Christofer Radic
"Zu Beginn des 21. Jahrhunderts fühlen sich die meisten Menschen noch eher in der wissenschaftlichen Welt des 19. Jahrhunderts zu Hause und gestalten auch ihr Leben entsprechend", sagt Bestsellerautor Richard Koch. "Veraltete Denkweisen ablegen!", empfiehlt er denn auch den Lesern seines neuen Buches. Darin geht es um die neue Sicht der Welt und die Konsequenzen für die Praxis.
Denn die wissenschaftlichen Revolutionen des 20. Jahrhunderts haben das Bild der Welt entscheidend verändert. Relativitätstheorie, Quantenmechanik, Chaos- und Komplexitätstheorie zwingen dazu, die Vorstellung eines rationalen, eindeutigen, kontrollier- und berechenbaren Universums zu revidieren. Und das hat Konsequenzen auch für das Wirtschaftsleben, so die These. Koch hat sich in der Geschichte der Naturwissenschaften umgesehen und 93 "Powergesetze" gefunden, aus denen sich für das Geschäftsleben lernen lässt.
Sowohl als auch
Anschaulich präsentiert der Autor die revolutionären Erkenntnisse der Naturwissenschaften des 20. Jahrhunderts und räumt dabei gründlich mit dem alten, Newton'schen Weltbild eines "Uhrwerkuniversums" auf. Doch lässt sich Koch nicht dazu hinreißen, mit dem mechanistischen Weltbild sogleich alles Bewährte über den Haufen zu werfen, und sucht die Auseinandersetzung mit anderen Managementautoren, die ein neues Zeitalter des Wirtschaftslebens proklamieren.
Zum Beispiel Danah Zohar, die das alte Newton'sche Management durch ein neues "Quantenmanagement" ersetzen will. Dieses betont Unsicherheit, schnellen Wandel, hierarchiefreie Netzwerke, multifunktionelles und experimentelles Handeln und Kooperation. "New Age!", warnt Koch. Er plädiert für einen "Sowohl-als-auch-Ansatz": So wie die Quantenphysik Newtons Mechanik nicht ersetzt, sondern ergänzt hat, könnten auch die alten Managementkonzepte neben dem neuen Quantendenken weiter bestehen. Business as usual also? In der Frage der Konsequenzen bleibt der Autor unbestimmt. Und so wirken seine praktischen Folgerungen ein wenig wie ein Selbstbedienungsladen, in dem jeder das in seinen Korb packt, was ihm gefällt. In Sicherheit sollte sich allerdings niemand wiegen. Denn neues Denken wird in einer wissensbasierten Ökonomie schnell zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Das 80/20-Prinzip
Dass man bei 93 Dreisprüngen am Stück das eine oder andere Mal zu kurz springt, liegt auf der Hand. So bleibt der wirtschaftliche Nutzwert der Urknalltheorie oder jener der Schwarzen Löcher trotz redlicher Bemühungen des Autors weitgehend im Dunkeln. Ähnliches gilt für die Relativitätstheorie, von der letztlich die bekannte Erkenntnis bleibt, dass eben alles relativ sei. Der Spagat zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gelingt somit nicht immer.
Koch hätte gut daran getan, sich eines seiner "Powergesetze" selbst zu Herzen zu nehmen: "Weniger ist mehr", zitiert er den deutschen Architekten Mies von der Rohe - und weniger hätte auch dem Buch gut getan. Nicht zuletzt hätte dies auch vermieden, Theorien höchst unterschiedlicher Reichweite und Bedeutung scheinbar gleich wichtig nebeneinander zu stellen.
Gewarnt hätte Koch allerdings sein müssen. Schließlich räumt er dem 80/20-Prinzip auch in seinem neuen Buch breiten Raum ein. Dieses besagt, dass 20 Prozent einer beliebigen statistischen Menge meist 80 Prozent ihrer Wirkung in sich vereinen. Nicht auf das exakte Zahlenverhältnis komme es an, sondern auf die berechenbare Unausgewogenheit, die sich bei nahezu allen Vergleichen aufeinander bezogener Datensätze wiederhole: 20 Prozent der Erwerbstätigen erzielen 80 Prozent der Einkommen, 20 Prozent der Kunden erbringen 80 Prozent des Umsatzes und 20 Prozent der Tätigkeiten 80 Prozent des Nutzens. Sich auf diese 20 Prozent zu konzentrieren, ist ein sinnvoller Ratschlag.
Richard Koch: Die Powergesetze des Erfolgs. Was die Wirtschaft von der Naturwissenschaft lernen kann. 344 Seiten. Campus Sachbuch. Erscheinungsjahr: 2001. ISBN: 359336672X. Preis ca. 25,90 Euro
Verlag: Campus Verlag
Erscheinungsjahr: 2001
Seitenanzahl: 344
ISBN: 359336672X
Preis: EURO 25,46
Abstract
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Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 