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Wirtschaft

vizrt.com

Virtuelle Studiowelten aus Tirol

Als 1996 die kanadische Firma Discreet Logic als Anbieter von 3D-Software ihre Niederlassung in Österreich schloss, wollten sich einige der dort Beschäftigten nicht einfach damit abfinden.

"Wir glaubten, es besser machen zu können", erzählt DI Christian Huber, "und beschlossen, ein eigenes Unternehmen zu gründen". Zusammen mit Karl-Heinz Klotz und Hubert Oehm zog Huber sich ein Jahr in die Altbauwohnung seiner Tante zurück und programmierte eine komplett neue Software, denn den Quellcode durften sie natürlich nicht verwenden. Heute ist Huber Geschäftsführer von vizrt Austria mit Sitz in Schwaz und damit Teil eines Unternehmens, das seine Wurzeln in Israel hat und als einer der weltweit führenden Anbieter von vollintegrierten Broadcast- und Webcast-Grafiklösungen gilt.

"Mit der Hilfe unserer Software lassen sich Sportergebnisse, Wahlresultate, aber auch die neuesten Aktienkurse für den Fernsehzuschauer grafisch aufbereiten, und das in Echtzeit", verweist Huber auf die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten. Zum Einsatz kommt sie nicht nur beim ORF, sondern auch bei den großen amerikanischen Fernsehanstalten wie CBS und CNN.

Neben den grafischen Systemen bietet das Unternehmen, das am Neuen Markt in Frankfurt notiert ist, aber auch virtuelle Studiotechnik an. Dabei steht der Moderator in einer Blue Box, während die Studiokulisse als künstliches Objekt in einem leistungsfähigen Grafikrechner in 3D generiert wird. Auf diese Weise sparen sich die TV-Produzenten teure und zeitraubende Umbauarbeiten, lassen sich doch die Studiokulissen quasi per Mausklick austauschen. Da es sich um eine Standardsoftware handelt, genügt eine Einschulung für die Mitarbeiter, um die gewünschten Designs selbst zu entwickeln und mit den Tools zu arbeiten. Ein bekanntes Beispiel für die Verwendung eines virtuellen Studios ist die Sendung "Modern Times" des ORF. Aber auch die deutschen Fernsehanstalten ARD und ZDF griffen für die Olympiaberichterstattung auf die vizrt-Software zurück.

Wie gelang dem Tiroler Unternehmen der Sprung auf die Weltbühne? Für Huber ist das leicht erklärbar, existiert doch in Österreich kein Broadcast-Markt. Aber auch global gesehen ist dieser Markt ein sehr begrenzter, in dem jeder jeden kenne, wie Huber es formuliert. Unter diesen Rahmenbedingungen bedarf es nicht nur Können, um nach oben zu kommen, sondern natürlich auch etwas Glück. Das hatten die drei Unternehmensgründer, als sie 1997 mit dem ersten on-air-Einsatz ihrer Software gleich einen Investor gewinnen konnten. Mit norwegischem Risikokapital ausgestattet wurde die Peak Software Technologies GesmbH gegründet. "Aber da wir alle Entwickler waren, merkten wir recht schnell, dass wir Probleme beim Vertrieb hatten", schildert Huber die damalige Situation. Als Lösung wurde ein Merger mit RT-Set, dem 1994 in Israel gegründeten Konkurrenten im Studiobereich, anvisiert. "RT-Set war schon börsennotiert und verfügte über ein weltweites Vertriebsnetz", nennt Huber die beiden größten Vorteile, die dann Mitte 2000 den Ausschlag für den Zusammenschluss gaben.

Aber der neue Name vizrt brachte kein Glück. Ein verfehltes Finanzmanagement war mit Schuld an der Talfahrt der Aktie. Der Kurs sank am Neuen Markt unter den Wert von 1 €, der Ausschluss drohte. Restrukturierungsmaßnahmen wurden beschlossen und nachdem im letzten Jahr durch Personaleinsparungen die Kosten um fast die Hälfte gesenkt werden konnten, dürften wohl die größten Schwierigkeiten überwunden sein, hofft Christian Huber. Um näher am Kunden zu sein, haben die einzelnen Niederlassungen, als viz-Center bezeichnet, nun auch wieder den Vertrieb übernommen und sind Ansprechpartner von der Akquisition bis hin zur Rechnungslegung. Angestrebt wird dieses Jahr nicht nur der Break Even, sondern auch ein besserer Aktienkurs.

So handelt es sich bei vizrt um ein weltweit agierendes Unternehmen, das wieder auf die Erfolgsspur zurückgefunden zu haben scheint. Es ist außerdem eines der seltenen Beispiele für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Österreich und Israel. Für Christian Huber ist das nicht außergewöhnlich, nur eines scheint ihm dabei erwähnenswert: "Wir sind immer noch unter unserem alten Namen im Firmenbuch eingetragen, weil man mit einem israelischen Firmennamen vor allem in den arabischen Ländern keine Geschäfte machen kann", so Huber. Aber vielleicht ändert sich auch das irgendwann.

http://www.vizrt.com

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