Christofer Radic
Die Konsolidierung der Branche hat Roland Berger zufolge erst begonnen: Trotz wachsender Kundenanforderungen müssen Marktplatzbetreiber ihre Kosten weiter begrenzen. Außerdem steht dem Überangebot an Marktplatzdiensten eine begrenzte Kundenzahl gegenüber.
In der Studie wird ein Szenario der B2B-Marktplatzlandschaft 2005 entworfen. Danach werden sich lediglich zwei Marktplatzkonzepte sowie vier Akteurstypen dauerhaft behaupten können. Der Studie liegen 40 ausführliche Gespräche mit internationalen Marktplatzbetreibern und -nutzern zugrunde.
Hohe Kosten, begrenzte Kundenzahl
Bei Nutzern macht sich angesichts nicht realisierter Potenziale Enttäuschung breit. Die Studie nennt dafür zwei Hauptursachen: Im Zuge der Gründungseuphorie ist ein Überangebot an B2B-Marktplätzen entstanden. Zudem haben sich viele Geschäftsmodelle als nicht tragfähig erwiesen.
Alle Marktplatzkonzepte werden sich in Zukunft zwei elementaren Herausforderungen stellen müssen: Explodierende Kosten und begrenzte Kundenzahl. Künftig werden Zulieferer und Einkäufer eine umfassende Unterstützung des Geschäftsprozesses sowie innovative Dienstleistungen verlangen. Die Marktplatzbetreiber müssen daher neue Funktionen bereitstellen. Dabei fallen jedoch hohe Entwicklungskosten an, die nur wenige Betreiber aufbringen können.
B2B in 2005
Marktplatzkunden werden sich künftig, so die Prognose von Roland Berger Strategy Consultants, für einen einzigen Marktplatzbetreiber entscheiden. Branchenspezifische (vertikale) Marktplätze setzen sich hier gegenüber unspezialisierten (horizontalen) Plattformen durch. Der Studie zufolge wird sich die Landschaft der B2B-Marktplätze bis 2005 neu ordnen. Zwei Konzepte werden dabei prägend sein: zum einen die Spezialisierungskonzepte. Hier spezialisieren sich die Marktbetreiber funktional, sie legen den Schwerpunkt auf einzelne Schritte des Beschaffungsprozesses sowie auf spezifische Zielgruppen. Und zum anderen die Vernetzungskonzepte: Hier kooperieren die Marktplatzbetreiber mit externen Dienstleistern, um das Spektrum an Funktionalitäten und Services zu erweitern. So entsteht eine "Network Economy", die bis 2005 ein hochwertiges Gesamtangebot zu geringeren Kosten und bei weitegehender Arbeitsteilung bereitstellt. Neben den zwei Markplatzkonzepten sollen vier Typen von Akteuren die Marktplatzlandschaft 2005 bestimmen.
Die konsortienbasierten und privaten Marktplätze visieren als Zielkundschaft ihre wichtigsten strategischen Handelspartner an. Beide Marktplatztypen werde ihre Branchenkenntnis wirkungsvoll einsetzen und sich ausschließlich auf strategische Themen wie die gemeinsame Produktentwicklung, die Verzahnung von Prozessen und den strategischen Einkauf konzentrieren.
Die unabhängigen vertikalen Marktplätze ("Integratoren") setzen auf kleinere und mittelständische Unternehmen. Die Betreiber schaffen Standards für die unternehmensübergreifende Integration von IT-Systemen, Schnittstellen, Datenstrukturen und Geschäftsprozessen bei ihren Kunden.
Die horizontalen Marktplätze ("Megatransaktionsplattformen") handeln indirekte Güter in großen Massen über ihre Plattform. Ihre Zielkunden sind private beziehungsweise konsortienbasierte wie auch unabhängige vertikale Marktplätze.
Und als vierter Akteurstyp bieten die spezialisierten Dienstleister allen Marktplatzbetreibern diverse Funktionsmodule, wie Auktionsmodule, Käufer- und Verkäufer-Datenbanken, Collaboration-Lösungen und Logistikfunktionen, entweder als Lizenzen oder auf ASP (Application Service Provisioning)-Basis an.
Roland Berger Strategy Consultants - http://www.rolandberger.com



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8/2011
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Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 