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Netz & Telekom

Telekommunikations-Markt in Österreich für Businesskunden - Teil 1

Festnetztelefonie: Qual der Wahl

1998 vor fünf Jahren begann sie - die Liberalisierung im Telefonie-Bereich. Nach der Goldgräber-Stimmung und der massenhaften Gründung von alternativen Anbietern folgte ein Betreiber-Sterben. Heute ist eine gewisse Konsolidierung des Marktes eingetreten. Eine Bestandsaufnahme des österreichischen Festnetz-Telefonie-Marktes und des Angebots für Businesskunden - und gleichzeitig Auftakt zur großen Telekom-Serie im Monitor.

Christine Wahlmüller

Keine Frage: Telefonieren bzw. ein Festnetzanschluss gehört heute zur Basis-Kommunikations-Ausstattung jedes österreichischen Unternehmens. Vor mehr als fünf Jahren war das eine einfache, aber meist auch ärgerliche Angelegenheit. Nach der Anmeldung eines Telefon-Anschlusses bei der guten alten Post, begann das Warten. Insbesondere Privathaushalte, aber auch Klein-Unternehmen waren so wochen-, ja monatelang ohne den ersehnten Telefonanschluss. Heute ist alles anders. Wer einen Telefonanschluss möchte, hat die Qual der Wahl und die Anmeldung und Realisierung erfolgt rucki-zucki, ja erstaunlich schnell - verglichen mit den Zuständen noch vor einigen Jahren.

Neben der Telekom Austria tummeln sich (noch immer) eine Reihe von Anbietern, nur wenige von ihnen spielen allerdings im Business-Geschäft eine Rolle. Die größten fünf alternativen Anbieter sind hier zur Zeit die UTA (60.000 Business-Kunden insgesamt, inkl. Daten und Internet-Kunden), die in Eisenstadt ansässige eTel (41.000 Kunden), der Worldcom-Reseller Amiga (15.000 Kunden), Priority Telecom (Kunden sind u.a. SAS, Bahlsen, die Therme Oberlaa - keine Angabe von Kundenzahlen) sowie telering (zählt sich selbst zu den Top3 Alternativ-Anbietern in Österreich, ca. 52.000 Kunden). (Alle Angaben lt. Information des jeweiligen Unternehmens).

Weiters noch aktiv sind Colt (800 große und renommierte Kunden u.a. Siemens Österreich, die TU Wien, die österreichische Kontrollbank, Raiffeisen Centrobank), Worldcom Austria (1.500 Kunden), tele2 (Kunden nur im KMU-Bereich) und einige kleinere Anbieter wie z.B. Vocalis im steirischen Murau. Die Telekom Austria, zwar immer noch der Platzhirsch in Österreich, hat kräftig verloren. Zwar nicht so krass, was die Anschlüsse betrifft, doch bei Auslandsgesprächen und Ferngesprächen liegt der TA-Marktanteil bereits unter 50%. Das heißt andererseits, dass nach wie vor fast jedes zweite Unternehmen am teuersten über die gute, alte Telekom telefoniert, denn die TA-Tarife liegen - sofern keine Sonderkonditionen eingeräumt werden oder spezielle Tarife wie z.B. TikTakBusiness zum Einsatz kommen (hier fällt allerdings wieder eine höhere Grundgebühr an) - in jedem Fall über denen der übrigen Anbieter, wie auch der letzte Kommunikationsbericht der RTR eindeutig feststellt (siehe Grafik).

Allerdings ist eine Beleuchtung des Marktes nicht ganz einfach, gibt es doch auch Unternehmen, die z.B. einen Telefon-Anschluss bei der Telekom Austria besitzen, aber z.B. über UTA, Amiga & Co. telefonieren. Fest steht jedenfalls, dass die Zahl der österreichischen Kunden, die Preselection (jedes Telefonat läuft automatisch über den gewählten Anbieter, die vierstellige Betreibervorauswahl wird automatisch bei jedem Telefonat "vorgeschaltet") gewählt haben, bereits Ende 2001 bei über 700.000 lag. Tendenz stark steigend (siehe Grafik).

Eine Entwicklung, die sich auch im stetigen Niedergang des Umsatzes der Telekom Austria im Festnetz-Bereich deutlich spiegelt. 9,2% Umsatzrückgang lautete das TA-Ergebnis im Bereich Festnetz im zuletzt veröffentlichten 3. Quartal 2002. Insgesamt ist der Umsatzrückgang aber neben dem Verlust von Kunden auch auf eine Tarif-Reduktion sowie den Einfluss der Mobil-Telefonie zurückzuführen. Vor allem bei Klein- und Kleinstunternehmen wird mittlerweile viel via Handy kommuniziert.

Insgesamt wurden übrigens 2002 lt. IDC mehr als 7 Mrd. Festnetz-Telefonminuten in österreichischen Unternehmen vertelefoniert. Bis 2004 erwarten die IDC-Marktforscher trotz Mobiltelefonie sogar eine leichte Steigerung auf rund 7,5 Mrd. Telefonminuten - eine Prognose, die die Anbieter am umkämpften Markt zweifelsohne freuen wird. Schwierig ist es vor allem für den Kunden geworden. Er hat die Qual der Wahl im ziemlich unübersichtlichen Anbieter-Dschungel. Kleine Unternehmen haben es ja noch leicht, hier gibt es Standard-Produkte (einfacher analoger Telefon-Anschluss oder ISDN-Anschluss) und die Auswahl des gewünschten Tarif-Partners sollte auch kein Problem darstellen. Bei größeren Business-Kunden, die z.B. auch über mehrere Standorte verfügen, ergibt sich zunehmend eine Tendenz in Richtung Konvergenz Sprache-Daten-Internet-Unternehmensvernetzung und damit verbundenen Kombinationsprodukten. Bei der Telekom Austria ist dieser Kundenbereich unter dem Begriff "Business Solutions" zusammengefasst. "Jeder Kunde wird hier individuell betrachtet und dabei eine Lösung nach seinen Bedürfnissen erarbeitet", erklärt TA-Produktmanager Christian Frenzl.

Angebote einholen und vergleichen

Dabei kann es bei kluger Verhandlung durch den Kunden zur gewünschten Preis-Reduktion kommen. Ein Vergleich der Anbieter und das Einholen mehrere Angebote ist daher sehr zu empfehlen. Auch die Tarife sollte jedes Unternehmen nach wie vor gut im Auge behalten. Der Markt ist hier doch noch sehr in Bewegung. Colt-Tarife für Direktanschlüsse sind sowohl national als auch für Auslandsverbindungen zur Zeit absolut günstig. Amiga will in Kürze mit einem "einmalig günstigen Business-Tarif von sich reden machen", verspricht Amiga-Geschäftsführer Gilbert Scharsach. Die Telekom Austria kontert. "Businesskunden sind keine Groscherlzähler, sondern die Gesamtheit der Leistungen, Qualität und Service spielen eine entscheidende Rolle für den Kunden - und da sind wir einfach in allen Punkten führend", strotzt Christian Frenzl vor Selbstbewusstsein. Eine Haltung, die sich auch bei Markt-Verfolger UTA wiederfindet: Sicherheit, Qualität und Kundenorientierung, sekundengenaue Abrechnung ab der 1. Sekunde und langjährige Erfahrung werden als UTA-Bonuspunkte aufgezählt. Interessanterweise auch nicht der Preis.

Eigenes Netz

Ein Argument, das mit Sicherheit in Zukunft punkten wird, vor allem hinsichtlich konvergenter Services, ist jedoch ein eigenes Netz. Neben der Telekom Austria, können noch Worldcom, Priority Telecom, tele.ring, Colt sowie UTA auf ein eigenes Leitungs-Netz verweisen, wobei das Netz der Telekom Austria zur Zeit nach wie vor das flächendeckendste in ganz Österreich ist. eTel ist vor allem in Ost-Österreich stark vertreten und verfügt hier im Wiener Raum auch über einen Glasfaserring und entbündelte Leitungen. Amiga bedient seine Kunden über das Worldcom-Netz, während tele2 auf das Netz der Telekom Austria angewiesen ist, beide Anbieter bieten sehr günstige Telefon-Tarife. "Die Marktkonsolidierung ist auch im Festnetzbereich weit fortgeschritten, finanzschwache Anbieter ohne eigene Netze sind teilweise nicht mehr am Markt und weitere Insolvenzen sind in Sichtweise", glaubt telering-Geschäftsführer Michael Krammer an eine weitere Marktverdichtung. Konkrete Namen nennt Krammer aber keine.

Kein Patentrezept

Für die beste Auswahl eines geeigneten Telekom-Anbieters gibt es kein Strickmuster. Neben Preis und Leistung ist die Auswahl sicher eine Vertrauensfrage - und in Österreich eine Sache der Tradition und Kundentreue. So ist z.B. die Drogeriekette Schlecker (über 1000 Filialen in ganz Österreich) treuer Kunde der Telekom Austria. Andere Unternehmen haben die Liberalisierung als Chance zum Anbieter-Wechsel genutzt. So konnte z.B. der Call Center Dienstleister Invenio aus St. Pölten mit dem Umstieg auf UTA seine Telefoniekosten um 40% senken. Zufriedener eTel Kunde ist das Textilunternehmen MEWA. In der Zentrale in Wien und allen Niederlassungen wird über eTel telefoniert.

Aktuelle Angebote

Immer wieder gibt es günstige Einstiegsangebote, auch hier lohnt ein Vergleich und eine Anfrage bei den Anbietern. Noch bis 21. April läuft die eTel-Osteraktion. Wer sich für Preselection und einen DSL-Internet-Anschluss entscheidet, zahlt keine Installationskosten. Bei Amiga bekommen alle Neukunden zur Zeit 5 Gratis-Stunden. UTA und T-Mobile wiederum haben mit "Business Twin" ein Kombi-Paket geschnürt, das Festnetz- und Mobiltelefonie umfasst. Preislich belohnt werden bestimmte Telefonvolumina sowie Preselection-Kunden. Auch bei kombinierten Leistungen Sprache-Internet-Daten können Business-Kunden sehr gute Nicht-Listen-Preise bekommen, hier kommt es tatsächlich auf das Verhandlungsgeschick an. Was das Service betrifft, so gilt eine kostenlose Hotline mit Rund-um-die-Uhr-Service und 7 Tage-Betrieb sowie Support vor Ort (für Direktanschluss-Kunden) mittlerweile bei fast allen Anbietern als selbstverständlich (Ausnahmen: eTel, Mo-Sa, 7-22 Uhr sowie Amiga, täglich bis 23 Uhr). Auch die technische Qualität des Angebot (niedrige Verbindungsaufbauzeit, hohe Verfügbarkeit) liegt bei allen Anbietern annähernd gleichauf, im letzten TÜV-Test im Sommer 2002 konnten hier UTA und Amiga die Spitzenplätze für sich verbuchen.

Ausblick in die Zukunft

Bleibt als entscheidendes Kriterium der Preis. Und natürlich die Frage: Wer wird mir auch in Zukunft die gewünschten Leistungen zu einem fairen, günstigen Preis anbieten können? "Die Marktbereinigung geht weiter", glaubt Gilbert Scharsach von Amiga und drückt damit aus, was in der Branche allgemein gedacht wird. Technisch wird allerseits an Voice over IP "gebastelt". "Der Trend geht in Richtung integrierte Gesamtlösungen, wie z.B. die Einbindung von IP-Telefonie in Unternehmensvernetzungen", bestätigt Rainer Schittenhelm, Leiter des Businesskundenbereichs bei UTA. Außerdem im Fokus: Mehrwertnummern: "Sie werden mehr und mehr als Marketinginstrument genutzt - sowohl 0800 Servicelines als Service zur Neukundengewinnung, als Service-Hotline und vieles mehr, als auch 0900 oder 0930 Mehrwertnummern als attraktive Verdienstmöglichkeit," freut sich Mag. Christian Fritzsche, Geschäftsführer bei Priority Telecom, über eine weitere Umsatzquelle.

Der Markt wird jedoch mit Sicherheit härter, denn "die Wechselbereitschaft der Kunden lässt merklich nach, wir setzen daher 2003 voll auf unsere KMU-Strategie", so Barbara Gmeiner, Produktmanagerin bei eTel. Bei der Telekom Austria gibt sich Christian Frenzl gelassen: "Wir geben den Kunden Qualität und Sicherheit, eventuell bringen wir heuer noch Branchenlösungen z.B. für den Tourismus auf den Markt". Amiga und tele2 dürften den Kampf um den Kunden 2003 über ihre Tarifpolitik gehörig beeinflussen und die Preisspirale damit nach unten bewegen. "Einfach billige Tarife", so das erklärte Motto von tele2-Marketing-Direktor Marco Harfmann.

Österreichische Unternehmen dürfen sich somit freuen. Insgesamt gesehen liegen sie, was die Telefontarife betrifft, noch unter dem Schnitt (19 Industrienationen im Vergleich). Spitzenreiter ist hier übrigens Schweden, wo Unternehmer um knapp 50% günstiger telefonieren. Schlusslicht ist Portugal, Österreich rangiert im Mittelfeld auf Platz 9. Das könnte sich heuer noch ändern.


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MONITOR-Autoren
Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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