salzburgresearch.at
Salzburg Research Forschungsgesellschaft m.b.H.
http://www.techno-z.at
Salzburger Technologiezentren
http://www.giscluster.at
GIScluster Salzburg
http://www.reedexpo.at
Reed Messe Salzburg
http://www.sbg.ac.at Universität
Salzburg
http://www.fh-sbg.ac.at
FH Salzburg
http://www.etourism-center.at
Österreichisches Kompetenzzentrum für eTourism
http://land.salzburg.at
Salzburger Bildungsnetz
http://www.salzburgfestival.at
Salzburger Festspiele




7/2011
6/2011
5/2011


Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 