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Thema: Internet-Services

Kommentar

ISP-Business - Weich oder hart

Die Internet-Service-Provider gehen in die dritte Phase. Nach zaghaften Business-Versuchen Mitte der 90er und dem I-Hype 1999/2000, beginnt das ISP-Geschäft erwachsen zu werden.

Doch worin besteht das Geschäft? Wer sind die Player? Wie wird sich diese Phase entwickeln?

Bleiben wir beim B2B-Geschäft. Im Grunde ist der Markt vollständig entwickelt. Mit rund 250.000 vernetzten Organisationen (Unternehmen, Behörden, Vereine, ...) sind rund 80% des erreichbaren Marktes erschlossen. Wachstum findet als Verdrängungswettbewerb und in der Entwicklung von neuen Produkten statt.

Soviel vorneweg: Exakte Zahlen in dieser Branche zu bekommen, gleicht dem Versuch mit rouge et noir gleichzeitig im Roulette zu gewinnen. Grund genug eigene Recherchen anzustellen. Rund 600 (!) Provider tummeln sich am schmalen Österreich-Markt. Tendenz ... steigend. Rund ein Drittel sind in der ISPA, dem ISP-Verband organisiert, etliche findet man auf der Web-Seite der Telekomregulierungsbehörde aufgelistet. Der Rest ist verdammt schwer zu finden.

Der Begriff "ISP" ist rechtlich nicht geschützt oder definiert, dadurch nennen sich Hinterhofanbieter mit einem XP-Webserver genauso ISP, wie Firmen mit milliardenschwerer weltweiter Infrastruktur. Der Autor spricht von einem ISP dann, wenn er für mehr als 10 fremde Unternehmen Internetlösungen anbietet (mit oder ohne eigene Infrastruktur). Die Wertschöpfung erfolgt fast durchwegs im Detailverkauf von Backbone-Kapazität oder Wiederverkauf von Accessminuten, Webspace oder Domainverwaltungen.

Die heimischen fünf Top-Provider (jet2web/telekom, KPNQWest, UTA/Netway, I-Node und Nextra) betreuen zusammen rund 40% der Organisationen (Tendenz leicht fallend), alle TOP-50 zusammen 73% (Tendenz leicht steigend). Und die restlichen 550 Provider freuen sich über "Marktanteile" zwischen 0,2 und 0,02%. Alle kennen die TOP-Anbieter, daher möchte der Autor einmal die ganz Kleinen am unteren Ende der TOP-600 erwähnen. Mit "ARTWARE Multimedia GmbH", "GSL Gesamte System Lösungen" oder "ITW Informationstechnik Gmbh" findet sich die gesamte Bandbreite des ISP-Business wieder, wobei die enorme Dichte von rund 180 etwa gleich kleiner Anbieter nur eine zufällige Auswahl gestattet.

Technisch geht der Trend zur Spezialisierung, ökonomisch zum "Durchhalten".

Neben den Web- und Domainprovidern, die zu günstigsten Konditionen "Webspace" vermieten oder Domainregistrierungen durchführen, beides Produkte, die vollständig automatisierbar sind und daher am untersten Ende der Wertschöpfung stehen, finden sind mit eWave, metronet oder funknetz.at alternative Infrastrukturanbieter im freien Funkfrequenzbereich. Aber auch lokale Elektrohändler mit einem kleinen Kabel-TV-Netz verbuchen manchmal überraschende Erfolge. So konnte ein steirischer Kabel-TV-Betreiber für sein TV-Netz innerhalb weniger Wochen gut 100 Firmenkunden zu sich holen. Ein schöner Marktanteil in seiner Gemeinde, aber leider nicht ausbaufähig.

Auch die ökonomischen Perspektiven müssen differenziert betrachtet werden. Aufgrund der geringen Wertschöpfung, dem hohen Wettbewerbsdruck und der hohen Automatisierbarkeit kommen die Großen wegen des hohen Mitarbeiterstandes unter Druck. Netway hat 2/3 der Mitarbeiter abgebaut, KPNQWest 50%, die Telekom ??.

Ohne Hellseher sein zu müssen, werden die personellen Überkapazitäten der TOP-50 noch immer mit mehr als 50% zu bewerten sein. Die Mittleren, die nicht bis 2000 ihren Investor gefunden hatten, werden kaum mehr Übernahmeangebote erhalten und arbeiten, mangels eigener Infrastruktur, praktisch nur mehr für die Telekomfirmen. Die ganz Kleinen werden - mangels Mitarbeiter - solange "providen", als der "Chef" noch kreucht und fleucht. Wie bei den Greislern eben.

Wie findet ein Unternehmen einen guten Provider?

Zuerst einmal, 95% der Firmen haben ihn schon. Nach der Marktbereinigung der inferioren Anbieter und Produkte, wie YLine, lion.cc, freeway oder A-ON-complete, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, haben die verbliebenen Provider ein einheitliches Qualitätsniveau erreicht. Statt zu wechseln empfiehlt es sich, mit seinem Provider über die Konditionen zu verhandeln. Bieten Sie die Hälfte vom bisherigen Preis, Sie werden zu einer Einigung kommen!

Wer trotzdem wechseln will, sollte nachprüfen, ob der Provider am VIX, dem österreichischen Internet-Exchange-Knoten vertreten ist, ob die Supportmannschaft "um's Eck" verfügbar ist, und ob er für Sie eine maßgeschneiderte Lösung hat. Und auf Mundpropaganda bauen. Bekannte Marken, wie "T-Online", "EuropeanTelecom" oder die Mobilkom-Anbieter sind im ISP-Bereich nur marginal präsent, die schier unüberschaubere Zahl der Internet-"Greisler" erlaubt das Aushandeln von Super-Konditionen.

Wo bleibt der B2C-Markt?

Auch wenn die Medien mit Millionen-Nutzerzahlen jonglieren, die Massenprovider müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass der Markt noch viel zu klein, zu wenig entwickelt und praktisch ohne Wertschöpfung ist. Hand aufs Herz, haben Sie sich schon der Mühe einer Privatinstallation unterzogen, oder lesen Sie nicht auch Ihre Mails lieber im Büro?

Aber auch der B2C-Markt wird sich entwickeln, jedoch mit Lösungen, die tatsächlich Plug'n Play sind. Genauer, die gar nicht mehr als Computernetze erkennbar sind. Oder denken Sie bei der Bedienung ihres Geschirrspülers an den eingebauten Computer?

Aussicht

Ob das ISP-Business hart oder weich landen wird, werden wir Mitte 2003 sehen. Bis dahin wird ein mörderischer Preiskampf alle in Bewegung halten. Sicher ist, dass nur Spezialisten mit hoher Wertschöpfung, Großunternehmen mit komplett eigener Infrastruktur und ganzganz Kleine mit 24-Stunden-Tag überleben werden.

(Basis der Zahlenangaben ist eine Vorstudie des Autors über rund 60.000 Organisationen für ein umfassendes e-commerce-Projekt.)

Der Autor ist Obmann des Vereins "ARGE DATEN - Österreichische Gesellschaft für Datenschutz" und 1994 Gründer und mehrjähriger Geschäftsführer des Internet-Sevice-Providers "arges.tempo".

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Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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