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Hard & Software

Linux - Anwenderbericht

Wüstenrot Datenservice setzt auf Linux

Insbesondere für Unternehmen stellt Linux dank seiner Übersichtlichkeit und seinen vielseitigen Konfigurationsmöglichkeiten eine wirtschaftliche und leistungsfähige Alternative zu anderen, oft weiter verbreiteten Betriebssystemen dar.

Adolf Hochhaltinger

Natürlich braucht es für das Aufsetzen eines Mail- oder Proxy-Servers einige Erfahrung, diese Arbeit kann und soll deshalb ebenso von IT-Spezialisten durchgeführt werden, wie das Aufsetzen von Servern unter anderen Betriebssystemen. Ist dies aber erst einmal durchgeführt, so zeichnen sich gerade die Linux-Server durch problemlosen und störungsfreien Dauerbetrieb aus.

Ein Beispiel für eine solche Anwendung fanden wir bei Wüstenrot in Salzburg: Hier werden schon seit Jahren Linux-Server eingesetzt - zur höchsten Zufriedenheit der Anwender. Wir sprachen mit Stephan Gishamer, einem Netzwerkspezialisten der Wüstenrot Datenservice GmbH.

Die Herausforderung

Im Jahr 1998 kam eine neue Herausforderung auf Wüstenrot zu: Auf einmal gab es immer mehr Offline-PCs mit Modem-Anbindung an das Internet. Insbesondere was die Kontrolle der Zugriffsrechte betraf, war hier schnellstens Handlungsbedarf angesagt.

Zu diesem Zweck wurden neben einer Standleitung auch Proxy-Server, Mailserver, Firewalls, usw. installiert. Hierbei hat sich die Wüstenrot Datenservice GmbH für das Betriebssystem Linux entschieden.

Schon 1994 konnte Stephan Gishamer das erste Mal Erfahrungen mit Linux sammeln; er brachte sich das Grundwissen damals selbst bei und baute daheim seinen ersten Linux-Server auf, um dieses kostenlose und vollständig dokumentierte Betriebssystem auch im praktischen Einsatz genauer kennenzulernen.

Erfolgreiche Installation

Der Versuch war erfolgreich und man hatte hier eine stabile und zuverlässige Lösung gefunden, die in weiterer Folge in ähnlicher Form auch in der Firma umgesetzt werden konnte. So wurden im Mai / Juni 1998 erstmals ein Linux Mail Server und ein Linux Proxy-Server bei der Wüstenrot Datenservice GmbH aufgestellt.

Als Mail Server lief damals DLD (Deutsche Linux Distribution) auf einem Netfinity 3500 Rechner mit 128 MB RAM und einem Pentium II Prozessor mit 266 MHz. Hier wurde einige Jahre lang das gesamte Mail-Aufkommen verarbeitet - es beträgt immerhin rund die Hälfte des gesamten Datenaufkommens. Schon damals hatte dieser Mail Server 2.500 Mail Accounts. Im Augenblick wird das gesamte Mailing umgestellt, um auch den zusätzlichen Anforderungen zu entsprechen, die sich durch die kürzlich erfolgte Fusion zwischen Wüstenrot und der VJV ergaben.

Die Konfiguration

Das Mail Service läuft nun auf einem PC Modell 342 von IBM, einem Dual-Prozessor-Rechner mit zwei Pentium III Prozessoren mit 1,13 GHz Taktfrequenz und mit 1 GB RAM und einer redundanten und ausfallsicheren Festplatte (RAID 5). Der Mailserver setzt sich aus einem Cyrus IMAP-Server, EXIM als Mail Transfer Agent und Amavis als Interface zum Virenscanner auf dieser Maschine zusammen.

Die Zugriffsrechte werden über LDAP (Lightweighted Directory Access Protocol) verwaltet, das LDAP Directory wird täglich vom Host herunter synchronisiert. Hiermit wird also auch festgelegt, welcher Anwender jeweils über welche Zugriffsrechte verfügt. Im "Original" liegen die Benutzerdaten als DB2-Datenbank auf dem Großrechner. Zudem läuft noch ein Webserver (Apache) für die lokalen Services auf diesem Rechner.

Linux-Firewalls

Neben dem erwähnten Mailserver laufen hier auch drei Firewalls unter Linux - jeweils auf einem Netfinity 330, und auf dem Proxy Server laufen auch DHCP und Dynamic DNS. Hinzu kommt ein Netfinity 5000 (als DB2 Enterprise Connect Server) für den Zugriff via ODBC auf die Datenbanken am Großrechner.

Außerdem läuft hier - derzeit in der Pilotphase - ein Produkt der Münchener Firma Logics, das den Host-Zugang auf der Basis von Java und Telnet 3270 Client ermöglicht. Auch diese Software läuft unter Linux auf einem Netfinity 330 Server.

Hundert Linux-Server

Hinzu kommen seit Mitte des Jahres 2000 an die hundert einzelne Server, die - sämtlich unter Linux - in jeder einzelnen Außenstelle in Österreich laufen und das datentechnische Herz der jeweiligen Filiale darstellen.

Diese Linux-Server sind Mitglied in einer Windows NT Domain, auf ihnen laufen der Proxy Server, der DNS Cache und (unter Samba) der File Server für die betreffende Filiale.

Alle dort tätigen Außendienstmitarbeiter können sich auf diesen Servern zusätzlich per Laptop und Ethernet-Anschluss einloggen, wobei alle diese Laptops unter Windows laufen. Diese Rechner wurden von der IT-Zentrale aufgesetzt und auch gleich von Anfang an mit leistungsfähigen Virenscannern ausgerüstet. Ein Einschleppen von Viren sollte somit nicht leicht vorkommen.

Die Vorteile

Als Vorteile werden vor allem genannt, dass beispielsweise ein solcher Linux Server nun binnen einer Viertelstunde fertig installiert ist, ein jeweils passendes Parameterfile wurde schon vorbereitet und erleichtert die Installation. Nach erfolgter Installation wird der Rechner an die Domain angeschlossen.

Während es früher in den einzelnen Außenstellen keine Server gab, läuft seit rund eineinhalb Jahren in jeder Außenstelle ein solcher Linux-Server. Bis jetzt gab es damit noch keinerlei Schwierigkeiten oder Ausfälle, einzig zwei Hardwareausfälle (eine Festplatte und ein Netzteil) waren hier insgesamt zu vermerken - aber das hat wohl kaum mit Linux zu tun.

Einfache Administration

Für manche, die bei andere Betriebssystemen vielleicht mehr Aufwand gewohnt sind, mag noch ein weiterer Umstand verblüffend sein: die gesamte Administration wird von "zweieinhalb" Administratoren durchgeführt (genauer: von drei Mann, von denen einer aber nur teilweise zur Verfügung steht).

Das Aufsetzen der Server in den Filialen kann dank der von der IT-Abteilung vorbereiteten Konfigurationsfiles problemlos und schnell auch von einem Dienstleister vor Ort durchgeführt werden.

Technische Details

Die Authentifizierung der Clients wird von Windows NT durchgeführt, via Samba werden diese Zugriffe auf die Linux-Server weitergeleitet; Samba stellt diese (Linux-) Fileservices der Windows-Welt zur Verfügung.

Für das regelmäßige Backup sorgt der "Tivoli Storage Manager", hier wird täglich nach dem Online-Betrieb ein Backup erstellt. Da alle geschäftskritischen Daten auf dem Großrechner liegen, ist das Backup zudem hier nicht so (zeit-) kritisch.

Fazit: Erfolgreich

An diesem Beispiel, das sich seit rund eineinhalb Jahren im praktischen Betrieb bewährt, kann man die besonderen Vorteile von Linux-Lösungen erkennen: die uneingeschränkte Konfigurierbarkeit (jedes Detail ist dokumentiert) und die einfache und problemlose Handhabung in der Praxis.

Wohl wichtigster Punkt ist aber die Verträglichkeit mit der Windows-Welt. So stellt Samba die Linux-Server-Dienste und den Zugriff auf alle Files eines Linux-Servers auch allen Windows-Rechnern zur Verfügung.

Noch ein Tipp

Nach Ansicht von Experten ist es übrigens generell ein empfehlenswerter Zugang zu Linux, anfangs ganz bestimmte, klar umrissene Funktionen im Netzwerk (wie z.B. Firewall, Proxy Server oder Mail Server) auf einem PC unter Linux zu realisieren. Dank dem plattformübergreifenden TCP/IP Protokoll und dank Samba können dann Rechner aller Betriebssysteme auf diese Services zugreifen.


Wüstenrot - der große Finanzdienstleister in Österreich

Salzburg ist die Zentrale von Wüstenrot in Österreich. Bereits 1925 wurde die Idee des kontinentalen Bausparens von Mitarbeitern der "Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot" (Wüstenrot ist ein kleiner Ort in der Nähe von Heilbronn) mit einem Vortrag nach Salzburg gebracht. Das erste von Wüstenrot finanzierte Eigenheim wurde 1926 in der Nähe von Salzburg gebaut. Wüstenrot entwickelte sich speziell in den siebziger Jahren zur bekanntesten Bausparkasse in Österreich. 1977 wurde die Wüstenrot Versicherungs-AG als Tochtergesellschaft gegründet. Heute ist die Wüstenrot Versicherungs-AG nach der Verschmelzung mit der VJV-Versicherung der größte Kompositversicherer Westösterreichs.

Wüstenrot zählt mit 1.600 Angestellten und mehr als 5.500 freiberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den großen Finanzdienstleistern Österreichs. Es werden mehr als 1,7 Millionen Kunden betreut.

http://www.wuestenrot.at

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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. ..mehr..

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