Christian Henner-Fehr
Für Dr. Erich Hechtner, den Leiter der für das Gewerbewesen zuständigen Magistratsabteilung 63 und Projektverantwortlichen bei der Realisierung von "Gewerbe online" ist dies aber nur der Beginn einer Entwicklung. Er kann sich vorstellen, dass die behördliche Dokumentenverwaltung der Zukunft es möglich macht, gewisse standardisierte Dokumente zum Beispiel auf einer Chipkarte oder in einer Datenbank abzuspeichern und bei Bedarf dort abzurufen. Der erste Schritt in eine papierlose Zukunft ist mit "Gewerbe online" getan, denn der Unternehmensgründer meldet sein Gewerbe über eine Eingabemaske an und kann die dafür notwendigen Dokumente wie zum Beispiel den Befähigungsnachweis einscannen und elektronisch übermitteln.
"Dies ist auch für uns die angenehmste Art der Übertragung", so Hechtner, "aber natürlich können die Unterlagen auch per Fax oder mit der Post geschickt werden." Aus Sicherheitsgründen werden die Unterlagen aber auch auf jeden Fall auf Papier aufbewahrt, "denn für die papierlose Aufbewahrung fehlt uns bis jetzt noch die gesetzliche Grundlage", verweist Hechtner auf ein Problem, auf das man bei der Umsetzung des Pilotprojekts gestoßen ist.
In Zusammenarbeit mit der MA14, zuständig für die EDV, wurde eine Softwarelösung erarbeitet, die nicht nur den jährlich etwa 12000 Unternehmensgründerinnen und -gründern den Behördengang ersparen soll, sondern auch den mehr als 70000 in Wien gemeldeten Gewerbebetrieben die Möglichkeit bietet, beinahe alle Gewerbeangelegenheiten online abzuwickeln. "Um den Gewerbetreibenden in Wien auch wirklich eine Arbeitserleichterung anbieten zu können, haben wir besonderen Wert auf die Kundenfreundlichkeit gelegt", betont Hechtner. So versuchte man, mit einer möglichst geringen Zahl von Online-Formularen auszukommen. Statt einer auf einem eigenen Formular abzugebenden Erklärung, in der bestätigt wird, dass kein Gewerbeausschlussgrund nach §13 der Gewerbeordnung vorliegt, genügt im Internet beispielsweise ein Mausklick. Dass man hier auf dem richtigen Weg ist, beweist für Hechtner die bis jetzt sehr niedrige Fehlerquote der User bei der Eingabe in die Online-Formulare.
Vorbei sind auch die Zeiten, in denen man erst mühsam das richtige Bezirksamt heraussuchen musste. In enger Kooperation mit der Wirtschaft habe man ein System entwickelt, dass voll auf die Bedürfnisse der Gewerbetreibenden abzielt und diese Sucherei überflüssig mache, verweist Hechtner auf einen der größten Pluspunkte des Projektes. Die Eingaben des Users werden nämlich vom System automatisch an die zuständige Stelle weitergeleitet. Außerdem erhält er nach dem Absenden automatisch eine Eingangsbestätigung sowie eine ID-Nummer.
Aber nicht nur die Gewerbetreibenden profitieren von diesem Serviceangebot, das auch im Ausland bereits auf Interesse gestoßen ist. "Auch für uns ist dieses System eine wertvolle Hilfe, denn wir haben so die Chance, die Fehlerhaftigkeit des vorhandenen Datenmaterials zu minimieren", verweist Hechtner auf den Nutzen für die Stadt Wien. Die Gewerbetreibenden können ihre Stammdaten jederzeit online aktualisieren und sorgen so dafür, dass der Verwaltung immer die aktuellsten Daten zur Verfügung stehen.
"Gewerbe online" steht derzeit
nur den Gewerbetreibenden in Wien zur Verfügung. Es bleibt aber zu hoffen, dass
es schon bald überall in Österreich möglich ist, seine Gewerbeangelegenheiten
zeit- und kostensparend vom eigenen PC aus zu erledigen.
www.wien.gv.at/gewerbe/




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 