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Wovon reden Sie? - Jetzt muß Microsoft gehört werden

Evan Mahaney Monopol? Benachteiligung? Marktherrschaft? Wovon reden Sie? So oder ähnlich könnten sich die Microsoftschen Anwälte jetzt dumm stellen - sie sind am Wort und können im Prozeß Microsofts Seite der Geschichte darstellen. Bin ich wirklich der einzige, dem es so vorkommt, als schleppe sich der Prozeß schon seit vierzig Jahren dahin? Welches Monopol? Starke Lebenszeichen von Apples Marketing-Superhirnen suggerieren einen Nettoverlust für Bill Gates & Co bei Betriebssystemen. Apple erklärt, daß im November 7,1 Prozent aller Computerverkäufe und 8,2 Prozent der Umsätze in den USA auf das Konto des iMac gingen. Zahlen vom Dezember gibt es noch nicht, aber kluge Investoren verwetten gutes Geld auf noch bessere Ergebnisse. Apples CEO Steve Jobs, wahrscheinlich der dienstälteste provisorische Geschäftsführer in der Geschichte, war in Bestlaune, als er den Reportern einige Ziffern verlautbarte. Er sagt, Apple habe seit August über 800.000 iMacs verkauft und könne, dank schneller Amortisation des Einführungsaufwandes, den Preis von 1249 auf 1049 Dollar senken. Als Draufgabe haben die Kunden die Auswahl zwischen vier Farben: dunkelviolett, eisgrün, mint und limonengrün. Ich habe schon angedroht, mir einen Limonen-iMac mit einer mintfarbenen Maus zu kaufen. Für Microsofts Verteidigung ist aber die Frage: von welchem Monopol reden Sie? Apple erklärt, für 32 Prozent der Käufer war der iMac ihr erster Computer. Weitere 13 Prozent waren Wintel-Abtrünnige. Neben dem iMac gehen auch die anderen Computer der Apple-Produktlinie gut. Die Frage ist also berechtigt: Sieht so ein Monopol aus? Dann gibt es da noch die Kleinigkeit, daß Netscape von America Online übernommen wurde. "Übernommen wurde" ist ein Euphemismus für "wurde geschluckt" und klingt nach einem guten Handel. Tatsächlich war es weder ein "hostile takeover" noch eine Businessvergewaltigung, sondern eine einvernehmliche Abmachung zwischen zwei starken Firmen, ganz wie es die Schule verlangt. Wo ist also die "Benachteiligung" durch Microsoft? Wo sind die Mitbewerber, die von Microsoft in unfairer Weise ausgebremst wurden? Sun Microsystems scheint es auch sehr gut zu gehen. Oracle geht es gut. Tatsächlich haben Sun und Oracle einen Pakt geschlossen, um ihre jeweiligen Technologien für die Entwicklung von besucherintensiven Internet-Business-Anwendungen zu kombinieren. Wo ist die Marktherrschaft? Unter den bei Internetbenutzern wohlbekannten Firmen sind RealNetworks (mit RealAudio) und Intuit (mit Quicken) - beide schnappen nach Microsofts Fersen wie ein Chihuahua nach denen von Passanten. Aber weder RealNetworks noch Intuit können überzeugend, klar, nachvollziehbar oder sonstwie vor Gericht akzeptabel belegen, daß Microsofts Größe an irgendwelchen Verlusten schuld ist. Viel Posieren und viel Zähneknirschen, aber keine Fakten. Ich gefalle mir als Verteidiger von Microsoft nicht besonders. Ich mag die Art, wie Microsoft neue Produkte mit den alten im Rucksack einführt gar nicht. Die Methode zum Verkauf dieser Produkte - nichts als Geklapper und vorgebliche Neuartigkeit von bloßen Reparaturen der vorhergehenden Produkte - löst auch nicht gerade Begeisterung aus. Besonders irritiert mich die Marketing- und PR-Abteilung, die absichtlich lügen und irreführen. Und Bill Gates selbst ist immer noch der Rattenfänger von Computerland. Das Justice Department aber, so meine Meinung, ist mit ihrer Anklage der Marktherrschaft jenseits jeder Stichhaltigkeit. Es geschehen überhaupt viele Dinge, die mir unverständlich sind. In den USA, beispielsweise, versucht eine Minderheit von Clinton-Hassern, einen populären Präsidenten zu stürzen, der in der Öffentlichkeit sehr angesehen ist. Eine gleichermaßen giftige Gruppe von Geschäftsleuten husst das Justice Department auf, einen aggressiven und im Grunde genommen guten Softwareentwickler - Microsoft - zu entthronen. In beiden Fällen sind die Kosten für die Allgemeinheit sehr hoch. In den USA kann noch niemand wagen, auch nur zu versuchen, die Kosten für den Impeachment Process gegen Clinton abzuschätzen, der vor fünf Jahren begann. Im Falle Microsofts will die Regierung nicht zugeben, daß, wenn sie es schafft, Microsoft Handschellen anzulegen, die Kosten für Software steigen werden - und zwar dramatisch. Willkommen in der vertrottelten Welt der Gegenwart. Vielleicht brauchen wir eine größere weltweite Milleniumskatastrophe, damit wenigstens wieder ein bißchen Macht "vom Volke" ausgeht.o Aus dem Amerikanischen von Reinhard Gantar

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MONITOR-Autoren
Alexander Hackl

Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. ..mehr..

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