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Lösungen

ÖBB / schoeller

Gläsernes Rückgrat - Lichtwellenleiter tragen österreichweite ÖBB-Datenkommunikation

"Wir haben den Rückzug des Herstellers 3Com aus dem Core-WAN-Bereich zum Anlass genommen, unser Netz zu überdenken. RailNet.TK heißt das daraus geborene, nunmehr übergebene neue WAN und unsere Zukunftserwartungen was Anwendungen und Bandbreiten betrifft, sind prompt eingetroffen," erklärt Ing. Werner Vogl, der Netzwerkverantwortliche der ÖBB, wie wichtig es war, dem ÖBB Datennetz ein neues "Rückgrat" zu verpassen.

Noch vor einem Jahr war das Bahn Datennetz (BADA-Netz) mit dem 10 Mbit-Backbone ausreichend dimensioniert. Um neue Netzwerkdienste anbieten zu können und auch um für mehr Bandbreite vorzusorgen, wurde bereits im Winter 2000 das Projekt RailNet.TK ins Leben gerufen. "Bei einem Netz, das an die 25.000 Anwender unterstützt, kann man nicht erst dann, wenn es eng wird, Maßnahmen setzen. Hier hat die ÖBB rechtzeitig und richtig gehandelt," stellt Mag. Werner Vashold, Projektleiter von schoeller network design fest. "Die Qualität der Anbindung einzelner Standorte an das Backbone kann man bei Bedarf relativ kurzfristig anheben. Ein neues österreichweites Backbone hingegen zu schaffen, dauert. Wir konnten auf ÖBB-eigene Dark Fiber und SDH Verbindungen zurückgreifen und haben in nur 15 Monaten ein neues redundantes, österreichweites Backbone mit 155 Mbit (STM-1) und GB-Ethernet mit 35 Knoten realisiert und sämtliche Anwender vom BADA-Netz auf das neue RailNet.TK migriert."

Für die ÖBB waren Sicherheit, Kostengünstigkeit und Entwicklungsfähigkeit erste Ziele. Die Sicherheit wurde dadurch erreicht, dass das neue Backbone in Betrieb genommen wurde, während das bestehende Netz voll funktionsfähig blieb. Dann wurden beide Backbones verbunden und schrittweise einzelne Netze an das neue RailNet.TK direkt angeschlossen. Der Access-Bereich, also "die Fläche", die mehr als 1.000 lokale Netze umfasst, wurde vorerst technisch nicht verändert. Laut Vogl sollen Investitionen erst dann getätigt werden, wenn sie unmittelbar benötigt werden: "Kapazitäten quasi auf Vorrat bereitzustellen erhöht nur die Kosten, bringt aber kein Mehr an Kundenzufriedenheit."

Backbone-Struktur

Das Backbone umfasst 35 Netzknoten, davon 8 in Wien und 27 in den Bundesländern. In Wien ist GB-Ethernet in Verwendung, in den Bundesländern sind die Standorte größtenteils über STM-1 angebunden. Auf jeden Fall sind Mehrfach-Redundanzen gegeben, so dass der Ausfall einer einzelnen Verbindung von den Anwendern schlechtestenfalls, wenn überhaupt, als Mangel bei QoS bemerkt werden kann. Im Backbone in Wien werden Cisco GSR12008 in Kombination mit Cisco 7500 eingesetzt. In den Bundesländern wurden an den Core-Backbone-Standorten meist Cisco 7507 und an den Edge-Backbone-Standorten Cisco 7206 installiert.

Gemanagt wird das Netz von vier Netzwerk-Management-Centern aus, je einem in Innsbruck, Villach, Linz und Wien, wobei Wien eine zentrale Funktion zukommt. Von diesen Management-Centern werden nicht nur allfällige Probleme analysiert, sondern, wenn notwendig vor Ort, Störungen behoben. Hier werden auch die Kundenaufträge und neue Dienste eingerichtet. Diese Management Center stehen unter der Leitung der Netzwerkbearbeiter der Telekom Regionalleitungen.

Geschäftsabwicklung

Der Geschäftsbereich Telekom der ÖBB stellt den anderen, sehr unterschiedlichen Geschäftsbereichen ein Netzwerk zur Verfügung, das ihre jeweiligen Standorte untereinander und die Bereiche miteinander verbindet. Dabei werden die Geschäftsbereiche und deren IT-Abteilungen als Kunden behandelt. Bislang waren Rechner "angeschlossen" worden. Nunmehr werden aber Bandbreiten angeboten. Abgesehen von der physischen Verbindung muss nicht nur geprüft werden, ob die Kapazitäten vorhanden sind, sondern auch wie sie bereitgestellt werden können. Es ist dafür zu sorgen, dass die abseits des Backbone (in der Fläche) vorhandenen Komponenten QoS-geeignet sind. Schließlich müssen die nötigen Einstellungen an den Routern vorgenommen und dokumentiert werden. Dem Kunden sind Monitoring-Möglichkeiten anzubieten, damit er überprüfen kann, was ihm geliefert wird und was er benützt. Kundenaufträge und ihre Umsetzung sind Teil des Netzwerkmanagements und müssen in einer Datenbank auf Knopfdruck sichtbar sein.

Ist ein neuer Auftrag im Laufen, muss der Kunde unmittelbar Hilfe bekommen, es ist also eine Help-Desk-Struktur zu schaffen. Betroffene müssen Probleme melden können (Trouble-Tickets) und dafür muss ein sich selbst dokumentierender, verfolgbarer Online-Ablauf geschaffen werden.

Wachsender Bedarf

Wie richtig die Entscheidung war, das Backbone auszubauen, zeigt auch die Tatsache, dass bereits eine Vielzahl von QoS-Verbindungen bestellt wurden.

Nun, nachdem RailNet.TK Realität ist, können auch Anwendungen aus dem Nicht-IT-Bereich wie die Video-Überwachung von Bahnhöfen oder von unbesetzten Haltestellen dieses Netzwerk benutzen. Welche Datenmengen das sind, selbst wenn nur im Sekundentakt Einzelbilder übertragen werden, macht die Zahl von geplanten 70 Kameras an nur einem großen Bahnhof deutlich.

Die Umsetzung

Die Umsetzung des Projektes RailNet.TK begann mit dem Aufstellen der Projektstruktur durch schoeller. Das war zwar sehr aufwändig, aber für die erfolgreiche Projektabwicklung äußerst wichtig. Die Realisierung wurde in Teams vorgenommen. Die Arbeitsgruppen wurden gemischt nach fachlichen Kriterien besetzt: ÖBB, Schoeller, die beiden weiteren Partner und Cisco. Um die Teams unter einander ausreichend zu koordinieren, wurde eine eigene IT-gestützte Organisation für die Projektabwicklung geschaffen. Im zentralen Informationstool "RailNet.TK-Corner" wurden alle Dokumente, Berichte und Management-Summaries online zur Verfügung gestellt. Folgende Arbeitsgruppen wurden eingesetzt: die AG Management und die AG Netzwerk war für die technische Umsetzung verantwortlich. Die AG Dienste definierte mögliche Dienste und Angebote, die AG Servicemanagement war für den Workflow und die Kundendatenbank verantwortlich. Die AG Organisation und die AG Schulung achteten auf die Koordinierung und die Ausbildung. Ein zentraler Jour Fixe mit Ergebnisdiskussion wurde alle drei Wochen abgehalten.

Weiterer Ausbau

Die Abnahme ist abgeschlossen. Die Betriebsführung wurde mit dem Projektabschluss von schoeller an die ÖBB übergeben. Der weitere Netzausbau wird von den ÖBB Netzwerkbearbeitern nach dem von schoeller erarbeiteten Regelwerk, dem RailNet.TK Handbuch, durchgeführt.

Von Anfang an war bei RailNet.TK ein Ausbau auf STM-4 (Bandbreitenerhöhung auf 622 Mbit) vorgesehen. Ing. Vogl erwartet, dass der Bedarf in den nächsten Jahren gegeben sein wird. Auf jeden Fall aber müssen bis zum Jahr 2004 ausschließlich Cisco-Komponenten - auch im Feld - im Einsatz sein, denn dann fällt der 3Com-Herstellersupport weg. In der Zwischenzeit aber bestimmen die Kundenanforderungen die Reihenfolge des Austausches der Router.

http://www.schoeller.at

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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