Stefanie Witta
Tenovis kümmert sich in erster Linie um die Telekom-Bedürfnisse der klein- und mittelständischen Unternehmen. Wie sieht das Angebot aus und welche sind ihre Hauptabnehmer unter den sogenannten KMUs?
Ungefähr 85 Prozent aller Unternehmen in Österreich haben unter 10 Mitarbeiter. Die KMUs sind also in Österreich mit seiner Struktur die ideale Zielgruppe. Unser Angebot für diese Zielgruppe besteht hauptsächlich aus Nebenstellenanlagen, Call Centerlösungen und Telecom-managed Lösungen. Wir wollen also ein Fullservice-Provider für die KMUs werden, bei dem sich der Kunde um die Telekommunikation und Datenübertragung nicht mehr kümmern muß. Er hat einen Partner, der für ihn alles erledigt.
Sie bieten auch Voice-over-IP und Internetzugang an. Wie sehen Sie den Bedarf der heimischen KMUs bei diesen neuen Technologien?
Der österreichische KMU beschäftigt sich kaum mit Telefonie oder Datenübertragung. Er möchte sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Für dieses Kerngeschäft muß man ihm das Umfeld so vorbereiten, daß er das positiv erledigen kann. Unser Bestreben ist daher, ihm die Lösungen, die es rundherum gibt, anzubieten.
Er bekommt also von Ihnen zur Lieferung eine kurze Einschulung und drückt nachher nur eingelernte Knöpfe.
Ja, unsere Vision ist es, für eine Fixgebühr pro Arbeitsplatz alles zu liefern, was er braucht. Damit kann er alle Sprach- und Datenübertragungen nutzen, wobei die Frage der Finanzierung - Leasing oder Kauf - f1lexibel gelöst wird.
Wie sehen Sie die gegenwärtige Ausrüstung der KMUs? Besteht nicht ein großer Nachholbedarf?
Doch, wir haben ein großes Potential vor uns. In der Datenübertragung müssen die KMUs hier zu Lande noch kräftig aufrüsten, auch wenn sich die Leute aufgrund der mangelnden Information immer noch nicht über die neuen Technologien getrauen. Genau hier ist unser Ansatz: wir wollen dem Kunden bei dieser mangelnden Information helfen. Er soll sich nicht mit der Technologie beschäftigen, sondern sich lieber dem zuwenden, was er für sein Geschäft benötigt. Den Rest erledigen wir.
Seit Jahresbeginn lenken Sie die Geschicke von Tenovis Österreich. Was möchten Sie in diesem Jahr noch erreichen? Wie sehen Ihre Ziele aus?
Wir gehen nach einer Offensivstrategie vor. Wir wollen unseren Kundenstock weiter ausbauen. Derzeit haben wir ca. 14.000 Verträge mit 8.500 Kunden, eine ideale Plattform, die sich gut vergrößern läßt.
Welche Projekte haben für Sie derzeit Vorrang?
Callcenterlösungen, integrierte Vernetzungen und Gesamtlösungen. Auf einzelne Projekte möchte ich jetzt noch nicht eingehen.
Welche Produkte und Leistungen liegen ihnen persönlich am Herzen?
Voice-over-IP und Callcenter
Callcenter ist ja ein sehr weiter Begriff. Welche Ebene decken Sie hauptsächlich ab?
Man muß hier indivduelle Lösungen finden. Im Callcenterbereich haben wir ein Trainingsunternehmen gefunden, damit Leute in unserer Kundendivision entsprechend ausgebildet werden. Diese professionellen Trainer sind rein auf Ausbildung und Organisation von Callcentern spezialisiert.
Wo liegen die Vorteile, die Ihre maßgeschneiderten Kommunikationslösungen dem Kunden bringen?
Er hat sowohl eine Ersparnis, weil er nicht zu viel kauft, er kauft die richtige Technologie und braucht sich auch dann um die Wartung nicht selbst zu kümmern, wir bieten entsprechende Serviceverträge an. Dabei steht die Kundenbindung im Mittelpunkt. Kundenbindung ist ein wichtiges Ziel für uns. Wir haben Kundenrückgewinnungsprogramme und modellieren im Hinblick darauf gerade unsere Kundendatenbank neu.
Wo liegt Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen individuellen Business-Lösungen und Branchenlösungen? Sehen Sie da einen Widerspruch?
Nein, sie stehen in keinem Widerspruch zueinander. Aber individuelle Lösungen sind natürlich wesentlich teurer als Branchenlösungen, deren Entwicklungskosten sich auf viele Anwender aufteilen. Wenn wir erkennen, daß gewisse Branchen wie beispielsweise Hotellerie, Altersheime oder Spitäler ganz bestimmte Funktionalitäten brauchen, entwickeln wir das einmal und können es dann einem breiten Kundenkreis sehr günstig anbieten.
Wie beschreiben Sie den Unterschied zwischen Tenovis und dem Mitbewerb?
Sie kennen sicher den Ausspruch: "Die schnellen werden gewinnen und nicht die großen." Ich glaube, daß wir ein sehr schnelles und sehr flexibles Unternehmen sind. Wir haben einen sehr potenten Eigentümer, der in letzter Zeit sehr viel Geld in Europa investiert hat und uns sehr schnell und flexibel arbeiten läßt. Wir sind in Europa eine Mannschaft von rund 210 Personen, die sehr schnell und flexibel geführt werden können.
Sie treten aber nicht auch als Telefonprovider auf?
Nein, da hat der Kunde freie Wahl.
Wie würden Sie Ihren Arbeitsstil bezeichnen? Sie wirken wie ein absoluter Teamplayer.
Ja das bin ich auch. Deshalb habe ich mir sofort ein neues Team gesucht, als ich die Geschäftsführung der Tenovis übernahm. Jetzt habe ich ein Team, das schon früher miteinander gearbeitet und Projekte ausgeführt hat. Bei den altgedienten Bosch-Mitarbeitern kommt dieser neue Stil mit der offenen Kommunikation auch gut an, sie ziehen sehr gut mit.
Mit welcher Unternehmensphilosophie werden Sie Ihr Schiff lenken?
Meine oberste Maxime ist Kundenorientierung. Wir lassen nichts unversucht, um unsere Kunden zu gewinnen, zu halten und das Vertrauensverhältnis auszubauen. Die Tenovis-Mitarbeiter werden mit entsprechender Eigenverantwortung ausgestattet und können ihre Ergebnisse selbst einfahren.
Ihre Visionen in der Telekombranche? Wie werden die nächsten Entwicklungsschritte aussehen?
Kurzfristig wird die Goldgräberstimmung bald vorbei sein und es wird zu einer wesentlichen Konsolidierung am Markt kommen. Die Mobilität wird wesentlich gefördert werden, UMTS und alles was damit zusammenhängt, wird zu einer Ablöse der Festnetztelefonie führen. Man wird künftig nur mehr mit einem Telefoniepaket für Sprache und Daten in der Hand herumlaufen, eine CD in der Hand haben und sich überall einloggen. Dann hat man alle Funktionalitäten auf seinem Gerät und wird so die moderne Sprach- und Datenübertragung durchführen können. Wir bieten heute schon in unseren Lösungen VPN (Virtual Private Network) an und binden die Mobiltelefonie ein.
Wird das auch schon angenommen von den Klein- und Mittelbetrieben?
Die KMUs in Österreich sind hier sehr konservativ, es bedarf noch großer Überredungskunst. Homeofficeplätze und damit verbundene Dinge werden mit sehr großer Vorsicht am Markt akzeptiert, obwohl es mit Sicherheit die Zukunft ist.
Was sehen Sie bis jetzt als Ihren persönlichen Erfolg an?
Ich bin sehr froh, daß wir den Kulturwandel geschafft haben von der alten Technologie-getriebenen Mannschaft hin zur kundenorientierten Mannschaft. Das bedeutet, wir hören viel besser in den Markt hinein und wollen auch die Produkte anbieten, die der Markt benötigt und nicht vordergründig das technisch Machbare anpeilen.
Verwenden Sie Ihre Produkte auch im eigenen Unternehmen? Haben Sie Teleworker und mobile Mitarbeiter?
Wir haben sogar eine Betriebsvereinbarung geschlossen für Homeoffice-Arbeitsplätze. Unsere Leute sind flexibel und können von zu Hause arbeiten.
Wie schaffen Sie es, bei dieser Arbeitsbelastung auch noch sportlich zu wirken? Wann hört bei Ihnen denn die Arbeit auf und beginnt die Freizeit?
Diese Grenzen verlaufen fließend. Ich spiele sehr gerne Golf, häufig mit Geschäftspartnern, da hört das Business nie auf. Meine Frau führt ein eigenes Geschäft und versteht berufliches Engagement sehr gut.
Würden Sie in Ihrem "nächsten Leben" wieder Tenovis-Geschäftsführer werden wollen?
Absolut - ich bin in diesem Job selbständig, mein Eigentümer hat mir klare Verantwortung und Ziele vorgegeben, die ich hier in Österreich selbständig umsetzen kann.
Wir danken für das Gespräch.
(Fotos: Michael Hetzmannseder)



1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 