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Moniskop

Evan Mahaneys Leprechauns

Bei Bill Gates trifft der Hammer des Schicksals auf Stahl

Evan Mahaney
Aus dem Amerikanischen von Reinhard Gantar

Großspurig. Dieses Wort beschreibt die Laune der Leprechauns wohl am besten, in der sie zwischen den Ritzen und Spalten meiner Tastatur hervorkamen. Eine Überraschung war das nicht, denn die Leprechauns sind immer sehr überzeugt von sich, wenn sie zu unseren monatlichen Treffen erscheinen.

Es war der umgängliche, aber etwas hochnäsige Mister Pomposity, der die Unterhaltung eröffnete, und ich hatte das Thema präzise vorhergesehen: "Nun, O Feinschmecker der riesig schokoladigen Brownies, was sagt Ihr dazu, wie sich Microsoft und das Justice Department geeinigt haben?"

Ich beschloss, mich auf dieses Thema einzulassen. Immerhin hatten die Leprechauns wiederholt darauf hingewiesen, dass Microsoft diese Schlacht zwischen Goliath und einem anderen Goliath gewinnen würde. Und recht hatten sie gehabt - warum sollte ich ihnen nicht ein wenig das Auskosten der Genugtuung gönnen? Zwar können sie zu wahren Nervensägen werden, wenn sie es damit übertreiben, aber ich räumte ihnen ein, dass mich ihre Weitsicht beeindruckte. Warum aber, so fragte ich, dauerte es mit dem Sieg bis Herbst 2001?

Einer meiner meistgeschätzten Leprechauns, unser Vertragshistoriker und Möchtegern-Journalist Mister Scribe, antwortete: "Nun, es gab einige äußere Umstände, die wir betrachten müssen, wie etwa die wirtschaftliche Entwicklung und der neue Staatsanwalt, aber im großen und ganzen ist es eine reine Microsoft-Geschichte, bzw. die von Bill Gates Unnachgiebigkeit. Man darf hier nicht nur den legalen Aspekt sehen. Man muß erkennen, wie besessen Bill Gates werden kann, wenn er um etwas kämpft.

"Schon in den guten alten Tagen des Jahres 1981 zeigte Gates die Gabe, sich nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf die Zukunft konzentrieren zu können. Er läßt einfach nicht locker, wie ein Pitbull, wenn er sich in etwas verbissen hat. Damals bekam Gates seinen Vertrag mit IBM zur Entwicklung von MS-DOS, sah aber bereits das Potential graphischer Benutzeroberflächen. Fünf Jahre später, 1985, kam Windows 1.0 heraus."

Fräulein Donner, unsere redselige und laute Expertin menschlichen Verhaltens, griff in die Unterhaltung ein. "Ich kann mich an jene Tage erinnern, als wäre es gestern gewesen. Windows 1.0 erschien und verprellte auf Anhieb praktisch jeden. Es gab 1981 nur einige wenige Computermagazine, aber jedes von ihnen hatte einen 'Experten', der erklärte, dass Windows keine Zukunft hätte. Gates aber ließ sich nicht abschrecken. 1987 kam Windows 2.0, 1988 Windows 2.1, und schließlich, 1990, erschien Windows 3.0 und wurde als großartiges neues Betriebssystem gefeiert. Es war weder neu noch ein Betriebssystem - es war ein graphisches Interface für MS-DOS."

Fräulein Donner atmete tief durch und fuhr fort. "1992 bescherte uns Windows 3.1, und 1995 Windows 95 und 1998 Windows 98. Im Jahr 2000 bekamen wir Me, die Millenium Edition. Schließlich kam 2001 XP heraus. Von all diesen Versionen bekamen nur Windows 3.0 und Windows XP gute Kritiken. Der Rest der Windows-Familie wurde von allen Seiten angegriffen und verspottet, und das ab dem Tag, an dem die einzelnen Versionen erschienen. Die traurige Wahrheit hinter diesen Tatsachen ist aber, daß es Microsoft 17 Jahre kostete, um ein wirklich gutes Betriebssystem zustande zu bringen. Es ist der Gates´schen Hartnäckigkeit zu verdanken, dass es schließlich doch noch klappte.

"Um das zu verstehen, muss man sich den Menschen Gates näher ansehen - er war nicht kleinzukriegen. Als IBM 1995 und 1996 versuchte, sich einen Teil seines Marktes zu krallen, wurde Microsoft nur noch entschlossener. Ungefähr gleichzeitig setzte sich das Justice Department auf Kollisionskurs mit dem Monopolisten, was der Regierung nicht mehr Ausbeute brachte als ein erbärmliches kleines Versprechen, der Microsofts Schwitzkasten für PC-Hersteller um nichts lockern konnte. Gates marschierte durch diese Phasen zu seinem eigenen Takt und machte die Zeit zu seinem Verbündeten. Seine Sturheit, Unbarmherzigkeit - wie immer man das nennen möchte - ist auch der Grund, aus dem Microsoft auch die zweite Runde gegen das Justice Department gewonnen hat."

Mister Snyde konnte es kaum erwarten, ein weiteres Schärflein zur Debatte beizutragen. "Nun, mein liebes Fräulein Donner, da gibt es jene, die sagen, dass das Justice Department einen guten Deal herausgeschlagen hat, dass Microsoft jetzt rücksichtsvoller und fairer und ehrlicher auftreten muß. Was ist mit der Ansicht, daß die Geschichte gut ausgegangen ist?"

Fräulein Donner zögerte nicht mit ihrer Antwort. "Mr Snyde - die Tatsache, dass Microsoft und die Regierung zu einer Abmachung gekommen sind, ist ein Gewinn für Microsoft. Immerhin ist die Regierung vorher zu einem Urteil gekommen, das alle Vorwürfe bestätigte und sie ans Ziel ihrer Anstrengungen bugsierte. Der Richter entschied gegen Microsoft und dass die Firma zerlegt werden sollte. Jeder dachte, daß Gates k.o. sei. Jeder, außer Gates. Wenn die neue Abmachung kein Gewinn ist, dann ist Joe Lewis noch immer der Schwergewichtschampion."

Frau Legalbeek, unsere niedergelassene Anwältin, wagte sich mit folgender Feststellung aufs Parkett. "Yes, indeed, Microsoft hat gewonnen. Wir alle wussten, daß die Geschichte so enden würde. Das einzige, was Microsoft jetzt noch gefährlich werden könnte, sind die einzelnen US-Bundesstaaten und die europäische Union. Ich könnte mir vorstellen, dass unser großer Software-Dagobert einige geringfügige Gelder aus seinem Geldspeicher holt und sich in den 18 Staaten, die ihn verklagten, einfach freikauft. Ich glaube, die Landesregierungen werden sich auf den Handel einlassen und sich mit Geldbußen begnügen. Und ungefähr so wird es auch in der EU laufen. Sie werden nichts als Geld verlangen, und Microsoft wird gerne zahlen. Microsoft hat an Bestechung noch nie etwas verwerfliches gesehen; 'juristische Investitionen' nennen wir das. Genaugenommen aber handelt es sich um institutionalisierte Schmiergeldzahlungen."

Ich höre immer gerne auch Mister Matures Ansichten; er ist ein überlegter Intellektueller, der sich nie zu vorschnellen Urteilen hinreißen läßt. "Wir müssen im Auge behalten, O Liebhaber der Marzipankartoffeln, dass die ausschlaggebenden Bedingungen bei der Einigung zwischen Microsoft und der Regierung folgende waren. Zum einen ein neuer Staatsanwalt, zum anderen der wirtschaftliche Abschwung nach dem 11. September. Der neue Staatsanwalt wollte die Angelegenheit so schnell wie möglich vom Tisch haben, und die Regierung tut jetzt alles, um die Konjunktur anzukurbeln. Es war Gates langer Atem, der ihn auch diese Situation ausschwitzen ließ. "

Mister Mature blickte in die Runde und auf Mister Snyde und erklärte: "Sie wollen sicher wissen, woher ich das weiß, Mister Snyde." Dann sah er mir in die Augen und fragte: "Hat jemand von Euch die Pressekonferenz mit Bill Gates und dem Staatsanwalt verfolgt? Niemand? Nun, ich sah mir das an, und was ich sah, war ein Bill Gates, der sich bemühte, nüchtern, reuevoll und staatsmännisch aufzutreten, mit geschürzten Lippen und der dazu passenden Körperhaltung und Ernsthaftigkeit. Seine Augen aber leuchteten, es war die selbe Aufgewecktheit, die man bei Spitzensportlern sieht, nachdem sie ein Tor geschossen oder als erste durch die Zielgerade gelaufen sind. Der selbe Blick - lebendig, tanzend und verräterisch."

Mister Mature blickte mich unverwandt an. "Es dauerte 17 Jahre, bis Gates ein gutes Betriebssystem geschaffen hatte. Er kämpfte vier Jahre lang gegen das Justice Department. Es könnte ihn fünf weitere Jahre kosten, bis er mit Dot Net am Ziel ist. Er wird es aber mit der selben Hartnäckigkeit verfolgen, die er auch bei Windows und seinem Prozess an den Tag legte. Das solltet Ihr Eure Leser wissen lassen."

Und plötzlich waren die Leprechauns verschwunden. Zurück ließen sie in meiner Druckerablage die Phrasen, die der Übersetzung bedürfen.


Phrasen, die übersetzt werden müssen

Das Zitat: "Man wird sich an mich für meine Leistungen beim Bridge-spielen erinnern."

Die Umstände: Bill Gates antwortet auf die Frage eines Reporters, was es sein wird, woran sich zukünftige Generationen bei seinem Namen erinnern werden.

Die Übersetzung: Eine dumme Frage verdient eine dumme Antwort.

Das Zitat: "Die bedeutenden Content-Provider werden schließlich zur Einsicht gelangen, dass Web-Content eine andere Form von Ertrag liefert als andere Medien. Die Erträge aus Investitionen ins Internet sind weniger greifbar als die der Offline-Welt."

Die Umstände: Rebecca Ulph von Forrester Research kommentiert ihre neueste Internet-Studie, die nachweist, daß gebührenpflichtige Websites mehr werden und Gratis-Websites weniger.

Die Übersetzung: Gratis-Sites schaffen keine Profite und sperren daher zu.

Das Zitat: "Ich baue lieber keine Häuser. Ich stifte lieber Geld, die neue Ideen fördern."

Die Umstände: Gordon Moore, Mitbegründer der Chipschmiede Intel Corporation, erklärt seine 600-Millionen-Dollar-Spende an das California Institute of Technology, die er für nicht näher bezeichnete "Projekte" zur Verfügung stellt.

Die Übersetzung: Haben Sie schon mal die architektonischen Monstrositäten gesehen, die durch Spenden finanziert wurden? So etwas ähnliches kommt auch bei Projekten heraus, die den Geist und dem Fortschritt der Wissenschaft dienen.

Das Zitat: "Windows XP ist der Beginn einer neuen, aufregenden Epoche der Windows-basierten Informationsverarbeitung. Es ist uns Ehre und Vergnügen zugleich, mit Microsoft beim Start ihres neuen Betriebssystems kooperieren zu dürfen. Zusammen bieten COREL DRAW ESSENTIALS und Windows XP dem Benutzer ein mächtiges Environment für ihre kreativen Ideen."

Die Umstände: Ian LeGrow, der Vize von Creative Products bei Corel, spricht zu einem Publikum, dem er und Gates Windows XP vorstellten. Vor zwei Jahren noch hat Corel garstige Dinge über Windows, Microsoft und Bill Gates gesagt.

Die Übersetzung: Kannst du sie nicht schlagen, verbünde dich mit ihnen.

Das Zitat: "Niemand schert sich heute mehr um Netscape."

Die Umstände: Ein Wall Street-Analyst kommentiert den Mangel an neuen Meldungen über Netscape.

Die Übersetzung: Niemand schert sich um Netscape.

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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