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MONITOR Diskussionsrunden auf der exponet

"Wissensmanagement": Geschichten-Erzähler

Besuchen Sie die drei MONITOR Diskussionsrunden zu den Themen: "IT-Business in Österrreich", "Return on Investment (ROI)", "Wissensmanagement" auf der exponet. Nachstehend finden Sie einen Überblick und Statements der Diskussionsteilnehmer.

"Wissensmanagement": Geschichten-Erzähler

Mitarbeiter und deren Wissen kristallisieren sich immer mehr als wichtiges Kapital eines Unternehmens heraus. Strukturierung und Aufbereitung dieses Wissens sind das Thema von Content Management und Wissensmanagement. Die MONITOR-Podiumsdiskussion geht dem aktuellen Stand des Wissensmanagements auf den Grund.

"Nur etwa 46% des Wissens eines Unternehmens ist mit Suchmaschinen findbar", gibt Dr. Peter Schütt, Wissensmanagement-Spezialist bei IBM Deutschland, einen Einblick in die Wirklichkeit. Jeder weiß einfach viel mehr, als er verbal ausdrücken kann oder als sich in einer Datenbank erfassen lässt. Und nicht nur Unternehmen stehen vor den vielfältigen Schwierigkeiten, das Wissen der Mitarbeiter zu erfassen, auch die öffentliche Verwaltung. "Im e-Government geht es ja auch darum, die Kontakte nach außen und nach innen zu verbessern. Und dazu werden Verzeichnisse benötigt, um jeweils die richtigen Ansprechpartner schnell ausfindig machen zu können", so Schütt.

Wichtig bei der Eingabe des Wissens ist natürlich, dass die Systeme einfach zu bedienen sind. Auch entsprechende Anreizsysteme führen zu verstärkter Wissensweitergabe. Zu beachten gilt es jedenfalls, dass moderne "Wissens-Arbeiter" anders kooperieren als klassische Arbeiter. "Wissensarbeiter spielen als Team, nicht im Team", bringt Schütt einen Vergleich aus dem Sport. Dabei ist es besonders wichtig, dass jeder weiß, was der jeweils andere besonders gut kann. Der Manager wird dabei zum Coach, der darauf achtet, dass jeder seine Fähigkeiten optimal einsetzen kann und die Informationsflüsse stimmen.

Dabei zeigt sich immer, dass die meisten Informationen in den ganz normalen Unterhaltungen stecken. Die Inhalte davon zu erfassen ist Aufgabe des "Story Telling": Diese Wissenschaft definiert u.a. einen Maßstab für die Unternehmenskultur und ermöglicht verändernde Eingriffe. Einer der Pioniere in diesem Thema ist Dave Snowden, Leiter des IBM Cynefin Centre for organizational Complexity. Er hat in den vergangenen fünf Jahren ein methodisches Vorgehen entwickelt, dessen wichtigste Bestandteile heute auch patentiert sind. Die Methode besteht aus vier Schritten: Einsammeln von Anekdoten, Analyse nach Archetypen und Wertvorstellungen, Neukonstruktion einer Geschichte nach Sollwerten, Verbreitung der Geschichte.

Man sieht also: Wissensmanagement ist ein sehr komplexes Thema, vielfach ist ein fundamentaler Wandel in der Unternehmens-Kultur nötig. In zahlreichen Kunden-Projekten der IBM haben sich jedenfalls folgende Erfolgs-Faktoren bei der Einführung von Wissensmanagement herauskristallisiert:

  • Klare Formulierung der Zielsetzung des Einsatzes von Wissensmanagement
  • Klare Definition von Kernthemen
  • Identifikation von Kunden & Lieferanten von "Know-how"
  • Integration bestehender Netzwerke und Wissensträger
  • Nominierung von Themenverantwortlichen
  • Von den heute meist hierarchischen Strukturen unabhängige Organisations-Strukturen und Prozesse aufbauen
  • Anpassung der Anreizsysteme
  • Kultur des Vertrauens schaffen, Barrieren abbauen
  • Internes Marketing betreiben
  • Effiziente und flexible Technik einsetzen

Nutzen Sie also die Gelegenheit: Kommen Sie zur Monitor-Diskussion über Wissensmanagement, erfahren Sie den aktuellen Stand der Diskussion und Anwendung und stellen Sie die Fragen, die Sie schon immer stellen wollten.

Ort: ManagewareCenter, Ebene 02,
Zeit: Donnerstag 13.02., 10Uhr 45 - 11.30 Uhr
Thema: "Wissensmanagement"

  • Virtuelle Arbeitsplätze, Mitarbeiterportal, Advanced Collaboration etc.
  • Wo stehen Unternehmen heute, was sind Anforderungen für die Zukunft?

Teilnehmer am Podium:

  • Accenture, Johannes Cruyff, Senior Manager
  • Hummingbird, Andreas Dees, Senior Manager Technology Alliances
  • KMA Knowledge Management Associates GmbH, Dr. Andreas Brandner, Geschäftsführer
  • Scout Research Systems GmbH, Heidi von der Fuhr, Product Marketing Manager
  • Seeyou, Mag. Horst Krieger, Leiter der Seeyou e-cademy
  • Moderation: MONITOR, DI Rüdiger Maier, Chefredaktion

Im Folgenden finden Sie kurze Beiträge der Diskussionsteilnehmer.


Dr. Andreas Brandner, Geschäftsführer KMA Knowledge Management Associates GmbH

Die Wissensgesellschaft stellt in drei Kernbereichen Herausforderungen an uns alle: Einerseits werden die Wettbewerbsvorteile durch bestehende Kompetenzen immer kurzlebiger. Dauerhafter Vorsprung basiert immer stärker auf einer höheren Lern- und Entwicklungsfähigkeit, die immer weniger von einem "Entrepreneur" erbracht wird, sondern von einer breiten Anzahl von Experten mit unterschiedlichen Spezialisierungen, die in variierenden Teamformen, teilweise stark disloziert zusammenarbeiten. Die Fokussierung auf Kernkompetenzen sowie enge Zusammenarbeit mit Business Partnern ist ein strategisches Gebot der letzten und nächsten Jahre.

Die zweite damit verbundene Herausforderung richtet sich an die Fähigkeiten der Wissensarbeiter. Von diesen wird bereits ein hohes Maß an Selbstkompetenz erwartet, denn sie müssen sich selbst und ihr Wissen aktiv in einem veränderlichen Umfeld positionieren und in Teams einbringen, die in anderen Welten leben - gerade IT-Manager wissen schon lange was das bedeutet. Wissensarbeiter müssen zukünftig lernen, sich selbst zu managen, zu verkaufen und sich selbständig zu entwickeln.

Die dritte Herausforderung geht aus den ersten beiden hervor: Zwischen den Mitarbeitern innerhalb und außerhalb der Unternehmensgrenzen entstehen Kommunikations- und Kollaborationsprozesse in völlig neuer Qualität und mit bisher völlig unterschätztem Potential. Das Wissen zu teilen und neues nutzenstiftendes Wissen in Teams zu generieren ist die Herausforderung der Wissensgesellschaft. Informationstechnologien, die sich auf die bessere Nutzung und auf die Generierung von Wissen richten, sind die Tools der Zukunft.

Johannes Cruyff, Senior Manager, Accenture

Die wachsende Geschwindigkeit der Veränderungen in den Märkten erfordert eine höhere Selbständigkeit und Flexibilität der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter. Trotz der Anstrengungen der letzten Jahre (Markt-Volumen Wissensmanagement 2001: $ 2,6 Mrd., prognostiziert für 2006: $ 8,9 Mrd.), sagen 72 Prozent der Unternehmen, dass Wissen bei ihnen nicht adäquat wieder verwendet wird.

Einer der Gründe warum viele Wissensmanagement-Initiativen scheitern ist, dass sie durch Technologie definiert wurden. Die zugrundeliegenden Fragen müssen aber sein: Was ist die Art der Arbeit? Was sind die Bedürfnisse der Nutzer? Was ist der zu erzielende Nutzen?

Dabei ist zu beachten, dass eine Veränderung des Wissensmanagements einer Organisation eine Veränderung der Unternehmenskultur und damit des Unternehmens selbst mit sich bringt bzw. erfordert - Wissensmanagement kann man nicht einfach kaufen!

Heidi von der Fuhr, Product Marketing Manager, Scout Research Systems GmbH

Wissensmanagementsysteme sollen idealerweise dazu dienen, die ideellen Vermögenswerte eines Unternehmens in aktives Kapital umzuwandeln. Das Wunschsystem sammelt ohne personellen Aufwand alles Wissenswerte aus den unternehmensweiten Daten, stellt jedem einzelnen Mitarbeiter die für ihn relevanten Informationen gezielt zur Verfügung und erhält gleichzeitig die bewährten Strukturen: Lücken und Redundanzen werden automatisch behoben. Durch frei werdende Kräfte kann die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden.

Herkömmliche Systeme stoßen hier schnell an ihre Grenzen, vor allem dann, wenn die Mitarbeiter die Lösung nicht akzeptieren, da der subjektive oder tatsächliche Aufwand für die Einpflege der Daten den Nutzen übersteigt. Auch sind viele Systeme zu kompliziert in der Handhabung. Bei klassischen Lösungen werden Informationsstrukturen festgelegt, die sich nicht oder nur schwer an den steigenden Wandel im Geschäftsalltag anpassen lassen.

Näher an der menschlichen Denkweise und dem unternehmerischen Geschehen, das die Informationen dynamisch verarbeitet, ist das flexible Wissensmanagement "on demand": Hier können sich die Mitarbeiter über die Eingabe frei wählbarer Suchbegriffe selbständig Informationen aus sämtlichen Datenpools im Extra- und Intranet, verschiedene Datenbanken und sogar E-Mail-Systeme zusammenstellen. Der Aufwand für die Einpflege der Daten und Dokumentation entfällt. Wegen der Bedienerfreundlichkeit und des unmittelbaren Nutzens für die tägliche Arbeit werden dynamische Wissensmanagement-Lösungen eher gewinnbringend eingesetzt als herkömmliche Systeme.

Andreas Dees, Senior Manager Technology Alliances, Hummingbird

Das wirtschaftliche Klima von heute ist durch Schnelllebigkeit geprägt. Überall wird mit Nachdruck die Implementierung von Unternehmenslösungen vorangetrieben, mit denen sich der geschäftliche Nutzen der Unternehmensinformationen maximieren lässt. Gefragt sind Möglichkeiten zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, zur Umstrukturierung von betriebswirtschaftlichen Prozessen, zur Vereinfachung des Informationszugangs und zur Erhöhung der Aussagekraft der Daten.

Bei ihren E-Business-Vorhaben müssen die Unternehmen neben der Integrität, Skalierbarkeit und Offenheit einer Lösung unbedingt auch die Integration ihrer vorhandenen IT-Infrastruktur in das neue Modell im Auge behalten. Die Möglichkeit zur nahtlosen Integration von strategisch wichtigen Altanwendungen, ERP und CRM Programmen, unternehmensspezifischen Anwendungen und anderen wichtigen Systemen ohne größere Änderungen an Programmcode und Architektur ist dabei von großem Nutzen.

Mag. Horst Krieger, Leiter der Seeyou e-cademy

Im Mittelpunkt des Themas Wissensmanagement steht die Entwicklung, Auffindung und Nutzung von "gewusst wie"-Skills, Expertenwissen und verborgenen Wissenspotenzialen in Unternehmen und Organisationen. Wissensmanagement verknüpft das organisationale explizite und implizite Wissen mit dem Wissen von Kunden, Kooperationspartnern oder Lieferanten. Aus dieser Sichtweise bekommt Wissensmanagement eine Community Building Komponente.

Wissensmanagement-Ansätze die vordergründig auf das Lernen und die Wissensentwicklung von Individuen abstellen sind nicht umfassend genug. Die Verbindung von individuellen und organisationalen Wissensbeständen muss in den Vordergrund rücken. Wissensmanagement hat keine "l'art pour l'art"-Stellung, sondern setzt Information und Wissen in Kontext zu Individuum und Organisation.

Die Organisation und Entwicklung von Prozessen der Wissensgenerierung, der Wissensdarstellung, des Wissenstransfers und der Wissensverknüpfung sowie die Sicherung der Qualität des Wissenskapitals ist für ein Unternehmen kritischer Erfolgsfaktor. Folgt man den postulierten Thesen, so stellt sich unmittelbar die Forderung nach einer unternehmensweiten Wissens- und Lernarchitektur.

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