"Return on Investment (ROI)" - Richtig investieren
In Zeiten geschrumpfter IT-Budgets ist die Frage nach dem Nutzen von Investitionen von großer Bedeutung. Das Schlagwort dazu ist "Return on Investment" (ROI). Doch ist es nicht immer einfach, Nutzen für innovative System abzuschätzen, da diese ja Effekte bewirken können, an die vorher niemand denken konnte. Ein Thema also, über das es sich zu diskutieren lohnt.
Bei der Umsetzung von IT-Projekten steht heute oft der ROI im Mittelpunkt. Wegen der Einfachheit und Übersichtlichkeit wird dabei zunächst meist eine Kostenvergleichsrechnung angewendet, die unter Berücksichtigung eines veränderten Nutzens die Kosten des alten und neuen Verfahrens gegenüberstellt. Wird der Nutzen eines Rationalisierungsprojektes auf die getätigte Investition bezogen, spricht man von einer Rentabilitäts- oder einer Amortisationsrechnung. Der berechnete Amortisationszeitraum zeigt auf, in welcher Zeit das Kapital, das in das Projekt gesteckt worden ist, in das Unternehmen zurückfließt. Man nennt dies das ROI-Verfahren. Aber fließen in dieses Verfahren wirklich alle Parameter ein, die letztlich ein erfolgreiches, kundenorientiertes und innovatives Unternehmen ausmachen ?
Kommen Sie zur Monitor-Podiumsdiskussion über Return on Investment, informieren Sie sich und stellen Sie Ihre Fragen:
KeyNoteArena, Ebene
U2, Mittwoch 12.2., 15.15 Uhr - 16.00 Uhr
Thema: Return on Investment (ROI): Darf man die Unternehmens-IT ganz dem ROI-Denken
unterwerfen oder spielen auch strategische Dinge eine Rolle?
- AstraZeneca Austria, Mag. Klaus Fister, Manager Information Services
- Bank Austria-Creditanstalt, Robert Macho, Abteilungsleiter eBusiness Infrastructure
- Gartner Austria, Dipl.-Ing. Manfred Troger
- Microsoft Austria, Paul Stritter, Mitglied der Geschäftsleitung
- T-Systems Austria, Dipl.-Ing. Georg Komornyik, Mitglied der Geschäftsleitung
- Moderation: Monitor, DI Rüdiger Maier, Chefredakteur
Nachfolgend finden Sie kurze Stellungnahmen der Diskussionsteilnehmer.
Mag. Klaus Fister, Manager Information Services, AstraZeneca Austria
Darf
man bei schrumpfenden IT-Budgets die Unternehmens-IT ganz dem ROI-Denken unterwerfen?
Eher nicht ganz, da gerade im IT-Bereich oftmals "weiche Returns" zum tragen
kommen, die zu Beginn eines Projektes auch beim besten Willen und mit modernsten
ROI-Berechnungen nur schwer vorherzusehen waren.
Aber was wird bei modernen ROI-Berechnungen berücksichtigt? Faktoren, die wir einfließen lassen sind unter anderem: Hard Facts wie Investitionsaufwand über Projektlebenszyklus exkl. kalkulatorischer Kosten wie Personalaufwand und exkl. ev. Änderungen der Organisationsstruktur; unmittelbare Soft Facts wie höhere Systemverfügbarkeit, Motivationssteigerung (und dadurch Effizienzsteigerung), geringerer Aufwand zum Betrieb des Systems etc.; mittelbare Soft Facts wie z.B. Mehrumsatzgenerierung durch erhöhte Kundenbindung, bessere Möglichkeiten zur Kundensegmentierung und dadurch zielgerichtete Kundenansprache etc.
Aber auch andere Gesichtspunkte, etwa strategische Überlegungen, spielen eine nicht unerhebliche Rolle: Gerade angesichts der (hoffentlich bald) anspringenden Konjunktur kann man sich durch rechtzeitige IT-Investitionen einen Wettbewerbsvorteil erschaffen.
Robert Macho, Abteilungsleiter eBusiness Infrastructure, Bank Austria Kreditanstalt
Darf
und soll man sich bei schrumpfenden IT-Budgets ganz dem ROI-Denken unterwerfen?
Eine nahezu klassische Frage harrt ihrer Beantwortung. Versuchen wir dies einfach
mit dem ersten Buchstaben des Akronyms ROI - dem "R". Zur Erinnerung: dieser
Buchstabe steht für return - also für Wertschöpfung. Unter Geschäftsleuten
sollte dies allerdings kein Diskussionsthema sein: Die Antwort ist also ein
klares "Ja" - selbstverständlich soll und muss jede Investition sich wieder
verdient machen.
Natürlich sind auch strategische Investitionen erlaubt. Jedoch welchen Sinn sollten Strategien und Technologien haben, wenn diese keinen wertschöpfenden Ansatz verfolgen? Wertschöpfend kann durchaus auch die Verbesserung von Qualität oder die Reduktion von Risiken sein. Dies ist alles berechenbar. Kein Projekt mehr, ohne Business Case, ohne Nachdenken und konkretes Planen, wann welche Investition positive Auswirkungen zeigen kann. Keine Technik um der Technik willen!
Als Finanzdienstleister stehen vor allem Entwicklungen für den Kunden und zur Förderung des Kundengeschäftes im Vordergrund. Als Beispiele können die im Rahmen der exponet gezeigten Lösungen dienen. Die neue Firmenkundenplattform business-net ermöglicht eine neue Qualität der Firmenkundenbetreuung. Wir sind zutiefst überzeugt - und dies lässt sich mit Zahlen unterlegen - dass sich optimale Kundenorientierung rentiert.
Dipl.-Ing. Georg Komornyik, Mitglied der Geschäftsleitung, T-Systems Austria
Im
Rahmen reduzierter IT-Budgets ist die gezielte Freigabe von Investitionen ein
entscheidender Erfolgsfaktor. Die Zeiten, in denen jeder Wunsch der Fachabteilung
ungeprüft in Software gegossen wurde, sind lange vorbei.
Ich denke aber, dass es zweitrangig ist, welches Modell für die ROI Berechnung verwendet wird. Wichtig ist, dass - durch die Forderung einen ROI auszuweisen - die IT-Verantwortlichen und die Fachabteilung gezwungen werden gemeinsam über die Sinnhaftigkeit von Investitionen nachzudenken. Die "Story" hinter jedem Vorhaben muß dann vorab durchdacht werden - bevor Geld freigegeben wird.
Strategische Projekte, also Projekte wo zum Startzeitpunkt kein ROI abschätzbar ist, bei denen aber möglicherweise ein hoher Business-Nutzen erwartet wird (wie zB. das Einführen eines Internet-Verkaufsportals), wird es in jedem Unternehmen geben. Im Sinne einer Risikobegrenzung sollte für diese Art von Projekten aber nur ein kleinerer Teil des IT-Budgets verwendet werden.
Paul Stritter, Microsoft Austria, Mitglied der Geschäftsleitung
Effizienz,
Produktivität und Rentabilität der gezeigten Produkte, Lösungen und Referenzen
stehen für Microsoft auf der diesjährigen Exponet besonders im Vordergrund.
Das dynamische Wirtschaftssystem von Microsoft mit der am Markt größten Anzahl
an Anwendungen, mit Tausenden zertifizierten Gerätetreibern und Anwendungsprogrammen
und einer umfassenden Supportverfügbarkeit (mehr als 450.000 MCSE-Experten und
rund 1,5 Millionen MCP-Inhaber weltweit) bietet hier im Vergleich zu anderen
Anbietern das effizienteste Portfolio für Unternehmen jeder Größenordnung.
Das ist für Unternehmen derzeit besonders wichtig: Denn der Return on Investment (ROI) der eingesetzten IT-Lösung steht in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für die Entscheidungsträger noch stärker im Vordergrund. Laut einer aktuellen Studie bei deutschen Unternehmen planen 74 Prozent der befragten Manager für Teile ihre IT-Investitionen in Zukunft eine genauere wirtschaftliche Nutzenkontrolle durchzuführen. 28 Prozent der Befragten werden diese Analyse sogar auf alle ihre IT-Investitionen ausweiten.
Dipl.-Ing. Manfred Troger, Gartner Austria
ROI-Überlegungen
sind essentiell für jedes Unternehmen und gehören zur "kaufmännischen Sorgfaltpflicht".
In der E-Business Hype Phase wurden viele dieser "kaufmännischen Basics" nicht
beachtet, um andere Ziele zu verfolgen (Wachstum, Innovation, Aktienkurs, usw.).
Grundsätzlich entwickeln sich die ROI-Überlegungen in Richtung, welchen Wert für das Unternehmen entsteht (zB. Business Value of IT). Wenn man sich die gesamten IT-Projekte einer Firma betrachtet, kann man diese in drei Bereich unterteilen:
- Utility: Hier ist die Effizienz und damit Kostensparen und ROI ein maßgeblicher Aspekt. Eine übliche Verteilung der Projekte liegt etwa in 60%-70% in dieser Kategorie.
- Enhanced: 25%-30%, hier liegt der Schwerpunkt in der Effektivität, z.B. höherer Umsatz, Gewinn oder Produktionsoutput.
- Frontier: 5%-10%, hier geht es um Innovation und Mitbewerbsvorteil. ROI-Überlegungen spielen hier eine untergeordnete Rolle.
Bei dieser Unterteilung kann man gut erkennen, wo und wo nicht ROI-Überlegungen sinnvoll sind. Ein anderer Aspekt der wieder erstarkten Diskussion über ROI ist, dass die Informationstechnologie sich in Zukunft darum zu bemühen hat, die durch viele gescheiterte Projekte verlorengegangene Glaubwürdigkeit wieder aufzubauen




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 