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Wirtschaft

Gartner-Studie:

In Zukunft nichts Neues

"Keine bedeutenden IT-Innovationen bis 2005" urteilt die Gartner Group über den Zustand der Branche. Immerhin: Die Talsohle ist erreicht.

Andreas Roesler-Schmidt

Glaubt man einer im April von Gartner auf der hauseigenen Symposium/ITxpo in Florenz veröffentlichten Studie, so werden die nächsten fünf Jahre - zumindest was IT-Innovationen angeht - sehr langweilig. Keine aufregende neue Technologie wird die europäische IT-Industrie vor 2005 zum Abheben bringen, prophezeien die Analysten. Auch wenn die IT-Budgets der Unternehmen langsam wieder steigen, werden kaum neue Investitionen erwartet, sondern vielmehr die Integration und Konsolidierung von IT-Projekten.

Die derzeitige Phase ist in Gartners zyklischem Modell des "Hype Cycle" die "Talsohle der Enttäuschung" nach der Phase der überhöhten Erwartungen bei den Dot.coms. Aus der Talsohle werde die Branche frühestens 2005 wieder in eine Phase der Produktivität aufbrechen können.

Zwar sollen die europäischen IT-Budgets - mit der Ausnahme von Großbritannien, wo sie weiterhin gekürzt werden - bis 2003 wieder steigen. Doch erwartet Gartner, dass bis 2003 keine neuen IT-Initiativen gestartet werden, sondern die Firmen sich darauf konzentrieren, ihr Business in IT-Prozesse zu integrieren. Auch eine Warnung haben die Analysten für die Unternehmen: "Sie müssen bei neuen Projekten sehr aufpassen", meint Steve Prentice, VP and Director of Research bei Gartner. "70 Prozent aller IT-Projekte werden im ersten Jahr kein Return On Investment liefern, selbst wenn sie in technologischer Hinsicht erfolgreich sind." Als häufigstes Beispiel für solcherart gescheiterte Projekte führt Gartner Customer Relationship Management-Projekte an und relativiert damit das derzeit von Softwareherstellern und Consultern allerorts gepredigte Thema CRM ein wenig. "Wir haben falsch begonnen, nämlich mit der Software", blickt Gartner-Chefanalyst Peter Sondergaard zurück. "Doch bei Customer Relationship Management geht es nicht um die Software, sondern um Prozesse." Erst wenn sich Unternehmen über die Prozesse im Klaren sind, kann mit der technologischen Umsetzung begonnen werden.

Die Unternehmen müssen mehr denn je Evaluierungsprozesse einsetzen und sich in der Hype-Phase davor in Acht nehmen, zu schnell in neue Technologien einzusteigen. "Unternehmen riskieren, Visionen zu kaufen, die in den nächsten zwei bis drei Jahren keinen klar ersichtlichen Nutzen haben", warnt Prentice in diesem Zusammenhang besonders vor Web Services. Dennoch gibt es auch für Gartner Technologien, die - zumindest in fünf Jahren - eine Rolle spielen werden, allerdings werde es keinen einzelnen Megatrend geben. Zu den aussichtsreichen Technologien, in denen Gartner einige Bewegung erwartet, zählen Mobile & Wireless, die Biotechnologie und auch die bis dahin gereiften Web Services. Auf die Verfechter der Web Services kommen aber zunächst noch große Herausforderungen zu. Sie müssen den unmittelbaren Wert der Dienste erst beweisen. "Der wahre Wert von Web Services kann erst generiert werden, wenn die Technologien problemlos laufen, die Businessmodelle robust genug sind und die Endkunden ein klares Verständnis über Anwendungsmöglichkeiten und den Nutzen der Services haben." Doch davon ist die Branche noch weit entfernt. "Derzeit sind Web Services eine Lösung, die nach einem Problem sucht", bringt Prentice es auf den Punkt.

Ganz der Dot.com-Ära folgend, befindet sich auch die Wireless Industrie derzeit in einem Tief der Desillusionierung. Gartner erwartet, dass sich die Branche aber in den nächsten zwei Jahren erholt. "Nach den massiven Investitionen in die Entwicklung mobiler Technologien wäre die Telecom-Branche besonders hart getroffen, wenn sie es nicht richtig hinbekommen", meint Steve Prentice. "Dieser Erfolgsdruck ist für die Branche alleine schon Antrieb. Außerdem ist ein mobiles Gerät, das immer eingeschaltet ist, der absolut erfolgversprechendste Channel überhaupt. Unternehmen können sich nicht leisten, das zu ignorieren."

http:// www.gartnergroup.com

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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