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Viren auf Mobilgeräten - Gefahr oder Hysterie?

Vor über 65 Millionen Jahren war die Welt von Dinosauriern bevölkert. Wissenschaftler glauben, dass ein Meteorit in den Atlantik gestürzt ist und damit eine klimatische Veränderung hervorgerufen wurde, die in immer wiederkehrenden Abständen neue Lebensbedingungen schuf. Die Pflanzen stellten das Wachstum ein und die Dinosaurier starben aus. Zu allerletzt kroch aus dem urzeitlichen Sumpf die Spezies Mensch hervor und erfand schließlich, Millionen Jahre später, das Windows Betriebssystem.

Pino von Kienlin

Auch heutzutage - so behaupten es jedenfalls die Wissenschaftler und Kinohits à la "Deep Impact" oder "Armageddon" - können Meteoriten jederzeit in unseren Planeten einschlagen. Dieses Mal sei es an der Reihe der Menschen - falls sie nicht außerordentlich vorsichtig sind - dem Schicksal der Brontosaurier zu folgen.

Was können wir aber dagegen tun? Sollten wir beim Verlassen des Büros, wenn wir auf die Straße treten, nach oben in Richtung Himmel schauen? Oder doch erst einmal nach rechts und links, um nicht blindlings in den vorbeifahrenden Verkehr zu rennen?

Ich glaube, die meisten Menschen sind sinnvollerweise darauf bedacht, sich vor den Gefahren zu schützen, mit denen sie im täglichen Leben konfrontiert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass man von einem Meteoriten getroffen wird, ist letztlich doch viel geringer als von einem vorbeifahrenden Taxi überrollt zu werden.

Der Leser mag sich fragen, was das alles mit Computerviren zu tun haben soll. Der Zusammenhang zwischen Meteoriten, Taxis und Viren ist auf den ersten Blick vielleicht schwer zu erkennen. Bei genauerem Hinsehen lassen sich jedoch sehr wohl Vergleiche ziehen. Denn mit den heimtückischen Computerviren verhält es sich ähnlich wie mit den Meteoriten und den Taxis. Um in der bildlichen Sprache zu bleiben: es gibt die Taxi-Viren und die Meteoriten-Viren. Die einen stellen eine reale und alltägliche Bedrohung dar, die anderen hingegen bedeuten de facto eine eher unwahrscheinliche und seltene Gefahr. Darauf möchte ich im Folgenden etwas genauer eingehen.

Viren auf Mobilfunkgeräten

In letzter Zeit häufen sich Meldungen zu unzulänglichen Sicherheitsstandards neuer Mobiltechnologien. Den Meldungen zu folge sind eine Vielzahl von mobilen Geräten, wie etwa Handys oder PDAs, von Virenbefall bedroht.

Fakt ist, dass es bis heute kein infiziertes Handy gibt. Was es dagegen gibt, sind Viren, die SMS-Textnachrichten verschicken. So sendet zum Beispiel der E-Mail-fähige Wurm VBS/Timo-A Textmeldungen an Mobiltelefone. Und der berühmte LoveBug übermittelt seinen Code über Microsoft Outlook an Faxmaschinen und Mobiltelefone. In keinem Fall aber werden Handys oder PDAs wirklich infiziert. Viren können sich von dort aus auch nicht weiter verbreiten.

Zu lesen ist auch von Viren, die den wachsenden Markt von WAP (Wireless Application Protocol) Telefonen bedrohen. Bei WAP liefert ein zentraler Server Codes, den ein auf dem Handy oder Organizer installierter Browser ausliest.

Fakt ist, dass keines der aktuellen WAP-Geräte - im Gegensatz zu PCs - die verwendeten Anwendungen speichern kann. So ist eine Virenverbreitung von einem WAP-Gerät zum anderen nicht möglich: Aktuelle WAP- Handys erlauben keine WAP-Verbindung zwischen Client-Telefonen. Der Code wird vom Server des Providers auf das eigene Handy übertragen, jedoch nicht umgekehrt oder von einem Handy zum nächsten.

Der heutige Entwicklungsstand von Mobilfunkgeräten lässt also eine Vireninfizierung noch nicht zu. Mit zunehmender Leistungsfähigkeit und Komplexität dieser Geräte eröffnen sich jedoch zukünftig auch Möglichkeiten für Viren, in diese einzudringen.

Viren auf PDAs

Wie verhält es sich aber mit PDAs unter Betriebssystemen, wie EPOC, Palm OS oder Pocket PC? Spätestens bei der Datensynchronisierung mit PCs erscheinen sie an dieser Stelle theoretisch für Viren anfällig.

Fakt ist: Bis heute wurden keine EPOC- oder Pocket PC-Viren gefunden, obwohl sie vom technischen Stand möglich wären. Unter Palm OS gibt es dagegen mit Palm/Phage einen Virus und mit Palm/Liberty-A ein trojanisches Pferd. Beide stellen jedoch kaum ein Risiko dar und kommen äußerst selten vor. Ein regelmäßiges Back-Up sämtlicher Palm-Anwendungen und -Daten ist dennoch ratsam.

Bluetooth

Neu im Kommen ist derzeit mit Bluetooth eine Technologie für drahtlose Datenübertragung über geringe Reichweiten. Computer, Handys, Faxgeräte und sogar Videorekorder nutzen Bluetooth für den Datenaustausch. Derzeit entsteht mehr und mehr Software, die für Bluetooth gedacht ist. Die Jini Technologie von Sun ermöglicht die Verbindung zwischen Geräten, den automatischen Java-Code-Austausch und Fernkontrolle von Services und ist damit potentiell offen für unautorisierten Gebrauch.

Bluetooth und Jini gewährleisten jedoch größtmögliche Sicherheitsstandards, indem heikle Arbeitsschritte ausschließlich mit vertrautem Code von bekannten Quellen durchgeführt werden. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit für eine Virenansteckung sehr gering.

Effektiver Virenschutz heute und in der Zukunft

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entwicklung mobiler Technologien auch neue Herausforderungen bei der Sicherheit mit sich bringt. Die Kernfrage ist, wo Anti-Viren-Maßnahmen sinnvoll sind. Der beste Schutz mobiler Geräte ergibt sich durch den Check von Daten beim Austausch von einem zum anderen Gerät.

Virenschutz für Mobiltelefone erfolgt am besten auf dem WAP-Gateway, da die gesamte Kommunikation diese Stelle passiert. Mit zunehmend vernetzter Telekommunikation wird der Einsatz von Antiviren-Software auf den einzelnen Handys sinnvoll. Hierfür fehlen dort derzeit vor allem noch Prozessoren-Power und Speicherplatz. Bei PDAs könnte die Antiviren-Software während des Datenabgleichs mit dem PC eingesetzt werden. Auch hier bedarf es früher oder später eines individuellen Schutzes auf dem Gerät selbst.

Es passiert leicht, dass bei Ausbruch eines neuen heiklen Computervirus die Angst größer ist als die reale Gefahr, welche davon ausgeht. Oft genug entstehen Hypes um neue Viren oder Virenarten, die mit der Realität nicht viel zu tun haben.

Die heute geschürte Angst vor Viren auf Mobilgeräten ist verfrüht. Die Geräte sind einfach noch nicht leistungsfähig genug, um weitreichende Vireninfektionen zu erlauben. Ein Virus ist immer durch die Funktionalität der Plattform, die er infiziert, begrenzt.

Auch wenn es derzeit immer wieder zum Gesellschaftsspiel wird, sich über potenzielle Gefahren von morgen Gedanken zu machen, die vielleicht niemals Wirklichkeit werden, sollte jeder Anwender den Blick auf die echten Gefahren von heute lenken. Der Virenschutz herkömmlicher Geräte ist auf jeden Fall die Grundvoraussetzung dafür, heute und morgen geschützt zu sein und ein richtiges Bewusstsein für kommende Gefahren zu entwickeln. Generell sollte dabei der ängstliche Blick auf den potenziellen Kometenhagel nicht das herannahende Taxi verpassen.

Pino von Kienlin ist Geschäftsführer der Sophos GmbH
http://www.sophos.de

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Dr. Manfred Wöhrl

Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. ..mehr..

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