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Moniskop

Evan Mahaneys Leprechauns

Das Ende einer neuen Economy und der Beginn eines neuen Windows

Obwohl die Leprechauns viel zu stolz sind, um sich Überraschungen anmerken zu lassen, konnte ich an ihren etwas zu entspannten Gesichtsausdrücken erkennen, dass sie auf die Neuigkeiten über den Bankrott des Industry Standard nicht vorbereitet waren.

Evan Mahaney

Aus dem Amerikanischen von Reinhard Gantar

Ich erkundigte mich bei meinen kleinen grünen Freunden nach der plötzlichen Einstellung des Industry Standard, die ohne Vorwarnung aus dem Blitzblauen erfolgt war.

Die erste Antwort kam vom gefallsüchtige Mister Repeete, der selten etwas Neues zu sagen hat, aber oft gekonnt wiederholt und umformuliert. "Nun, O Feinschmecker der Karamelpuddingkuchen, das Ende kam ohne Vorwarnung. Die Leser des Industry Standard erhielten ihre letzte Ausgabe ohne irgendeinen Hinweis darauf, dass es die letzte sein würde. Ein paar Tage später ging das Rauschen durch den Blätterwald und die Fernsehstationen: Der Industry Standard war pleite."

Frau Schaum, wie immer optimistisch und überschwenglich, riss die Konversation an sich. "Es ist eine Schande. Diese Geschichte vom Industry Standard sah nach einer runden und wohlfundierten Sache aus. Im Untertitel nannten sie sich 'Nachrichtendienst für die Information Economy' - und diesem Programm konnten sie durchaus gerecht werden. Jetzt sind sie weg vom Fenster, einfach so", sagte Frau Schaum und schnippte mit ihren winzigen Fingern.

Ich wollte wissen, ob man aus dem plötzlichen Ende des Industry Standard irgendeine Lehre ziehen könnte; so etwas wie eine Moral für unsere Leser. Immerhin zog dieser Flop Kreise, die über die USA hinausreichten. Der Industry Standard hatte Dependancen in Berlin, Paris, Tokyo, Hong Kong und Südamerika. Er war ein Riese und hatte Anfang 2000 mit einer Ausgabe den Rekord für Anzeigenseiten aufgestellt. Seine Mannschaft umfasste brillante Redakteure, Publizisten und Kolumnisten mit bekannten Namen. Was gab's hier zu lernen, fragte ich meine Freunde.

"Eine gute erste Lektion wäre, dass es so etwas wie eine New Economy nicht gibt", meldete sich die tiefe Stimme unseres Vertragspessimisten Mister Snyde. Er fuhr fort: "Wir haben von Anfang an darauf hingewiesen, dass Wirtschaft Wirtschaft ist, und Economy Economy. Darüber hinaus war der Industry Standard in der Old Economy so fest verankert, dass wir den Stolz auf sein Etikett 'New Economy' nie verstanden haben. Papier zu bedrucken und Anzeigenseiten zu verkaufen ist so Old Economy, dass es in unserer Epoche gar nicht mehr Old Economy werden könnte. Der Industry Standard war nicht mehr als ein Magazin, und nur eines von zehn neuen Magazinen überlebt. Das ist eine Tatsache. Kurz gesagt, was dem Industry Standard passierte, ist in der Geschichte der schnellen Erfolge nicht ungewöhnlich. Die Eigentümer und Herausgeber gerieten in den Wahn, nichts falsch machen zu können. Sie verschwendeten Geld, expandierten viel zu schnell, kauften zuviel auf, verstießen gegen alle Regeln der Betriebswirtschaftslehre - und mussten schließen. Es gibt eben keine New Economy. Es hat sie nie gegeben und es wird sie nie geben. Economy ist Economy, und wie Betriebe, Banken, Investitionen und Personalwesen funktionieren, wird seit Jahrzehnten gelehrt. Was sich nicht ändert, und was der Industry Standard vergessen hat, ist, dass man seine Vermieter und Drucker bezahlen muss, denn alle beten am Altar des Profits. Kein Profit - und man ist Geschichte."

Frau Schaum starrte geradewegs in meine Augen und erklärte: "Findet Ihr nicht, dass Ihr ein Glückspilz seid, O Liebhaber der Blarney Stone-Zuckerl, dass Eure Kolumne in einem so stabilen Magazin wie dem Monitor erscheint? Viele Eurer Kolumnistenkollegen, die für den Standard schrieben, schreiben jetzt Bewerbungen. Glück gehabt, was?"

Ich stimmte zu, hatte aber keine Lust, mich in Sentimentalitäten über den Monitor zu ergehen. Glücklicherweise kann man immer auf die gute alte Microsoft zurückgreifen, um das Thema zu wechseln. Besonders gespannt war ich auf die Meinung der Leprechauns zum neuen Betriebssystem XP. Ich erhielt eine knappe und ziemlich sarkastische Antwort von Mister Scathe: "Ich denke, Ihr solltet das uns näher erläutern statt umgekehrt. Ihr seid der mit der XP-Beta-Installation." Die Leprechauns treiben sich gern in allen meinen neuen Programmen herum und waren ein wenig irritiert, als sie ohne Vorwarnung plötzlich XP auf meiner Festplatte vorfanden.

Ich persönlich denke, dass Microsoft mit XP über ein Betriebssystem verfügt, dass keine gekreuzten Finger oder Lügen mehr erfordert. Ich installierte XP Ende Juli. Während ich einen Monat später diese Zeilen schreibe, habe ich noch keinen einzigen Absturz erlebt. Die Hilfe-Dateien sind klarer als jedes Handbuch oder jede andere Online-Hilfe, die ich je verwendet habe.

Es hat 11 Jahre gedauert, bis Microsoft ein Betriebssystem auf den Markt bringen konnte, auf das sie - nach meinem Urteil - zu Recht stolz sein kann. XP erinnert mich an den Mai 1990, als Windows 3.0 herauskam. Das war ein bedeutender Schritt vorwärts für Windows und ein gewaltiger Fortschritt gegenüber DOS 4.01. Obwohl Win 3.0 Milliarden von Systemabstürzen hervorrufen sollte, war es doch ein großartiges Produkt.

Die immer skeptische Ms. Keptic fragte mich herausfordernd: "Ihr hattet in einem Monat keinen einzigen Crash? Gar keinen? Nicht einmal ein Stottern?"

Nein, so versicherte ich, keinen einzigen. Obwohl ich kein Power-User bin, bin ich auch kein kompletter Dummy. Ich verbringe sehr viel Zeit vor der Kiste, besonders am Internet. Und zu den schätzenswertesten Merkmalen von XP gehört der neue Windows Explorer 6.0. Er ist ein gewaltiger Fortschritt, ließ ich meine übernatürlichen Freunde wissen.

Mister Repeete flötete: "Nun, Ihr seid der gleichen Meinung wie viele andere XP-Betatester. Das Produkt ist sehr stabil, so scheint es. Es gibt natürlich Leute, die Microsoft und alles, was sie tut, so sehr hassen, dass sie von XP wie von einer Landplage reden. Aber die meisten Tester sind sehr beeindruckt. Natürlich hat Microsoft auch an die Computerhersteller Kopien geliefert."

"Und das", schaltete sich Mister Snyde ein, "ist ein Schritt, der ziemlich frech von Microsoft ist. Die Frage am Tisch ist, wie die Gerichte darauf reagieren werden. Microsoft ist immer noch schuldig im Sinne der Anklage ein Monopol zu sein. Die EU vertieft ihre Untersuchung der weltweiten Dominanz der Software-Schmiede. Was all das bedeutet, ist," - Mister Snyde machte eine dramatische Geste mit Kopf und Armen - "dass jeder auf den Zug aufspringt, in der Hoffnung, dass etwas für ihn herausspringt. Es ist wahrscheinlich Zeit, dass Microsoft die eine oder andere Milliarde locker macht und sich mit einigen Parteien vergleicht. Ein paar Millionen für jedes Land der EU, ein paar mehr für amerikanische Bundesstaaten und Behörden... es ist Zeit, Frieden zu kaufen. Microsoft hat mit XP einen sicheren Gewinner, und sicher kann kein Mitbewerber da mithalten. Die Cash Cow ist unverwundbar. Microsoft kann es sich leisten, etwas von ihrem Wohlstand zu teilen. Und ich glaube, das wird sie auch. Es wird vielleicht noch bis Ende 2001 oder Anfang 2002 dauern, aber die Zeit ist reif."

Die anderen Leprechauns nickten zustimmend, und ich tat das gleiche. Und fast im selben Moment, so als hätte eine stumme Glocke geläutet, verschwanden die Leprechauns von meiner Tastatur und ließen nichts als ihre Phrasen zurück, die der Übersetzung bedurften.


Phrasen, die übersetzt werden müssen

Das Zitat:"Server-Netzwerke sind das Herz und die Zukunft des Web, und um ihre Monopolisierung durch illegale Praktiken zu verhindern, ist jeder Aufwand gerechtfertigt. [Die EU will] keine Wettbewerbsverzerrung am Markt für Media Players."

Die Umstände: Der Chef der EU-Antikartell-Behörde, Mario Monti, erklärt, dass die EU Windows XP mit größtem Misstrauen betrachtet.

Die Übersetzung: Money, Money. Macht uns ein Angebot, das wir nicht ablehnen können. Money, Money.

Das Zitat: "Wir waren und sind in Gesprächen mit Excite@Home und verhandeln darüber, wie wir unsere Beziehung neu strukturieren können. Bis Jahresende werden wir 950,000 Kunden haben, und wir müssen sicherstellen, dass sie weiterhin gut bedient werden."

Die Umstände: Steve Burke, Präsident der Comcast Cable, über Excite@Homes dauernde Probleme, auf die Excites eigene Kommission hingewiesen hat. Laut Auditoren konnten sie keinen Grund für Excites Existenz finden.

Die Übersetzung: Sayonara, Adios, Ciao, Goodbye, Hasta la vista.

Das Zitat: "Ich war einer der Leute, die voraussagten, dass keiner überleben würde, außer vielleicht der Industry Standard, weil er die gesamte Breite und Tiefe der Industrie abdeckt. Nun, die Industrie ist nicht mehr da, wessen Breite und Tiefe soll er also abdecken?"

Die Umstände: Der bekannte Dozent für Publizistik und Magazin-Guru der University of Mississippi, Samir Husni, spricht über den plötzlichen Kindstod des Magazins The Industry Standard.

Die Übersetzung: Das Spiel heißt "Profit oder Untergang". Sayonara, Adios, Ciao, Goodbye, Hasta la vista.

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