Christian Henner-Fehr
Wenn sich die Vorhersagen bewahrheiten, wird Österreich im abgelaufenen Jahr 2001 Waren und Dienstleistungen im Wert von über 1000 Mrd. Schilling (72,7 Mrd. €) exportiert haben. Die Exportquote, mit der sich dokumentieren lässt, wieviel des Bruttoinlandsproduktes (BIP) über den Warenexport erwirtschaftet worden ist, lag bereits im Jahr 2000 bei 34% und dürfte im letzten Jahr weiter angestiegen sein.
Viele österreichische Betriebe sind in der Lage, sich an den Exportmärkten zu behaupten, denn ihre Produkte und Dienstleistungen sind weltweit konkurrenzfähig. Aber gerade für die vielen Klein- und Mittelbetriebe (KMU) stellt die Erschließung dieser Märkte eine schwierige Aufgabe dar, verfügen sie doch nicht über die Kapazitäten der Multis. Notwendig wird der Schritt über die Grenzen, weil der österreichische Markt oft zu klein ist, um wirtschaftlich überleben zu können. Aber auch die fortschreitende Globalisierung und das "Zusammenrücken" der Welt zwingt mehr und mehr Unternehmen dazu, sich mit neuen Zielmärkten zu befassen. Trotz dieser Entwicklung agieren österreichische Unternehmen beim Export sehr zurückhaltend. Häufig beschränken sie sich auf den deutschsprachigen Raum und übersehen dabei, dass auch die ferner gelegenen Regionen ein beachtliches Potential bergen.
Die IT-Branche als wichtiger Wachstumssektor
Als Land der Berge ist Österreich weithin bekannt, da es auch dementsprechend beworben wird. Von österreichischen IT-Unternehmen ist hingegen eher selten etwas zu hören. Dabei muss sich die IT-Branche nicht verstecken, setzt sie doch mittlerweile mehr um wie der Tourismus. 18,9 Mrd. € Umsatz konnte sie im Jahr 2000 erzielen und den Tourismus damit um 3,4 Mrd. € hinter sich lassen. Von vielen als Hoffnungsträger für die Entwicklung unserer Wirtschaft betrachtet, können die in Österreich ansässigen IT-Unternehmen auf imposante Wachstumszahlen in der Vergangenheit verweisen. Mehr als 20.000 Unternehmen gibt es mittlerweile in diesem Bereich und jedes Jahr kommen ungefähr 3.000 neue Betriebe hinzu. Die rasch verlaufende technische Entwicklung, Internet- und Handyboom sowie die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes haben neue Berufe und dadurch Tausende zusätzlicher Arbeitsplätze entstehen lassen. Der europäische Binnenmarkt, aber auch die Börseneuphorie haben dazu geführt, dass österreichische IT-Unternehmen den Schritt nach draußen gewagt haben und dort erfolgreich agieren. So gehen mittlerweile 6,5% des österreichischen Exportvolumens im Jahr 2000 auf das Konto der IT-Branche, wie dies die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG) kürzlich erhoben hat. Bei einem Gesamtvolumen von 69,7 Mrd. € sind das 4,5 Mrd. €. Fast 60% davon, nämlich 2,6 Mrd. €, werden dabei in den mittel- und osteuropäischen Ländern umgesetzt, was Günther Krumpak, Projektverantwortlicher der OCG darauf zurückführt, dass viele internationale IT-Konzerne von Österreich aus diese Märkte beliefern. Die Erhebung hat auch gezeigt, dass die Multis ganz erheblich zu diesen hohen Exportzahlen beitragen, stehen doch den 2,54 Mrd. € der multinationalen Unternehmen (56% des Branchenanteiles) lediglich 1,96 Mrd. € (44%) gegenüber, die von österreichischen Betrieben im Ausland umgesetzt werden. Nicht weiter verwunderlich ist es wohl auch, dass Wien der wichtigste IT-Standort in Österreich ist, über den die hier angesiedelten Unternehmen 56% der Auslandsumsätze (2,52 Mrd. €) erzielen. Als Tor nach Osteuropa hat Wien dabei auch Städten wie München und Berlin den Rang abgelaufen.
Der Export soll angekurbelt werden
Für Länder, die so wie Österreich stark vom Export abhängig sind, bedeutet eine weltweite Konjunkturabkühlung, wie wir sie derzeit erleben, das Wegbrechen der Auslandsmärkte und damit Gefahr für die heimischen Unternehmen. Die Wirtschaftskammer Österreich versucht hier mit einer Exportoffensive gegenzusteuern. 5.000 Unternehmen sollen in den kommenden zwei Jahren dazu gebracht werden, ins Exportgeschäft einzusteigen, denn eine Steigerung des Exports um 1% bedeutet laut Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl 10.000 neue Arbeitsplätze. Ein Unterstützungspaket für Neuexporteure sieht zahlreiche Maßnahmen vor, die den Unternehmen den Zugang zu neuen Märkten erleichtern sollen. Hilfestellung leistet dabei vor allem die neu strukturierte Außenwirtschaft Österreich (AWO). Die Wirtschaftskammer hat zwar die Zahl der Außenhandelsstellen reduziert, erwartet sich aber durch die Kooperation mit der Österreich Werbung und durch Synergieeffekte mehr Effizienz und noch bessere Unterstützung für die österreichischen Unternehmen.
Während sich die Wirtschaftskammer mit der AWO an alle österreichischen Unternehmen wendet, möchte die OCG mit zahlreichen Veranstaltungen und Maßnahmen auf den hohen Stellenwert der IT-Branche aufmerksam machen und diese gleichzeitig für das Thema Export sensibilisieren. Neben Informationsveranstaltungen zu einzelnen Zielmärkten, wie zum Beispiel dem osteuropäischen, dienen sogenannte IT-MatchMaking-Events dazu, Kontakte zu internationalen Geschäftspartnern aufzubauen. Einige dieser Länder und Märkte, die für österreichische IT-Unternehmen von Interesse sein könnten, möchten wir im Rahmen dieser Serie vorstellen. Den Sprung über die Grenzen müssen Österreichs Betriebe aber nicht ohne Unterstützung wagen und so werden wir auch verschiedene Förderprogramme und Leistungsangebote präsentieren, die bei der Eroberung ausländischer Märkte in Anspruch genommen werden können. Da Theorie und Praxis manchmal sehr weit auseinander liegen, stellen wir auch immer ein Unternehmen vor, das den Sprung in das jeweilige Land oder die Region bereits geschafft hat. Beginnen werden wir in der nächsten Ausgabe mit Kanada, einem Land, das, wie wir sehen werden, österreichischen IT-Unternehmen einiges zu bieten hat.
Die Serie erscheint in Kooperation mit der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG).




1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 