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Moniskop

Buchrezession - Ken Wilber - Ganzheitlich handeln

Der Mensch - ein rationaler Teufel?

Die heutige Zeit der Globalisierung stellt an den Menschen als Individuum, aber auch an die Gesellschaft als Ganzes große soziale Anforderungen. Ob und wie die Menschheit diesen Anforderungen gerecht wird, versucht der amerikanische Philosoph Ken Wilber zu ergründen.

Christofer Radic

In seinem Buch "Ganzheitlich handeln" zündet Ken Wilber ein wahres Gedanken-Feuerwerk. Dabei verliert er sein eigentliches Thema jedoch nie aus den Augen: die "integrale Vision", die Einheit in der Vielfalt, die Integration, Zusammenführung, Vereinigung und Vernetzung der Menschheit. Er liefert fundierte, durch viele Beispiele untermauerte Analysen und baut darauf eigene Visionen auf. Das Buch rüttelt auf, ohne Angst zu machen. Im Gegenteil, es macht Mut, denn es steuert dem allgemeinen Pessimismus glaubhaft entgegen. Wilber ist überzeugt, dass wir es schaffen werden, unsere Probleme mit dem Übergang zur Informationsgesellschaft erfolgreich zu lösen, denn es sei nun mal die Natur des Menschen, nach stabilem sozialem Zusammenleben zu streben.

Kooperation: jeder für sich selbstlos?

Warum gehören Sie einer Gruppe an? Weil sich dort Menschen finden, die die gleichen Neigungen und Interessen haben wie Sie. Purer Egoismus also. Trotzdem haben sich bei den Menschen Selbstlosigkeit und Sozialverhalten entwickelt. Grund dafür ist, das Menschen auch ein starkes Interesse daran haben, beispielsweise ihre Verwandten zu unterstützen, und dass sie umso selbstloser handeln, je enger die verwandtschaftliche Beziehung ist. Anders wären Familienbetriebe gar nicht möglich gewesen. Ohne Verwandtschaft keine Soziabilität. Bedeutet das, dass den Menschen die sozialen Triebe in die Wege gelegt worden sind? Ja, aber glauben Sie jetzt nicht, dass diese unsere Spezies durch und durch gut ist! Eine Gesellschaft von Engeln würde auch nicht funktionieren, weil gerade hier der Opportunist besonders leichtes Spiel hätte. Andererseits sind auch lauter Teufel nicht überlebensfähig, weil sie sich ständig gegenseitig übers Ohr hauen, statt zusammenzuarbeiten. Also gibt es beides, Gut und Böse. Die menschliche Psyche hat sich so ausgeprägt, dass wir das eine vom anderen gut unterscheiden können. Und weil wir aufgrund unserer Emotionen das Gute belohnen und das Böse bestrafen, leben wir in dieser zweipoligen Welt mit ansehnlichem Erfolg. Als "rationale Teufel " im Sinne von Immanuel Kant. Denn wir kommen zwar moralisch und selbstlos daher, aber das alles schon wieder aus purem Egoismus.

Selbstorganisierte Koordination contra hierarchische Bürokratie?

Was passiert heute am modernen Arbeitsplatz? Die Leute organisieren sich selbst, schaffen formelle hierarchische Strukturen ab und ersetzen sie durch flache, informelle Netzwerke. Das funktioniert, weil jeder auf seinen eigenen Ruf achtet und genau hinsieht, ob die anderen die aufgestellten Regeln ebenfalls einhalten. In einer vernetzten Gemeinschaft wird somit Kooperation belohnt. Gerade dort, wo gemeinsame Ressourcen genutzt werden, blüht die Selbstorganisation. Es gibt gemeinsame Normen und Werte und die Koordination entwickelt sich von unten.

Müssen wir uns also von der hierarchisch strukturierten Bürokratie verabschieden? In den vergangenen 50 Jahren jedenfalls haben selbstorganisierte Koordinationsformen immer mehr die Oberhand gewonnen, in der Politik ebenso wie in der Wirtschaft. Autoritäre Unternehmen und totalitäre Staaten haben heute das Problem, über ungenügende Informationen zu verfügen. Ohne technologisches Expertenwissen läuft nichts mehr. Dezentralisierung tut also Not, wobei in der Folge allerdings recht schnell Koordinationsprobleme auftreten. Dann schaffen letztlich Netzwerke Abhilfe, denn die "verwandeln Anhäufungen in Ganzheiten, Bruchteile in Integration, Entfremdung in Zusammenarbeit."

Fazit

"Ganzheitlich handeln" ist die erste allgemeinverständliche Einführung in Ken Wilbers wissenschaftliche Sicht. Verständlich und kompakt bietet es aber auch den langjährigen Freunden der Arbeit von Ken Wilber neue Ansätze und Anregungen. Zudem präsentiert er tägliche Übungen, die die Leser aufgreifen können, um die im Buch entfaltete integrale Sicht auch in das eigene, tägliche Leben einfließen zu lassen. Ein Paradebeispiel für interdisziplinäres Denken.

Ken Wilber: Ganzheitlich handeln. 221 Seiten. Arbor Verlag 2001. ISBN: 392419579X. Preis ca. 22,50 Euro

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MONITOR-Autoren
Dr. Manfred Wöhrl

Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. ..mehr..

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