Christian Henner-Fehr
Noch lange nicht vorbei ist aber die Zeit von Risikokapital oder Venture Capital, jener Form der Eigenkapitalfinanzierung, die den Investoren eine stattliche Rendite in Form von Firmenanteilen in Aussicht stellt und sie so für ihr eingegangenes "Risiko" belohnt. Auch heute gibt es Branchen, in denen der Unternehmenserfolg von schnellem Wachstum abhängt. Unternehmen, die sich gerade in der Gründungsphase befinden, haben kaum Chancen, an das so dringend benötigte Geld zu kommen, denn die Sicherheiten fehlen.
Wann kommt aber für mich als Unternehmensgründer Risikokapital überhaupt in Frage? Wie finde ich den richtigen Geldgeber? Solche Fragen versucht das soeben erschienene Buch "Erfolgreiche Unternehmensgründung mit Venture Capital" zu beantworten. Ihm kommt das Verdienst zu, nach dem Ende des Booms auch die Probleme einer solchen Beziehung zwischen Venture Capital (VC)-Geber und Unternehmensgründer zu thematisieren und beide Seiten ausführlich zu Wort kommen zu lassen.
Die zwei Autoren Anton K. Forstner und Karim Taga haben aus ihrer jahrelangen Erfahrung und Beschäftigung mit dem Thema Risikokapital heraus ein Buch geschrieben, das einen fundierten Überblick über die Venture Capital-Szene in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) liefert. Zu Wort kommen dabei nicht nur die Erfolgreichen, sondern auch diejenigen, die mit ihrem Versuch der Unternehmensgründung gescheitert sind. Taga und Forstner haben mit über 100 Venture Capitalists und Unternehmensgründern aus den drei Ländern gesprochen und daraus die wesentlichen Erfolgsfaktoren in den einzelnen Phasen der Unternehmensentwicklung destilliert. Die Autoren unterscheiden dabei fünf Phasen: Konzept, Start-up, Produktentwicklung, Marktentwicklung und Maturity. Für jede der Phasen werden die kritischen Erfolgsfaktoren übersichtlich dargestellt und anhand von Praxis-Beispielen untermauert.
Auch auf das Ende dieser "Wirtschaftsehe auf Zeit", wie es die Autoren nennen, wird in dem Buch ausführlich eingegangen. Der Gang an die Börse scheint derzeit noch verschlossen, zu tief sind die Aktienindices in den Keller gerutscht und zu groß ist das Misstrauen der Anleger. Erst 2004 oder 2005 sehen die Experten wieder Chancen dafür. Bleibt als einziger Ausweg der Verkauf an industrielle Investoren (Trade Sales). Gelingt auch dies nicht, bleibt die Abschreibung durch den VC-Geber und damit das Aus für das Unternehmen. Aber auch diese Form des Scheiterns wird heute - zumindest in Österreich - nicht mehr so negativ gesehen wie dies früher der Fall war, konstatieren die Autoren.
Unternehmensgründer, die trotz schwieriger Zeiten auf der Suche nach Venture Capital sind, werden die zahlreichen Informationen und Ratschläge zu schätzen wissen. Aber auch, wer einfach nur verstehen möchte, wie diese Form der Unternehmensfinanzierung funktioniert, ist bei diesem Buch gut aufgehoben. Unternehmer kann man ja dann immer noch werden.
Karim Taga & Anton K. Forstner: Erfolgreiche Unternehmensgründungen mit Venture Capital; WILEY-VCH Verlag 2003; 328 Seiten; 49.90 Euro; ISBN 3-527-50043-X




1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 