Der Tiroler Fleischspezialitäten-Betrieb Handl Tyrol kann bereits auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken. Was als Fleischhauerbetrieb im Ortskern des Tiroler Pians begonnen hat, ist inzwischen ein ansehnliches wachstumorientiertes Unternehmen mit über 300 Mitarbeitern und Niederlassungen in Deutschland und Italien geworden. Das traditionelle Familienunternehmen im Tiroler Oberland produziert seit 1902 geräucherte und luftgetrocknete Wurst- und Fleischspezialitäten, sowie typische österreichische Wurst- und Schinkenspezialitäten mit hohem Qualitätsanspruch, die einen starken Bezug zur Ursprungsregion Tirol haben. Neben den Standorten Pians (Produktion) und Schönwies (Logistikzentrum) hat Handl Tyrol 1993 den Fleischwarenhersteller Christanell in Südtirol zu 100 Prozent übernommen.
Die Voraussetzungen
Die bisherige Finanzbuchhaltung des Unternehmens war bereits in die Jahre gekommen. Der Hersteller existiert nicht mehr und die Insellösungen wurden Anforderungen des Unternehmens nicht mehr gerecht. "Wir wollten also unsere Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung erneuern", erzählt der kaufmännische Leiter Andreas Hämmerle. "ERP-Systeme waren im ersten Projektansatz mit Spezialprogrammen gleichgestellt. Allerdings sollte die neue Software natürlich zukunftssicher und für eine spätere ERP-Anbindung bereit sein." Zukunftssicherheit war nach den Erfahrungen mit der alten Buchhaltung überhaupt ein sehr wichtiges Kriterium für den Fleischwarenproduzenten.
Auf die Ausschreibung von Handl Tyrol reagierten neben SAP alle namhaften Anbieter von ERP-Lösungen. "Wichtig war für uns, dass wir unsere Südtiroler Niederlassung in einer Datenbank anbinden können." Daher schied zum Beispiel Navision aus: "Wir hätten dann eine zweite Installation betreiben und zusätzlich mit einem italienischen Implementierungspartner zusammenarbeiten müssen. Dadurch wären die Kosten wesentlich höher gewesen", erklärt IT-Leiter Christian Nicolussi die Entscheidung für SAP. "Wir können mit mySAP All-in-One alles in einem einzigen System abbilden und zwar im Standardpaket."
Die Umsetzung
Implementiert wurde das System vom SAP-Partner proTask. Das auf SAP-Gesamtlösungen spezialisierte Unternehmen mit Stammsitz in Dornbirn beschäftigt 35 Mitarbeiter und unterhält Niederlassungen in Salzburg und Wien. Der Service reicht von Hardware-Konzeption, Software-Implementierung und Beratung bis zur Programmierung. Bei der SAP-Implementierung im Hause Handl Tyrol stellten sich proTask durchaus einige Herausforderungen: Die für das Projekt vorgesehene Zeit war mit vier Monaten durchaus kurz bemessen. "Eine große Herausforderung war für uns die bestehende heterogene Software-Landschaft", erzählt Projektleiter Jens Rentsch. "Auch die Tatsache, dass die Daten von sieben Gesellschaften in drei Ländern in einer Software zusammenkommen sollen, machte dieses Projekt sehr interessant."
Die Mühe hat sich gelohnt: "Erst durch den Einsatz von SAP stehen Handl Tyrol in der Zentrale wesentlich mehr Informationen aus den italienischen und deutschen Niederlassungen zur Verfügung als bisher." Die Softwarelösung vereinheitlicht die Buchhaltung länderübergreifend. Dadurch ergibt sich eine größere Abschlusssicherheit und -Geschwindigkeit. Angenehmer Nebeneffekt: Die Abhängigkeit von Steuerberatern in den einzelnen Ländern wird geringer. In der Kostenrechnung stehen jetzt mehr Möglichkeiten zur Verfügung, schneller genauere und transparentere Daten zu generieren. Für IT-Leiter Christian Nicolussi war vor allem die Übername der Altdaten aus der Kalkulation spannend. Die dazu notwendigen Schnittstellen mussten erst geschaffen werden.
Leichter Einstieg
Gestartet wurde das Projekt im September 2002. Mit Jahresbeginn 2003 konnte Handl seine mySAP All-in-One Lösung bereits produktiv einsetzen. Das System läuft unter Linux auf einem HP ProLiant. Als Datenbank kommt Oracle zum Einsatz. Zurzeit arbeiten zehn User mit dem System. "Das SAP wird von unseren Usern sehr gut angenommen", meint Nicolussi über die Anwender, die bis zur SAP-Einführung die Buchhaltung noch über ein ASCII-Interface erledigen mussten. "Förderlich war sicher auch, dass wir von Anfang an allen deutlich gemacht haben, dass es bei der SAP-Einführung nicht darum geht, dass wir Personal einsparen wollen." Die Anwender wurden in ihren Erwartungen an das neue System nicht enttäuscht. "Auch der Schulungsaufwand war nicht sehr groß. Unsere Mitarbeiter in der Finanzbuchhaltung kennen schließlich den Betrieb sehr gut und hatten einen leichten Einstieg."
Nach der erfolgreichen Einführung der mySAP All-in-One Module Finanzwesen, Controlling und Anlagenbuchhaltung denkt man bei Handl nun über den SAP-Einsatz in weiteren Bereichen nach: "Wir schnuppern zunächst mal in das Thema Supply Chain Management hinein und überlegen, wie wir das in unserem Einkauf oder Verkauf nützen könnten", sagt Hämmerle.




7/2011
6/2011
5/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 