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Telekommunikation

Kommunikations-Therorie

Von der Unmöglichkeit "exakter" Kommunikation

Kommunikation bestimmt das menschliche Leben, von Geburt an. Dass Kommunikation jedoch unterschiedlich erfolgreich sein kann, wissen wir alle aus oftmals leidvollen Erfahrungen mit unseren Eltern, Freunden, geschäftlichen und privaten Partnern - unseren Mitmenschen eben! Was macht den Unterschied zwischen gelungener und misslungener Kommunikation jedoch aus? Was sind Ursachen und Folgen?

Werner A. Leeb

Kommunikation ist heute ein viel strapazierter Begriff, im privaten Leben ebenso, wie im wirtschaftlichen. Einig ist man sich allemal, dass sie "gut" sein muss, die Kommunikation, zwischen wem und was auch immer. Menschen kommunizieren mit Menschen, Tieren und Maschinen und umgekehrt - Communication everywhere!

Warum, so stellt man sich unweigerlich die Frage, misslingt dann so oft die Übung, wenn wir seit unseren ersten Tagen nichts anderes tun, als permanent zu kommunizieren? Schließlich müssten wir Profis sein, nach all den Jahren? Was behindert unsere Kommunikation?

Lassen Sie mich dazu ein Stück weit ausholen, betrachten wir die Anfänge:

Wurzeln der Kommunikation

Unser Wort Kommunikation stammt vom lateinischen Wort "communicare" ab, was soviel bedeutet wie: teilen, teilhaben lassen, welches sich wieder herleitet aus "communis", also gemeinsam, gemeinschaftlich. Schon daraus lässt sich eindeutig ableiten, dass Kommunikation immer als etwas verstanden wurde, das zwischen mindestens zwei oder aber mehreren Parteien stattfindet, gleich ob es sich um Organismen (Menschen, Tiere oder Pflanzen), psychische Repräsentanzen (mehrere Stimmen im "inneren Dialog") oder aber heute auch um technische Geräte handelt.

Kommunikation bedeutet darüber hinaus, dass eine Partei mit einer oder mehreren anderen Parteien in irgend einer Form in Kontakt treten muss. Dieser Kontakt wird über verschiedene physische "Trägermedien" ermöglicht, etwa direkten körperlichen Kontakt, Schall-, Radio- oder Lichtwellen, chemische Stoffe usw. Diese unterschiedlichen Medien wiederum dienen lediglich zur Übertragung von Signalen, verschlüsselten Botschaften des jeweiligen Senders an den/die Empfänger.

Kommunikation ist, so unterstelle ich, immer absichtsvoll. Das heißt, sie zielt auf die Beeinflussung meiner kommunikationsfähigen Umwelt. Ich, der Sender, möchte andere warnen ("Achtung! Ein Mammut!"), von meinem Befinden unterrichten ("Ich habe Bauchweh von dem Säbelzahntiger!"), sie zu einem bestimmten Verhalten veranlassen ("Kommt, lasst uns den Nachbarstamm überfallen!"), ihnen bestimmte Informationen zukommen lassen und so weiter.

Die eben gegebenen Beispiele sind jedoch bereits stark anthropozentrisch geprägt. Kommunikation geschah jedoch schon lang vor jeder menschlichen Existenz. Schon die kleinsten Organismen begannen untereinander auf verschiedensten Wegen zu kommunizieren und tun dies auch heute noch. Der menschliche Körper, eines der hochkomplexesten Interaktionsgebilde von verschiedensten Zellverbänden, kann binnen Sekundenbruchteilen durch die Ausschüttung eines Hormons etwa (also einer biochemischen Substanz) zu einem konzertierten Agieren (z.B. Flucht oder Angriff etc.) gebracht werden - auch das ist nichts anderes als Kommunikation!

Sprache und Schrift

Wenn wir heute von Kommunikation sprechen, meinen wir gemeinhin "Kommunikation durch Sprache". Eine sträfliche Vereinfachung, wie ich noch zeigen werde. Den bei weitem größten Teil der Menschheitsgeschichte (wenn wir uns ab nun auf diese beschränken wollen) haben wir jedoch "nonverbal", also nicht-sprachlich verbracht. Nachdem sich unsere Urahnen langsam auf zwei Beine erhoben hatten, bekamen sie ihre Vorderfüße, die Hände, frei zum Greifen - zum Be-greifen! Anthropologen wie Sprachforscher sind heute der Überzeugung, dass dies die erste "Revolution" und damit Ursache unseres rapiden Gehirnwachstums und des unbestreitbaren evolutionären Erfolges war. Lange Zeit wurde sicherlich lediglich durch Gestikulieren, Deuten, Warn- und Soziallaute, Veränderung des Gesichtsausdruckes usw. kommuniziert. Dieses Erbe tragen wir alle in Form unserer weltweit fast einheitlichen Körpersprache noch mit uns herum. Lachen, Weinen, Wut, Freude, Ratlosigkeit und vieles mehr werden überall auf diesem Globus auf gleiche Weise gezeigt und auch gleichartig interpretiert und verstanden.

Die sukzessive Entwicklung von Sprache, also einer regelhaften Syntax und Grammatik, aus den ursprünglichen Warn- und Soziallauten der Urhorden leiteten die nächste Revolution ein. Sprache ermöglichte die Weitergabe von Erfahrungswissen losgelöst von eigener Erfahrung und potenzierte damit die individuellen Lernmöglichkeiten und somit Überlebenschancen.

Diese Entwicklung wurde noch weiter vorangetrieben, als sich durch die Vereinigung von sprachlicher Äußerung und bildlicher Symbolik die ersten Schriften bildeten. Erstmals waren Erfahrungen losgelöst von sprachlichem Ausdruck und damit körperlicher Anwesenheit des Senders einer Botschaft. Soweit ein grob vereinfachter Abriss über die Entstehung von Sprache und Schrift.

Kommunikationsmodelle

Die ersten Kommunikationsmodelle gingen von folgendem Prinzip aus:

Der Sender hat eine Botschaft, verschlüsselt diese, sendet sie an den Empfänger, der diese wiederum entschlüsselt und dann gemäß der Botschaft reagiert.

Dieses Modell hatte lange Zeit Bestand und wurde auch vor allem in der Informationsverarbeitung gerne herangezogen, um Kommunikationsprozesse zu verdeutlichen. Aus rein technischem Gesichtspunkt mag es auch heute noch seine Richtigkeit haben, was es jedoch nicht erklären konnte, waren die unzähligen Kommunikationsprobleme zwischen Menschen, aber auch zwischen Mensch und Maschine. Was war vernachlässigt worden?

Im wesentlichen wurde mit obigem Modell nur die Informationsübertragung, nicht jedoch die vor- und nachgelagerten Prozesse beim Sender und Empfänger erklärt. Schulz von Thun fand mit seinem Modell der "Vier Aspekte einer Nachricht" nicht nur ein schlüssiges Erklärungsmodell der menschlichen Kommunikation, sondern auch ein sehr praktikables. Gemäß seinem Modell enthält jede Nachricht, die ein Sender an den Empfänger richtet, vier unterschiedliche Aspekte: den Sachinhalt, die Selbstoffenbarung, die Beziehung und den Appell. Wir geben "scheinbar" zwar nur einen Satz von uns, in Wirklichkeit sind es jedoch oftmals vier.

Das Problem der Kommunikation verschärft sich noch dadurch, dass der Empfänger der Nachricht, diese noch mit "vier verschiedenen Ohren" hören kann, je nachdem auf welchen Anteil der Kommunikation er sein "Haupt-ohren-merk" legt.

Sehen wir uns dies anhand eines konkreten Beispieles an:

Ein Ehepaar hat soeben zu Abend gegessen. Der Mann steht auf, trägt seinen Teller zur Abwasch und setzt sich zur Zeitung gemütlich auf die Couch, während seine Frau das Geschirr in den Spüler räumt und das restliche Essen in den Kühlschrank. Sein Glas lässt sie auf dem Tisch stehen und sagt: "Dein Glas steht auf dem Tisch!" Er wird ärgerlich und der Rest des vorerst gemütlichen Abends wird mit Diskussionen über Haushaltsführung verbracht. Was ist geschehen?

Betrachten wir vorerst die Botschaft der Frau unter allen vier Aspekten:

  • Sachinhalt: Dieser Teil der Information ist für beide Seiten klar ersichtlich, da das leere Glas noch auf dem Tisch steht, darüber kann und wird es sicherlich kaum eine Meinungsverschiedenheit geben können.
  • Selbstoffenbarung: Bei diesem Anteil an der Nachricht gibt die Frau einen Teil von sich kund, sie sagt etwas über sich, ihr Weltbild und ihre Einstellung aus. Im konkreten Fall könnte dies z.B. heißen: "Ich lege Wert auf eine saubere Wohnung und außerdem auf ein partnerschaftliches Verhalten in Haushaltsangelegenheiten!"
  • Beziehung: Der Beziehungsaspekt der Botschaft zeigt wie der Sender zum Empfänger steht und was er von diesem hält, im konkreten Fall kann das sein: "Du bist schlampig und lässt Dich permanent von mir umsorgen wie ein kleines Kind!"
  • Appell: Mit diesem Teilaspekt der Botschaft möchte der Sender den Empfänger zu bestimmten Reaktionen veranlassen. In unserem Beispiel könnte dies zum Beispiel heißen: "Räume gefälligst Dein Geschirr selbst weg!"

Hätte die Frau Ihre Botschaft an einen emotionslosen, jedoch des Sehens und Sprechens mächtigen Roboter gerichtet, dann hätte Sie vielleicht folgende Antwort bekommen: "Ja, das Glas steht auf dem Tisch." Weiter wäre wahrscheinlich nichts passiert, zumindest auf Seiten des Empfängers der Nachricht!

Wie sieht es jedoch auf Seiten des Ehemannes tatsächlich aus? Was hat er mit seinen vier Ohren wahrgenommen?

  • Sach-Ohr: Wenn der Mann sich lediglich auf den Sachinhalt konzentriert hätte, wäre seine Reaktion wahrscheinlich ähnlich der des Roboters. Was er mit einer solch "sachlichen" Reaktion bei seiner Frau provoziert, wäre bereits Inhalt des nächsten Interaktions- und Kommunikationsprozesses. Seine Reaktion ist ja bereits wieder Nachricht und Botschaft an seine Frau als Empfängerin.
  • Selbstoffenbarungs-Ohr: Wenn der Ehemann mit dem Selbstoffenbarungsohr hören würde, verstände er die Anliegen seiner Frau hinsichtlich Sauberkeit und Arbeitsteiligkeit im Haushalt. Er könnte denken: "Sie möchte, dass ich das Haus sauber halte und ihr wie vereinbart bei der Hausarbeit helfe!"
  • Beziehungs-Ohr: Dies ist wohl das heikelste Nachrichten-Ohr, ist es doch für die meisten Kommunikationsprobleme verantwortlich. Der Mann hört förmlich die innere Stimme seiner Mutter, die ihn möglicherweise als Kind immer und immer wieder mit ähnlichen Worten zur Hausarbeit anhielt. Schlechtes Gewissen, Unmut über die Einforderung eines gegebenen Versprechens zur Hausarbeit und vieles mehr können hier zur Reaktion führen (mit zunehmend zorniger werdende Stimmer): "Lass mich bitte jetzt in Ruhe die Zeitung lesen! Immer diese Pedanterie! Außerdem trinke ich nachher nochmals was!" usw.
  • Appell-Ohr: Hätte der Mann mit diesem Ohr gehört, wäre er wahrscheinlich ohne Murren von der Couch aufgestanden und hätte das Glas in den Spüler getan. Aus dem Selbstverständnis der gegebenen Abmachung heraus oder weil er als hilfsbereiter Mensch prinzipiell gerne und jederzeit für andere da ist, wäre seine Reaktion quasi automatisch erfolgt.

Conclusio

Wir haben gesehen, dass sowohl Sender als auch Empfänger eine Teilverantwortung für das Gelingen von Kommunikation tragen. Vielfältig sind die Möglichkeiten den Kommunikationsprozess empfindlich zu stören. Auf Seiten des Senders entsteht ein Bild, eine Emotion, ein Gedanke, der sich auf der Grundlage seines gesamten bisherigen Lebens vollkommen einzigartig darstellt. Sie wollen diese Erfahrung mit einem anderen, dem Empfänger teilen. Sie verschlüsseln (codieren) ihre Nachricht in der gemeinsamen Sprache in der Form eines oder mehrerer Sätze, die Sie nun unter den oben beschriebenen vier Aspekten an den Empfänger richten. Gleichzeitig senden Sie noch eine Vielzahl an nonverbalen Signalen mit - Körpersprache wie Haltung, Gestik, Mimik usw. aber auch Ausdruck, Stimmlage und vieles mehr. Tun Sie dies in einem störenden Umfeld mit viel Lärm zum Beispiel, leidet Ihre Kommunikation noch weiter darunter.

Der Empfänger seinerseits filtert Ihre Botschaft aus all dem Lärm heraus, decodiert diese sprachlich und interpretiert diese unter oben genannten vier Ohren. Die Art und Weise seiner Informationsaufnahme und -interpretation wiederum ist von seinen lebensgeschichtlichen Erfahrungen, Bildern, Mustern usw. geprägt.

Konkret: Stellen Sie sich einen Baum vor! Sehen Sie ihn vor sich? Ihr Baum wird jedoch niemals mein Baum sein können. Wir können uns lediglich auf eine Klasse von Gegenständen, genannt "Bäume" einigen. Sie haben andere Bäume gesehen und erlebt als ich. Selbst wenn wir den selben Baum betrachten würden, ich würde ihn anders wahrnehmen als Sie. Ich achte mehr auf Stämme und Äste, Sie vielleicht auf Blätter und Wurzeln usw.

Es ist vielleicht hilfreich, mit dem Kybernetiker Heinz von Foerster davon auszugehen, dass " ein wirkliches Verstehen des anderen prinzipiell unwahrscheinlich ist". Seiner Meinung nach würden alle Menschen besser kommunizieren, wenn sie davon ausgingen, auch missverstanden werden zu können. Denn dann würde jeder Sender einer Botschaft diese so klar und verständlich wie irgend möglich formulieren.

Ist es - unter all diesen Aspekten - nicht ein Wunder, dass wir uns doch hie und da zu verstehen glauben?

Mag. Werner A. Leeb ist Unternehmensberater und Fachjournalist. Kontakt unter werner.leeb@eunet.at

Literatur zum Thema

Birkenbihl, Vera F.: Kommunikation für Könner . . . schnell trainiert. Die hohe Kunst der professionellen Kommunikation. Business Training Bd.81167. 6. Aufl. 2000. 171 S. 18,5 cm. Kartoniert. 157gr. ISBN: 3-478-81167-8, KNO-NR: 6 01 09 37, Moderne Verlagsges.m.b.H. MVG, 14.90 DM - 109.00 öS - 15.90 sfr

Foerster, Heinz von: Wissen und Gewissen. Versuch einer Brücke. Hrsg. v. Siegfried J. Schmidt. 4. Aufl. 1997. 396 S. m. Abb.. Kartoniert. 218gr. , ISBN: 3-518-28476-2, KNO-NR: 3 88 42 68, Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft, 27.80 DM - 203.00 öS - 26.00 sfr

Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden. Tl.1. Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. (rororo sachbuch). 1981. Mit 85 Abb.. Kartoniert. 203gr. ISBN: 3-499-17489-8, KNO-NR: 1 95 57 26, 14.90 DM - 109.00 öS - 14.00 sfr

Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden. Tl.2. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung. Differentielle Psychologie der Kommunikation. (rororo sachbuch) 1989. Mit Darst. u. 41 Zeichn.. Kartoniert. 188gr. , ISBN: 3-499-18496-6, KNO-NR: 3 75 85 32, 14.90 DM - 109.00 öS - 14.00 sfr

Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden. Tl.3. Das 'innere Team' und situationsgerechte Kommunikation. (rororo sachbuch). 1998. Mit 101 Zeichn. v. Verena Hars.. Kartoniert. 289gr. ISBN: 3-499-60545-7, KNO-NR: 7 37 29 71, 16.90 DM - 123.00 öS - 16.00 sfr

Watzlawick, Paul; Beavin, Janet H.; Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. 10., unveränd. Aufl. 2000. 271 S. 21,5 cm. Kartoniert. 372gr. ,ISBN: 3-456-83457-8, KNO-NR: 0 78 79 28, Huber, Bern, 34.80 DM - 254.00 öS - 31.30 sfr

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Mag. Christoph Weiss

Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) ..mehr..

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