Christian Henner-Fehr
Vor dem Hintergrund internationaler Finanzkrisen geht es um die Ausarbeitung eines Regelwerkes, das die Banken dazu verpflichtet, ihre Kredite risikogerechter mit Eigenkapital zu unterlegen. Um dieses Risiko bewerten zu können, werden die Banken die Bonität der potentiellen Kreditnehmer sehr viel genauer unter die Lupe nehmen als bisher. Je weniger Sicherheiten ein Unternehmen zu bieten hat, desto höher werden die Kreditzinsen, über die sich die Banken abzusichern versuchen. Die Eigenkapitalschwäche vieler österreichischer KMUs wirkt sich hier negativ aus.
Fast die Hälfte (44,7%) von ihnen verfügt über kein buchmäßiges Eigenkapital. Dies ist besonders schmerzhaft, wenn man berücksichtigt, dass 65% der Betriebe den Bankkredit zur Finanzierung nutzen. Europaweit sind es nur 46% der KMUs, lediglich Deutschland und Griechenland liegen noch vor Österreich. Ganz anders schaut es bei der Finanzierung durch Eigenkapital aus. Hier liegt Österreich mit 1% als Schlusslicht weit unter dem EU-Durchschnitt von 9%, wie eine Umfrage von Exco Grant Thornton zeigt.
Oliver Grabherr, Geschäftsführer der Invest Mezzanine Capital Management GmbH (http://www.investmezzanin.at) erwartet sich von Basel II ähnlich dem EU-Beitritt vor allem einen heilenden Effekt. "Das Abkommen wird die Finanzierungsstruktur vieler Unternehmen verändern", ist er sich sicher. Die Dominanz der Banken, die sich aus der Rolle begründet, die sie im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Krieg zugesprochen bekommen hatten, wird zurückgehen. Es gilt für die Unternehmen alternative Finanzierungsinstrumente zu entdecken. Eine wichtige Rolle könnte dabei Beteiligungskapital (Private Equity) spielen. Eine Form von Private Equity ist das sogenannte Mezzanin-Kapital. Darunter versteht man eine Finanzierungsform, die zwischen Fremd- und Eigenkapital angesiedelt ist. Mezzaninkapital trägt ein höheres Risiko als Kredite, wird aber noch vor dem Eigenkapital bedient. Für Grabherr, dessen Unternehmen Österreichs ersten Mezzaninkapitalfonds aufgelegt hat, ist Mezzaninkapital die österreichische Art des Risikokapitals. "Etwas Risiko, aber nicht zu viel, wie es unserer Kultur entspricht", lokalisiert er das Problem in der österreichischen Mentalität, die das Risiko eher scheut.
Wie aber lassen sich österreichische Unternehmen für das Thema Risikokapital interessieren? Ohne Success-Stories werde es wohl keinen Erfolg für Risikokapital geben, ist sich Grabherr sicher. Darüber hinaus sei die schon angesprochene Kulturveränderung notwendig. "Das bedeutet, dass wir das Thema Unternehmensgründung auch in die Ausbildung bringen müssen", betont Grabherr, der selbst als Lektor an der Universität Wien tätig ist, "um so das Interesse für Risikokapital zu wecken". Noch wichtiger aber sei es, so Grabherr, die entsprechenden Rahmenbedingungen für Risikokapital in Österreich zu schaffen.
Die dazu notwendige Diskussion hat die vor einem Jahr gegründete Dachorganisation für Private Equity und Venture Capital AVCO (http://www.avco.at) mit einem White Paper eröffnet. In ihm geht es vor allem um ein geeignetes rechtliches, steuerliches und förderpolitisches Umfeld, damit die österreichische Beteiligungsindustrie sich weiter entwickeln kann. Für diese ist es vor allem wichtig, auf geeignete Kapitalquellen zugreifen zu können. Während die Pensionsfonds international die wichtigste Investorengruppe bilden, kommt in Österreich das Geld hauptsächlich von den Banken. Dass hierzulande die Pensionsfonds noch keine Rolle spielen, liegt an den gesetzlichen Beschränkungen, denen die Pensionsfonds bei der Veranlagung unterliegen. Da das österreichische Pensionssystem auf dem Umlageverfahren basiert, stehen hier nur eingeschränkt Geldmittel zur Verfügung.
Die Schaffung geeigneter Fondsstrukturen für Beteiligungsinvestitionen ist nach Ansicht der AVCO unerlässlich für einen funktionierenden Beteiligungsmarkt. Gefordert werden in diesem Zusammenhang vor allem flexiblere Regelungen für die Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft (MFG). Nicht nur in diesem Fall ist die Politik angesprochen. Durch zusätzliche Maßnahmen ließen sich unternehmerische Aktivitäten noch besser unterstützen, ist man auf Seiten der AVCO überzeugt. Für Oliver Grabherr, selbst Mitglied der AVCO, ist aber klar, dass auch die österreichischen Risikokapitalgeber selbst gefordert sind. "Die Politik muss die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Der Rest ist unsere Aufgabe."




7/2011
6/2011
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Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 