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Hard & Software

Linux Distributionen

Redhat, SuSE, Debian & Co.

Wer heute "Linux" kauft, erwirbt eine Distribution. Doch was ist das eigentlich, wie unterscheidet es sich von "Linux", welche Vor- und Nachteile haben die einzelnen Anbieter, und warum sind sie preislich so unterschiedlich positioniert?

Peter-Paul Witta

Linux als Betriebssystem ist im Unterschied zu Windows oder MacOS nur als Systemkern zu sehen. Das heißt, "Linux" ist nur der sogenannte Kernel. Mit dem man "pur" relativ wenig anfängt, er besteht "nur" aus Treibern und Infrastruktur für Anwendungsprogramme.

Bereits beim Booten benötigt ein Linux System neben dem Kernel auch das Init-System sowie die Binutils und eine Shell, alles mehr oder weniger den Anwendungsprogrammen zuzurechnende Softwarekomponenten, um in einen nutzbaren Zustand zu kommen.

Ein "übliches Linux", also eine installierte Linux Distribution, beinhaltet ca. eintausend einzelne Anwendungsprogramme, um dem Benutzer ein Werkzeug sein zu können. Diese Anwendungsprogramme sind nicht Teil des Linux Betriebssystems, aber Teil einer sogenannten GNU/Linux Systemumgebung.

GNU Software

Linus Torvalds und die Hacker der Linux-Kernel-Mailingliste schufen und schaffen heute noch den Kernel samt Treibern. Die restliche Umgebung basiert stark auf Richard Stallmans GNU Projekt (daher GNU/Linux). Zu den GNU Komponenten gehören neben dem C Compiler und der LibC (die jede unter Linux laufende Anwendung benötigt) auch der Editor Emacs zur Textbearbeitung und die Shell bash, die die Befehle der User entgegennimmt. Die Befehle selbst, die der Nutzer auf der Kommandozeile absetzt, sei es rm, mkdir, cp, und wie die Unix-Commands alle heißen, sind ebenfalls Teil der GNU Systemumgebung. Kurz gesagt, der Kernel selbst kann nicht mal eine Datei kopieren, dazu benötigt er die GNU Tools.

Kollektion und Distribution

Nun haben einige Anbieter bereits seit Jahren "fertige" Betriebssysteme im Angebot. Man erhält, wahlweise gegen Entgelt (manche sind kostenlos) fertig installierbare CDs oder Netzwerkinstalltionskits, die eine nutzbare GNU/Linux Systemumgebung auf einen Rechner "zaubern".

Diese enthält neben den "Standard"-Programmen eine Softwareausstattung. Der individuelle Softwarebestand, das "Software-Angebot" der Distribution, gehört zu den strategischen Eigenheiten der Distribution, ebenso wie die Konfigurationswerkzeuge und grundlegenden Ablaufmechanismen.

Die Distributionen am Markt werden alle unterschiedlich konfiguriert; möchte man beispielsweise eine Firewall oder einen Mailserver einrichten, wird ein und dieselbe Firewall bzw. Mailserversoftware je nach Distribution unterschiedlich konfiguriert.

Standard

Diese Unterschiede sind aber nicht nur negativ. Distributionen richten dem Benutzer für die Fülle unterschiedlicher Softwarepakete (über eine Distribution hinweg) einheitliche Konfigurationsmechanismen ein. So kann ein Nutzer unter SuSE Linux seine Firewall mit dem YaST2 Werkzeug einrichten, ebenso wie seine ISDN- und Modemhardware.

Der große Softwarebestand der einzelnen GNU/Linux Systeme wird ebenfalls einheitlich verwaltet. Standardtools wie rpm oder dpkg erlauben es, mit einem Befehl Software zu Installieren, zu Inventarisieren, Upzudaten oder zu Entfernen.

Distributionen

Am österreichischen Markt tummeln sich derzeit neben etlichen "kleineren" Distributionen vor allem Redhat, SuSE, Mandrake und Debian. Im Pazifischen Raum (Asien und Hawaii) ist noch TurboLinux wichtig, hierzulande aber kaum vertreten.

Redhat, Mandrake und SuSE basieren ihre Softwarepakete auf dem rpm (Redhat Packet Manager) während Debian das überlegene Debian Format für Softwarepakete implementiert.

Mandrake (aus Frankreich) und SuSE (aus Nürnberg) sind beide vor allem in den Heimatmärkten stark. Mandrake gilt als besonders einsteigerfreundlich, ebenso wie SuSE, die aber auch (vor allem mit IBM) den Enterprise Markt anpeilen. Redhat ist der Marktführer aus den USA, der vor allem für kommerzielle Software (wie Oracle, IBM und Compaq/HP Produkte) oftmals als einzige unterstützte Distribution angeführt wird.

Debian nimmt eine Sonderstellung ein. Technisch überlegen wird Debian (wie der Kernel und GNU Software) frei, also unentgeltlich entwickelt. Debian ist auch die einzige komplett von kommerzieller Software frei und kostenlos erhältliche Distribution - und damit für den Einsatz von OpenSource Anwendungen meist am Besten geeignet.

Redhat, Mandrake und SuSE liefern sich Duelle um aktuellste Softwarebestände, die man auf den jeweiligen Websites mitverfolgen kann. Redhat 7.3 "Valhalla" liegt gleichauf mit SuSE 8.0 und Mandrake 8.2. Debian hingegen hat keine kommerziell getriebene Ambition den Versionswettkampf mitzumachen. Auch Erscheinungstermine werden von Debian gutmütig verschoben bis die Software fertig ist. Im Gegenzug gilt Debian in Expertenkreisen als stabilste und zuverlässigste, wenngleich nicht immer aktuellste Linuxdistribution. Aktuell ist Debian 3.0 Woody, die Anfang Mai hätte erscheinen sollen, aber verschoben wurde. Sie ist - trotz der marketingtechnisch ungünstig niedrigen Versionsnummer mit den 7.x und 8.x Versionen der kommerziellen Distributoren gleichzusetzen.

Die integrierten Linux-Versionen, also Versionsnummern der jeweils integrierten Systemkerne, liegen bei allen Distributionen unabhängig von der Distributionsversion bei 2.4.18 (bis auf Debian "Woody"; hier steht noch nichts fest).

Peter-Paul Witta ist technischer Leiter der Cubit Gmbh; einem der größten österreichischen Open Source-Dienstleistungsunternehmen.( http://www.cubit.at)

Links:

http://www.debian.org - Debian GNU/Linux
http://www.linux-mandrake.com/en - Mandrakesoft
http://www.suse.de - Software- und System Entwicklung Nürnberg
http://www.redhat.com - Redhat
http://www.gnu.org - GNU Projekt

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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