Jürgen Hönig

Man muss zwischen Internet-Portalen und Unternehmensportalen wie Enterprise Information Portale (EIP) und Enterprise Application Integration (EAI)-Portale bzw. Migrations- und Applikations-Portale (MAP) unterscheiden. Portale helfen Zeit sparen und stellen den Anwendern, wann und wo diese wollen, alle für sie relevanten Informationen und Applikationen zur Verfügung. Ein Single-Point-of-Access, individuell für jeden User oder jede Gruppe von Usern, bildet den Einstieg in Portallösungen.
Abgrenzung verschiedener Portale
Portale entstanden zuerst im World Wide Web und gingen aus Suchmaschinen wie etwa Yahoo, Altavista und Netscape hervor. Diese Web-Portale bieten neben Suchfunktionen und einem Angebot populärer Web-Seiten eine Vielzahl von weiteren Diensten, wie E-Mail, Shopping, Diskussionen und Chat. Bei Internetportalen unterscheidet man zwischen allgemeinen, "horizontalen" Portalen wie Yahoo! und vertikalen Portalen, auch "Vortals" genannt, die für Gruppen von Personen, sogenannten "Communities", zugeschnittene Information anbieten.
In abgewandelter Form entstanden dann die ersten Unternehmensportale, eine Sonderform der vertikalen Portale, hier bildet die Belegschaft des Unternehmens und/oder die Interessenten an Produkten des Unternehmens die Communities. Mit Unternehmensportalen lässt sich das Wissens- und Applikationsmanagement optimieren, um Mitarbeitern und Kunden des Unternehmens entscheidungs- und handlungsrelevante Informationen und Applikationen bereitzustellen und bei der intelligenten Verarbeitung dieser Informationen zu unterstützen. Portale sind eine wesentliche Basistechnologie und stellen Einstiegspunkte in Unternehmensnetzwerke dar, die direkten Zugang zu individuell organisierbaren Applikationen und Informationen anbieten. Sie sollen die Informationsvielfalt im Unternehmen strukturieren und den Mitarbeitern einen zentralen Zugangspunkt zu den Applikationen bieten. Dabei ist die Möglichkeit der Ausrichtung am individuellen Bedarf der Benutzer, eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg eines Unternehmensportals.
Enterprise Information Portal (EIP)
Enterprise Information Portale liefern sowohl strukturierte, entscheidungsrelevante Informationen, als auch unstrukturierte Informationen von den unterschiedlichsten Quellen. Durch ein EIP wird die Möglichkeit gegeben, diese Informationen gezielt und gesammelt zur Verfügung zu stellen. Über eine einheitliche Plattform durchsucht das EIP-System mit nur einer Suchanfrage mehrere Datenquellen und liefert Anwendern die Ergebnisse von allen Datenquellen zurück. Das Format der Daten spielt dabei keine Rolle, sie können teilweise auch kategorisiert und automatisch zusammengefasst werden. Enterprise Information Portale liefern auf Bedarf den Zugangsberechtigten viele Informationen, die sie zu Entscheidungen benötigen. Sie umfassen vom klassischen Reporting über Nachrichten und Firmendokumente bis hin zu detaillierten Geschäftsanalysen das ganze Spektrum an Informationen, die man heute zusammentragen muss, um gezielt die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Enterprise Application Integration (EAI)
Für viele Unternehmen stellt sich die Frage, wie sie ihre Applikationen bestmöglich nutzen und verwalten, um von den Vorteilen der neuen Informationswirtschaft zu profitieren. Die Antwort sind Enterprise Application Integration Portale, die vorhandene Applikationen in neue Anwendungen integrieren. Das macht sich für Unternehmen durch Kosteneinsparungen und straffere Arbeitsabläufe bezahlt.
EAI ist Teil eines E-Business-Gesamtkonzeptes und spielt darin die wichtige Rolle der Infrastruktur. EAI-Software ist also die technische Middleware-Voraussetzung für die Realisierung einer E-Business-Strategie. Es gilt aber nicht nur bestehende Anwendungen in neue Systeme einzubinden, sondern vielmehr müssen heutige Systeme auch die Anforderungen von morgen erfüllen können. Neue und alte Systeme müssen kooperieren; der Integrationsprozess darf außerdem die Performance nicht beeinträchtigen. Die Legacy-Systeme stellen für das Unternehmen keine Altlast dar, sondern sind wertvolles Vermögen und Investition in die Zukunft. Für diese Einsatzzwecke gibt es die den EAI-Portalen ähnlichen Migrations- und Applikations-Portale (MAP). Sie beziehen auch klassische Anwendungen mit ein, wodurch sich komplexe heterogene Anwendungsnetze einfacher beherrschen lassen, denn Sie ermöglichen eine sanfte Migration zu neuen Technologien.
Migrations- und Applikations-Portale (MAP) im Detail
Migrations- und Applikations-Portale (MAP) sind modular aufgebaute Software-Komponenten, die im Baukastenprinzip den Unternehmen einen Zugang zu allen Unternehmensservern und den dort residierenden Applikationen ermöglichen.
Zusätzlich erhalten Unternehmen einen einfachen und effektiven Weg zur sanften Web-to-Host-Migration. Die Architektur auf Basis von Komponenten bietet den Vorteil, Applikationen leicht verteilen, austauschen und weiterentwickeln zu können.
Der Migrationsgedanke
70% des Datenbestandes von Großunternehmen befinden sich auch heute noch auf Mainframes, oftmals noch in SNA-Strukturen eingebunden. Die Migration von SNA zu TCP/IP bedeutet die Integration von Mainframe- und Midrange-Systeme in moderne Netzwerke. Es ist ein Technologie-Sprung, der in IT-Organisationen vieles zum Besseren verändern, teilweise aber Probleme mit sich bringen kann. Da die wenigsten Unternehmen von Heute auf Morgen zu Web-to-Host-Lösungen migrieren, müssen die geplanten Einsatz-Konzepte beide Standard-Protokolle, SNA und TCP/IP, gleichzeitig unterstützen. Hier setzt das Migrationskonzept von MAPs an, denn diese Portale enthalten beide Zugriffsmöglichkeiten. Der Single-Point of Administration nimmt einen zentralen Stellenwert ein, wenn es darum geht, die Verwaltung der DV auf einem akzeptablen Aufwandsniveau einzupendeln. Bi-direktionale Strategien, die gleichermaßen Windows- und Browser-basiertes Computing berücksichtigen und eine flexible, stufenweise Migration zu Web-to-Host Technologien unter Integration multipler Server und Applikationen ermöglichen, bilden das Fundament für MAPs.
Das Zusammenspiel von klassischen Emulationen und Web-to-Host-Lösungen
Für den Zugang und die komfortable Nutzung der auf Mainframes- und Midrange-Systemen befindlichen Daten gehören neben den seit Jahren in Einsatz befindlichen klassischen Emulationen, inzwischen Javaprogramme und Java-Applets. Ihr Ziel soll es sein, die gewachsenen, heterogenen Strukturen zu optimieren und mit der Flexibilität und Funktionalität dezentraler Architekturen in Einklang zu setzen.
Eine MAP-Lösung stattet Unternehmen sowohl mit Windows basierten Clients als auch mit einer Web-to-Host-Lösungen für den Zugriff auf Unternehmensserver aus. Unternehmen migrieren nun "sanft" und sukzessive von einer Windows- und SNA-basierten Umgebung hin zu einer Web-to-Host-Umgebung. Die Implementierung von klassischen Emulationen in die Host-Umgebung bereitet normalerweise keine Schwierigkeiten, anschließend kann die IT-Abteilung sukzessive den Übergang zu einer Web-to-Host-Struktur vornehmen. Sind Abteilungen, Außenstellen oder Homearbeitsplätze für die Web-to-Host-Technologie vorbereitet, weist der Administrator die neuen Applikationen zu.
Wichtige Voraussetzung hierbei bilden absolut identische Benutzeroberflächen der unterschiedlichen Clientapplikationen. Der Anwender darf zwischen klassischer und Web-to-Host-Emulation keine Unterschiede in der Handhabung und Oberfläche feststellen. Alle individuellen Einstellungen des Users müssen automatisch übernommen werden. Letztendlich bemerkt der Anwender die Umstellung nicht und kann damit sofort produktiv weiterarbeiten. Deshalb müssen auch beide Softwarelösungen die gleichen Standardschnittstellen (HLLAPI, OHIO, OLE etc.) unterstützen. Dies zeigt sich dort elementar, wo das Unternehmen eigenentwickelte Applikationen auf Basis dieser Schnittstellen zum Einsatz bringt.
Applikationsgedanke
Ein MAP ermöglicht aber nicht nur eine leichtere Web-to-Host Migration, sondern soll den Anwendern Zugriff auf alle im Unternehmen befindlichen Server und deren Applikationen öffnen. Dies reicht von traditionellen 3270-, 5250- und VT-Zugriffen über X11-Applikationen bis hin zu Datenbankzugriffen und der Einbindung neuer Konzepte, wie den Windows Terminal Server.
Das Applikationskonzept eines MAPs überschneidet sich hier mit den Lösungen, die Enterprise Applikation Integration (EAI) Portale bieten. Wichtig sind offene Lösungen die plattformunabhängig agieren können. Ein MAP besteht im wesentlichen aus den drei Ebenen Server, Administration und Applikation.
- Server-Ebene
In dieser Ebene residieren die unterstützten Zielserver. Für alle diese Server und deren Applikationen bietet das jeweilige MAP eine "Connectivity-Lösung". Deren Standardschnittstellen und Applikationen müssen die Portalanwendungen erfüllen und verstehen.
- Administrationsebene
Die Administrationsebene bildet das Herz eines Migrations- und Applikations-Portals. Hier administriert der IT Verantwortliche mit entsprechenden Tools zur Verwaltung alle Einstellungen, die Server-Komponenten (Portal-Server und Proxy-Server) und die Portal-Datenbank in der die Benutzereinstellungen abgelegt sind. Der Administrator sollte alle Einstellungen, User und Berechtigungen von einem Tool aus verwalten, vererben und konfigurieren können (Single-Point-of-Administration).
Die Aufgabe eines Portal Servers ist die Verwaltung der Portal-Datenbank in der sich alle anwenderbezogenen Einstellungen befinden. Außerdem überprüft er die Benutzerrechte und stellt für den entsprechenden Client alle Benutzerrechte und Einstellungen bereit. Der Portal Server wartet im Hintergrund auf Verbindungen, welche die Portal Clients aufbauen; die Verbindungen zwischen den Portal Clients und dem Portal Server bestehen allerdings nicht permanent, da sich bei einer großen Anzahl von Clients die Systemressourcen des Servers, auf dem der Portal Server läuft, drastisch erhöhen würden. Vielmehr baut der Client beim Starten für eine bestimmte Zeit eine Verbindung zum Portal Server auf und anschließend automatisch wieder ab. Ein zugehöriger Proxy Server erhöht die Datensicherheit im Unternehmen, da er als einziger, zentraler Zugang ins Firmennetz fungieren kann. Des weiteren können Proxys für Verschlüsselungslösungen hilfreich sein und Protokollierungsaufgaben wahrnehmen.
- Applikationsebene
Auf der Applikationsebene sind die entsprechenden Client-Produkte definiert. Jedes Unternehmen kann auf Grund der Komponentenstruktur der MAPs die für sich sinnvollen Applikationen einsetzen. Die Software-Lösung HOB Enterprise Portal der Zirndorfer HOB unterstützt klassische Emulationen und Web-to-Host-Lösungen für 3270, 5250 und VT sowie in Kürze auch den Java-RDP-Zugriff auf Windows Terminal Services und X11-Applikationen. Auf dieser Ebene implementieren Unternehmen auch die für sie relevanten Sicherheitslösungen. HOB zeigt mit dem HOB Enterprise Portal und seiner Verschlüsselungs- und PKI-Lösung HOBLink Secure einen konsequenten Weg für eine sichere Gesamtlösung auf.
Portale nehmen in Zukunft wichtige Funktionen in der IT Infrastruktur wahr. Plattformübergreifende Einsatzmöglichkeiten, Standardschnittstellen und ein schlüssiges Sicherheitskonzept erleichtern Unternehmen die schnelle Realisierung von Portalprojekten. Der modulare Aufbau vieler Portale lässt jedes Unternehmen die richtigen Bausteine individuell auswählen. Der Einsatz des richtigen Portals kann sich als Königsweg für Migration und Integration erweisen.
Jürgen Hönig ist zuständig
für Partnermarketing und Public Relation bei HOB Deutschland.
http://www.hob.de


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8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 