Evan Mahaney
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Reinhard Gantar
Die Leprechauns haben schon immer gerne Computer-Messen besucht, wie etwa Apples jährliche spektakuläre Macworld oder die Consumer Electronics Show in Las Vegas.
Seit es diese Kolumne gibt, waren die Leprechauns immer bis zum Bersten gefüllt mit Neuigkeiten und schäumten über mit Kommentaren über die Zukunft und was hinter dem Horizont liegt. Ich brauche mich nur zurücklehnen und zuzuhören. Bei diesem Treffen kam die allgemeine Lage der IT-Industrie an die Reihe. Und das bugsierte uns in die Erörterung der zwei Billionen Dollar.
Es war der leutselige Mister Cavalier, der die IT-Situation so zusammenfasste: "Ich glaube, die Ziffern von Dataquest sind die zuverlässigsten. Wir sahen uns auch die Daten der World Information and Technology Service Alliance an, aber wir alle hier sind uns einig: Dataquest hat die besseren Informationen. Und sie schätzt, dass die IT-Produkte und -Dienstleistungen dieses Jahr 2.46 Billionen Dollar umsetzen werden. Tatsächlich akzeptieren wir diese Zahl nicht nur, wir halten sie sogar für eher konservativ. Worin wir uns nicht einig sind, ist die Perspektive für wireless- und handheld-Geräte."
Dann hob Mister Cavalier die Nase, zeigte mit dem Finger auf mich und erklärte: "Und Ihr, Oh Kenner der mit Orange dragierten Pecan-Nüsse, habt Ihr überhaupt eine Vorstellung davon, wieviel eine Billion ist, von 2.46 gar nicht zu reden?"
Ich dachte lange und angestrengt darüber nach, mußte aber schließlich einräumen, dass ich eine Billion einfach nur für viel Geld und eine große Summe hielt.
"Gewaltig," sagte Mister Cavalier. "Lasst mich Euch eine Ahnung davon geben. Würdet Ihr eins-zwei-drei zu zählen beginnen, würdet Ihr 30000 Jahre brauchen, um bis zu einer Billion zu zählen. Das wäre aber erst die erste Billion, und wir sprechen hier über 2.46 Billionen. Ausgeschrieben sind das 2,460,000,000,000 US-Dollar. Abgesehen davon halten wir die Summe von 2,510,000,000,000 für realistischer - zwei Prozent mehr."
Konfrontiert mit all diesen Nullen und dem Vorhaben, die nächsten 75000 Jahre mit Zählen zu verbringen, erkannte ich, wie riesig das Terrain der Information Technology ist. Und dass diese Industrie verglichen mit anderen noch sehr jung ist. Bevor ich mich aber in Reminiszenzen ergehen konnte, forderten die Leprechauns wieder meine Aufmerksamkeit. Fräulein Leaglebeek ergriff das Wort.
"Die Ziffern, auf die wir uns nicht einigen können, hat Dataquest für tragbare Geräte veröffentlicht. Sie prophezeihen ein Wachstum von bloß 8 Prozent. Als wir aber durch die Messen in Las Vegas und LA flitzten, bemerkten wir eine ungeheure Vielfalt dieser wunderbaren Helferlein - die meisten neuen Geräte sind Einheiten zum in die Tasche stecken. Vom guten alten Handy mit neuen Funktionen bis zum PDA zur Terrorbekämpfung."
Eine piepsende Stimme erhob sich, als Fräulein Splainit ergänzte: "Das wunderbare an Handhelds ist ihre Ersetzlichkeit. Egal, was es kostet, die Menschen ersetzen lieber ihre tragbaren Geräte als stationäre Geräte. Leute, die ihre Computer alle paar Jahre upgraden, upgrade ihre PDAs jedes Jahr. 2002 wurden 440 Millionen Handheld-Devices verkauft. Ende 2003 wird diese Zahl auf 480 oder sogar 490 angewachsen sein."
Mit all diesen Millionen und Billionen erkannte ich, wie sehr ich zum alten Eisen gehörte - stationäre Geräte interessieren mich weit mehr als PDAs. Ein Handy habe ich, aber das ist auch schon alles. Was würde die Zukunft für altmodische Desktop-Computer bringen? Ich befragte meine Freunde.
Nach einem Moment Stille war es die weinerliche Stimme des Mister Snyde, die ich sofort als die seine erkannte. "Ach herrje..." sagte er düster-ominös. "Ich fürchte, Euer Zug wird noch einige Zeit an der Haltestelle verweilen müssen. Seht her, Oh Feinschmecker der Haselnuss-Schoko-Toffees, das Wachstum für Computer und verwandte Hardware wird ein weiteres Jahr im Keller bleiben. Minus zehn Prozent letztes Jahr, minus zehn Prozent dieses Jahr - da bin ich ganz sicher. Der Glanz ist raus aus diesem Geschäft; Computer sind mehr wie Haushaltsgeräte als High-Tech. Ihr müsst noch ein weiteres Jahr warten um wieder Wachstum in diesem Bereich zu sehen."
Fräulein Splainit versuchte mich mit ihrer zirpenden Stimme zu trösten: "Haltet Euch aber vor Augen, dass es wahrscheinlich ein kleines Gerät gibt, dass die meisten Funktionen Eures großen Geräts am Schreibtisch vollwertig ersetzen kann."
Und mit dieser freudigen Nachricht verschwanden die Leprechauns einfach, so wie sie das immer tun. Und wie immer ließen sie die Zitate zurück, und die übersetzt werden müssen.
Phrasen, die übersetzt werden müssen
Das Zitat: "Es wird Geräte mit Displays in allen Größen im Haushalt geben: So groß wie die ganze Wand, um von mehreren Leuten gleichzeitig betrachtet zu werden; im Taschenformat für Information, die man immer bei sich haben will; so groß wie eine Briefmarke, um am Handgelenk getragen zu werden. Und wir werden dafür sorgen, dass sie alle zusammen funktionieren."
Die Umstände: Bill Gates, in der Eröffnungsrede auf der International Consumer Electronics Show Las Vegas.
Die Übersetzung: Und Microsoft wird fortfahren Milliarden zu verdienen, weil wir dafür sorgen werden, daß wir 10 bis 25 Dollar an Lizenzgebühren kriegen, für alles, was ein Display hat.
Das Zitat: "Alle Menschen haben das Recht uneingeschränkt mit anderen zu kommunizieren, und das Recht auf uneingeschränkten Zugang zu Information und dem Internet."
Die Umstände: Texteinsprengsel in einem Gesetzesentwurf vom Kongress der Vereinigten Staaten, der das Office of Global Internet Freedom promoten soll, das wiederum für die Bekämpfung von Jamming und Blocking des Internet durch "repressive Regime" zuständig ist.
Die Übersetzung: Und wir haben das uneingeschränkte Recht mit Carnivore und ECHELON jedermanns e-Mail zu lesen.
Das Zitat: "In gewissen Fällen befand Nucleus, dass i2 Technology den Umfang des Nutzens in seinen Kundenprofilen überschätzt hat."
Die Umstände: Ein Report von Nucleus Research, dass die Kosten von i2's Lieferantenverwaltung den Nutzen übersteigen.
Die Übersetzung: Wenn man 22 Fälle untersucht, und in 12 davon wird berichtet, daß sich die Investition in das i2-Paket rentiert hat - dann sind die Behauptungen über den Nutzen wohl ein wenig übertrieben.
Das Zitat: "Ich liebe die Firma und ich liebe es, Aufsichtsratsvorsitzender zu sein. Es ist eine schwierige Umgebung. Ob es richtig ist, oder nicht richtig ist, oder fair ist, oder nicht fair ist, ist nicht relevant. Im Licht des Risikos größerer Ablenkungen mit dem sich nähernden Mai, so habe ich gefunden, dass es, im Großen und Ganzen, obwohl es eine schwerwiegende Entscheidung war, doch das beste war für mich zu tun."
Die Umstände: Steve Case, CEO of AOL Time-Warner, erklärt warum er im Mai 2003 zurücktreten wird.
Die Übersetzung: All diese Time-Warner-Bonzen waren hinter meinem Skalp her. Diese Bazillen hätten mich gefeuert, daher bin ich ihnen zuvorgekommen. Ich grabschte mir die Millionen und rannte los auf die Bank.




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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 