Newsfeed abonnieren
Netzwerktechnik

Drahtlose Netzwerke

Technische Revolution oder Notlösung?

Ist die schnelle Vernetzung per Kabel ein Problem, so bietet das drahtlose Netz ("WLAN" für "Wireless LAN") in vielen Fällen eine Alternative.

Adolf Hochhaltinger

Das Kürzel "WLAN" - es steht für "Wireless LAN" - wird uns in Zukunft immer öfter begegnen. So brandneu ist diese Technologie zwar nicht mehr, aber erst seit relativ kurzer Zeit gibt es eine gültige Norm für einen verbindlichen Standard der drahtlosen Übertragung.

Zwar gab es auch davor schon gut funktionierende Lösungen von einigen Anbietern, sie mussten jedoch mangels gemeinsamer Norm als firmeninterner (proprietärer) Standard des jeweiligen Unternehmens vermarktet werden. Erst mit der Verabschiedung des weltweit gültigen Standards 802.X wurde sichergestellt, dass nun auch WLAN-Module verschiedener Hersteller problemlos miteinander kommunizieren können.

Mit anderen Worten: Der Anwender kann nun bei seinem Wireless LAN verschiedene Fabrikate "mischen", er kann aus den Modulen verschiedener Hersteller eine Anlage zusammenstellen, oder ein Notebook mit eingebauter WLAN-Funktion erwerben (gibt es z.B. von Toshiba) - und das ganze System funktioniert dann auch.

Kein Drahtverhau mehr

Der große Vorteil eines drahtlosen Netzwerkes ist ja, dass jeder Mitarbeiter im Haus, wo er auch gerade sein mag, schnell und einfach Zugang zum Firmennetzwerk hat - sogar dann, wenn er im Außendienst arbeitet und nur selten in der Firma anzutreffen ist. Sobald er das Firmengebäude (bzw. den vernetzten Bereich) betritt, kann er sich sofort und ohne jeden Aufwand überall im Firmengebäude drahtlos in das Firmennetzwerk einloggen.

Er braucht hierzu nur zwei Voraussetzungen: erstens ein Notebook mit einer WLAN-PC-Karte, die die Funkverbindung zum nächsten Access Point herstellt - und seine Zugangsberechtigung (login) für dieses Netzwerk.

Roland Nowak von Highspeed Cabling ergänzt: "Sinnvoll ist ein WLAN auch überall dort, wo ich erhöhte Mobilität benötige und ein Kabelanschluss störend wäre, also beispielsweise in Besprechungsräumen, beim Service von Flugzeugen oder im Lagerbereich."

Auch für private Anwendungen ist ein WLAN manchmal sinnvoll, beispielsweise wenn man den Server im Wohnzimmer stehen hat und bei schönem Wetter draußen im Garten oder am Swimmingpool mit dem Notebook arbeiten möchte. Den finanziellen Aufwand für eine solche Verbindung beziffert Klaus Breimaier von Kontakt Systeme Inter mit rund 12.000,- Schilling (inkl. MWSt.), davon ca. 3.600,- Schilling für eine PCMCIA-Karte im Notebook, der Rest für Access Point etc.

Denkmalschutz

Eine wichtige Anwendung drahtloser Netzwerke ist die Vernetzung von Unternehmen, die in alten und denkmalgeschützten Gebäuden residieren. Hier ist das Aufstemmen von Wänden meist nicht möglich, da ist die drahtlose Übertragung der einzige Weg, alle Rechner des Unternehmens bzw. alle Teilnetze zu einem Netzwerk zusammenzuschließen.

Egal, ob es die Verrechnung in einem (Burg-) Restaurant, die Vernetzung der Stiftsverwaltung im Stift Klosterneuburg mit seinen vielen Nebengebäuden oder die Abwicklung von Kunstausstellungen in der Wiener Sezession ist - in all diesen Fällen war ein drahtloses Netzwerk die beste Lösung.

Sicherheit tut not!

Da es gerade bei einem Funk-LAN praktisch für jedermann möglich ist, mit einem Notebook und einer WLAN-Karte mit dem Netzwerk in Kontakt zu kommen und hier zu "probieren", oft sogar auch von einigen Standorten außerhalb des Gebäudes, sollte man hier auf jeden Fall auf höchste Sicherheit achten.

Das bedeutet unter anderem, nach dem normalen Login noch eine starke Authentisierung folgen muss. Ein einfaches Login mit Username und Passwort (schlimmstenfalls z.B. Login: "Frank", Passwort: "Schatzi") ohne weitere Kontrolle ist dabei auf jeden Fall zu wenig und öffnet unerwünschten Eindringlingen Tür und Tor.

"Sind Sie's wirklich?"

Bei einer Authentisierung dagegen wird auf der Basis von hochkomplexer Verschlüsselungstechnologie ein bestimmter Schlüssel (genauer: ein auf dem Client-Rechner laufendes Sicherheitsprogramm) genutzt.

In der Praxis erhält ein solches Sicherheitsprogramm vom Server einen Zahlenwert, aus dem es (unter Verwendung des Schlüssels und einer komplizierten Formel) einen anderen Wert errechnet und zurücksendet. Stimmt dieser Wert, so ist damit die Identität des Betreffenden bewiesen. Zusätzlich wiederholen viele Sicherheitsprogramme diese Prüfung regelmäßig alle paar Minuten, so lange der Betreffende im Netzwerk bleibt, um ganz sicher zu gehen.

Neben dem eigentlichen Schlüssel werden übrigens in diese Berechnung auch variable Werte wie Datum und Zeit mit einbezogen, so dass sich auch bei der gleichen Ausgangszahl durch diesen Rechenvorgang jedesmal ein anderes Ergebnis ergibt. Somit wäre auch ein "Abhören" und Kopieren von früher verwendeten Prüfzahlen nicht erfolgversprechend.

Zu wenig Anschlüsse

Ein weiterer Anwendungsfall für WLANs ist eine Konferenz oder ein Meeting. Heute haben dabei die meisten Teilnehmer ihre Daten auf ihrem Notebook mit dabei.

Wollen nun mehrere Mitarbeiter zugleich ihre Daten präsentieren oder in das Netzwerk einspielen, so werden die Netzwerkkabel im Konferenzraum knapp. Auch wenn alle die soeben präsentierten Unterlagen gleich aus dem Netzwerk auf ihr Notebook kopieren wollen, ist die Anzahl der im Raum vorhandenen (verkabelten) Netzwerkanschlüsse in der Regel viel zu klein. Für solche Engpässe ist ein WLAN eine sinnvolle Alternative.

Nicht zu viele Nutzer!

Allerdings gibt es auch hier eine Grenze. Harald Zwerschina von Fa. Pürk konkretisiert: "Eine definitive Grenze gibt es zwar nicht, aber man sollte pro Access Point höchstens 20 bis 25 Nutzer zulassen. Schließlich ist solch ein Access Point für das Netzwerk nur ein "shared Ethernet" und die Nutzer teilen sich die Bandbreite von 11 Mbit/s. Bei zu vielen Nutzern funktioniert das System zwar weiterhin, es wird allerdings immer langsamer."

Ist - wie im letzten Beispiel - mit besonders vielen Netzzugriffen zu rechnen, so können hier auch mehrere (bis zu vier) Access Point aufgestellt werden; jeder sendet und empfängt auf anderen Frequenzen. Eine interne Logik sorgt hier überdies für eine gleichmäßige Auslastung aller Access Points. Damit lässt sich dann auch für eine größere Anzahl von Anwendern ein funktionierender Netzwerkzugang realisieren.

Von Haus zu Haus

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit der WLANs geht über die Grundstücksgrenzen hinweg: Anstatt eine Telefon- oder Datenleitung zu benutzen, lassen sich die Netzwerke zweier Standorte miteinander verbinden - allerdings nur, wenn die beiden Grundstücke in Sichtweite und nicht zu weit voneinander entfernt sind. Entfernungen von bis zu ca. 4 km können mit speziellen Antennen überbrückt werden.

Damit werden zwar zwei Netzwerke grundsätzlich zu einem einzigen verbunden, der übertragene Datenstrom hält sich hier allerdings in Grenzen. Die drahtlose Verbindung ist nämlich - wie alle Funkstrecken im WLAN - dem Standard entsprechend für eine Übertragungsrate von maximal 11 Mbit/s je Richtung ausgelegt.

Hindernisse? Ausprobieren!

Meterdicke Mauern stellen oft auch für Funkwellen ein großes Hindernis dar. Andererseits dringen die Signale in diesem Frequenzbereich (2,4 GHz) erfahrungsgemäß meist sogar durch Stahlbetonwände.

Mit anderen Worten: Wer sich eine solche Lösung installieren möchte, muss die Geräte unbedingt "vor Ort" ausprobieren - unter den tatsächlichen Bedingungen der späteren Anwendung. Sonst kann es zu unangenehmen Überraschungen kommen.

Bei Indoor-Lösungen ist es deshalb ratsam, die Standorte der Access Points gut auszutesten und die jeweilige "Ausleuchtung" der Räume mit Funksignalen vor der endgültigen Installation zu überprüfen.

Auch für eine Außenverbindung gibt es ein mögliches Hindernis. Baut beispielsweise jemand gerade auf der Verbindungslinie zwischen den beiden Stationen ein Haus, so kann dies die WLAN-Verbindung auf Dauer blockieren, sie funktioniert ja nur "auf Sicht".

Störsignale

Das letzte Problem kommt von außen, es kann von einem anderen Anwender oder von ganz anderer Quelle kommen, denn dieser Frequenzbereich von 2,4 GHz ist von der Post generell freigegeben. Nicht nur WLANs dürfen sich hier tummeln, sondern auch eine ganze Reihe anderer privater Anwendungen, bis hin zur einer Funkverbindung, um die Signale von Stereoanlage und Fernsehgerät kabellos im ganzen Haus zu verbreiten. Hier können sich zwei Anwender bei zu großer räumlicher Nähe durchaus ins Gehege kommen.

In den Labors wird übrigens schon eifrig am Nachfolgestandard gearbeitet (mit 5,2 GHz und 54 Mbit/s), bis hier allerdings ein weltweit gültiger Standard verabschiedet sein wird, dürfte es noch etwa bis Jahresende 2001 dauern.

Fazit

Freier und unproblematischer Zugang zum Netzwerk für jedermann - ohne Kabel und ohne Aufwand: das ist der große Vorteil der WLAN-Technologie.

Nachteile sind die Begrenzungen bei zu vielen Nutzern (das System wird dann einfach langsam, wie eben jedes überlastete Ethernet) und die vergleichsweise geringe Übertragungsrate, die einer Anbindung mit einem 10 Mbit/s Ethernet entspricht.

Wer allerdings damit zufrieden ist, erhält die wohl einfachste Möglichkeit, von jedem Ort im Funkbereich problemlos auf das Netzwerk zugreifen zu können.

weitersagen: drucken
Termine

18. Juni - 22. Juni

In ganz Österreich

SAP Mittelstandstage

Print-Archiv
Folgen Sie uns
Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum