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Moniskop

Interview mit Heinrich Graf von Spreti - Sotheby Deutschland

Symbiose zwischen Tradition und TCP/IP

Bald wird die Kooperation zwischen dem Traditions-Auktionshaus Sotheby's und dem Online-Versteigerer eBay ein Jahr alt. Heinrich Graf von Spreti, Präsident von Sotheby's Deutschland, erzählt über Tatsachen und Zukunftsträume.

Dunja Koelwel

Kunst, Kitsch und Kurioses, alles kommt in den emotionsgeladenen Auktionssälen unter dem Hammer, denn das Geschäft mit der Jäger- und Sammlermentalität läuft glänzend. Geschätzte jährliche Zuwachsraten von rund 15 Prozent kann beispielsweise das amerikanische Auktionator Sotheby's mit seinen rund um die Welt verstreuten Dependancen verbuchen, der Jahresumsatz soll über zwei Milliarden US-Dollar liegen.

Weniger glänzend, vielmehr mit Hindernissen versehen und steinig war Sotheby's Weg ins Internet. Erst musste Sotheby's seine auf zehn Jahre angelegte Internet-Allianz mit Amazon nach einem Jahr wieder auflösen und dann gab es auch noch Gerüchte, dass eBay das Traditionsauktionshaus übernehmen wollte. Übernommen hat nun der Online-Versteigerer Sotheby's nicht, er gründete vielmehr eBay Premier, das Kunstliebhaber ansprechen sollte. Doch hier biss sich eBay die Zähne aus, denn die liquiden Sammler blieben aus. Seit vergangenen Sommer soll nun eine Kooperation schaffen, was beiden einzeln nicht gelang. Das Konzept scheint aufzugehen, weil jeder Partner sich auf seine Stärken konzentriert. Während eBay vor allem für die technische Seite verantwortlich ist, sorgt Sotheby's für Sachverstand und Kunstwerke. Monitor wollte nun von Heinrich Graf Spreti, Präsident von Sotheby's Deutschland wissen, wie sich die Symbiose zwischen Traditions-Auktionshaus und Online-Versteigerer entwickelt hat.

Auktionen haben ihr etwas verstaubtes Image längst abgeschüttelt. In wieweit hat sich denn die generelle Einstellung in punkto Auktionen geändert?

Es ist viel Geld im Umlauf, die so genannte Erbengeneration macht sich bemerkbar. Die Leute entdecken wieder ihre Freude am Sammeln zumal sich Wertgegenstände nicht so in Luft auflösen wie so mancher Börsengewinn.

Wie kam es zu der Kooperation mit eBay?

Das Internet hat längst seinen Einzug in traditionelle Branchen wie die der Auktionshäuser gehalten. Unsere Kunstexperten tauschen online ihr Wissen mit Kollegen aus, lesen Hintergründe in speziellen Fachdatenbanken nach, gleichen zur Versteigerung gebrachte Gegenstände mit als gestohlen oder verloren gemeldeten ab und schauen Auktionstermine bei anderen Versteigerern nach. Für Sotheby's war damit der Schritt ins Web eine abgemachte Sache. Die Kooperation mit eBay ermöglicht uns mit seinen rund 40 Millionen Nutzern zudem neue Märkte zu erreichen sowie weitere Kunden zu gewinnen. Mit eBays Technologie können wir unseren Kunden zusätzlich die wunderbare Möglichkeit bitten, Objekte live im Internet zu ersteigern - durch eine im Netz transferierte Saalauktion. Sothebys.com als Auktionsplattform war etwas überschätzt.

Inwiefern überschätzt?

Die Installation und Pflege dieser Technologie wäre zu aufwendig geworden. Deswegen war es nur logisch, unsere Stärken, unser Kunstverständnis und unsere Erfahrung im Auktionsgeschäft, mit dem Internet-Know-how von eBay zu kombinieren.

Haben sich nun die Erwartungen erfüllt?

Wenn man etwas Neues beginnt, ist man voller Optimismus. Wir haben unsere Erwartungen, etwa hinsichtlich Umsatz und einfacher Handhabe, ein wenig nach unten korrigieren, doch im großen und ganzen ist die Kooperation für beide sehr positiv.

Können Sie sich dazu konkreter äußern?

Hierzu darf ich leider keine genauen Größen nennen, doch für uns ist das Internet auf diese Weise durchaus zu einem lukrativen Medium geworden - allen Grabreden des e-commerces zum Trotz. Durch die Kooperation haben wir neue Käufer gewonnen und wir sind sicher, dass wir weitere durch die Nutzung von eBays "Live Auktion"-Technologie gewinnen werden. Auch eBay kann einen Zuwachs seiner Käufer seit der Zusammenarbeit verzeichnen.

Was fasziniert Sie besonders am Internet?

Ganz klar, dass zum Alltagsleben noch eine Dimension dazugekommen ist. Auktionen begeistern viele. Konnten sie aber aus welchen Gründen auch immer an einer Auktion nicht teilnehmen, gab es bislang nur die Möglichkeit, ein schriftliches Gebot im Vorfeld abzugeben oder per Telefon mitzusteigern. Jetzt können unsere Kunden auch online live dabei sein.

Dann sehen Sie also die Kooperation mit eBay als gelungenes Experiment?

Auf jeden Fall. Wenn zwei Partner aus sehr unterschiedlichen Ecken kommen und sich ihre Stärken und Schwächen ehrlich eingestehen können, kann daraus viel wachsen.


Damit Sotheby's Auktionäre bei eBay weiterhin bieten und kaufen können, müssen sie sich über eBay registrieren. Gleichermaßen erhalten eBay-Teilnehmer den Zutritt zum "antiken" Online-Marktplatz nach Prüfung ihrer Kreditwürdigkeit durch Sotheby's. Dadurch will das Auktionshaus sicherstellen, dass nur zahlungskräftige Käufer und Verkäufer die Internet-Auktion besuchen.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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