Stefanie Witta
International haben sich die Vorteile der Softwaremiete bei großen Unternehmen bereits durchgesetzt. Statt teuren Lizenzen, Wartungsarbeiten und ständigen Upgrades wird die jeweils neueste Programmversion einfach gemietet, häufig steht sogar der Server beim Provider, der ihn sachkundig betreibt und seinem Kunden damit aufwendiges Hardwareservice abnimmt.
In Österreichs Klein- und Mittelbetrieben ist Application Service Providing aber noch wenig bekannt, wie eine Umfrage des IFES, Institut für empirische Sozialforschung, Anfang Mai 2001 ergab. 400 Unternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern wurden zum Thema ASP und Outsourcing befragt, knapp ein Fünftel kannten den Begriff ASP nur vage, 15 Prozent der Befragten können eine exakte Definition geben. Konkret interessiert sich bereits jedes zehnte KMU für ASP und die dadurch erhofften Kosteneinsparungen. Allerdings verlangt man von ASP ein hohes Maß an Sicherheit und Zuverlässigkeit. Wesentliche Rollen spielen auch der Preis und eine gute Beratung. Faktoren wie Standortabhängigkeit, kurze Bindungszeiten oder Hardware-Unabhängigkeit treten dabei eher in den Hintergrund.
Typischerweise umfasst das ASP (Application Service Providing) Modell einen ISP, der mittels seiner Connectivity und zentraler Hostressourcen gemeinsam mit Hard- und Softwarefirmen, IT- und Beratungsleistungen für Firmen anbietet, die keine eigenen IT Systeme entwickeln oder betreiben wollen. Die Systeme werden im eigenen zentralen IT (Rechen-)Zentrum gemanaged, wobei auf die Applikationen über ein Netzwerk via Web Browser oder einem anderen graphischen User Interface zugegriffen wird. Software wird dann nicht mehr in Form von Unternehmenslizenzen gekauft, sondern von einem Anbieter, dem Application Service Provider, zur Verfügung gestellt. Die Applikationen reichen von high-end Enterprise Resource Planning (ERP) und Supply Chain Management Systems bis zu einfachen Messaging und Groupware Applikationen.
Angesichts der neuen Geschäftsfelder, die ASP den Internet Service Providern eröffnet, gründete die ISPA (Internet Service Provider Austria) zusammen mit führenden Hardware- und Software-Herstellern die ASP Group Austria (http://www.asp-group.at) mit dem Ziel, eine Plattform für Application Service Providing auch in Österreich zu schaffen. Innerhalb der neu gegründeten ASP Group Austria wurden bereits vier Arbeitskreise für die Bereiche Service Level Agreements, Basistechnologien/Softwareentwicklung, Marketing/PR und Billing/Accounting gebildet. "Die Application Service Provider müssen verstärkt die kleinen und mittleren Unternehmen ansprechen, KMUs sind der größte Markt für ASP", erklärte der Leiter des ASP-Lehrganges der Donau-Universität Krems, Gert Adamek aus Anlass der ASP-Group Austria-Gründung. Allerdings müssten die ASPs ähnlich wie Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder zuerst ein Vertrauensverhältnis zu den KMUs aufbauen.
Für die IT-Industrie bedeute ASP jetzt eine Chance, da das E-Business für die Klein- und Mittelbetriebe noch zu komplex sei und sie die Hilfe ihrer Provider für die Umsetzung von E-Commerce benötigen.
ASP ist vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen der einfachste Weg, um zu einer hochprofessionellen IT-Infrastruktur zu kommen, meint man auch bei Microsoft und verweist darauf, dass qualifiziertes Personal am Arbeitsmarkt nur schwer zu bekommen und die Beschaffung von Hard- und Software kapitalaufwendig sei. All das übernimmt nun der Application Service Provider. Der Kunde benötigt zur Nutzung nichts weiter als einen Internetzugang und einen PC/Windows based Terminal, ausgestattet mit einem Microsoft Internet Explorer. Die ASP-Software befindet sich auf einer durch das Internet verbundenen Server-Farm des ASP-Anbieters. Durch diese Technologie können Anwendungen komplett am Server ablaufen und es müssen nur geringe Datenmengen zum angeschlossenen PC des Anwenders übertragen werden, was eine akzeptable Performance auch über weite Strecken und mittelmäßige Internetverbindungen hinweg erlaubt.
Microsoft hat schon seit einiger Zeit seine Produkte auf das ASP-Zeitalter vorbereitet. So sind beispielsweise Windows 2000, Exchange Server 2000 und Outlook Webclient sowie Office 2000 oder SQL Server nun völlig ASP-tauglich. Die MS-Produkte werden dabei auf Basis einer Miete dem ASP-Partner zur Verfügung gestellt, der diese wiederum in Form von maßgeschneiderten Komplettangeboten in Verbindung mit einer Branchenlösung und Servicepaketen einer breiten Anzahl von Kunden anbietet.
Die Provider rüsten auf
Die großen heimischen Provider rüsten bereits mit Hochdruck für das neue Geschäft und betreiben erste Pilotprojekte. So errichtet beispielsweise KPNQwest (http://www.kpnqwest.at) in Europa 18 sogenannte "Mega Cyber Centers", die als ASP Plattformen betrieben und vermietet werden. Im Mittelpunkt dieser Zusammenarbeit stehen neben Kooperationen mit Microsoft, Compaq und Materna auch Projekte mit ERP Software-Paketen. Seit Mitte 2000 entsteht in Österreich eine ASP-Plattform, bei der KPNQwest das DataCentre und die Internet Connectivity, Microsoft die Software-Basis und Compaq Systeme und Services zur Verfügung stellt. Eine Zusammenarbeit mit Mobilkom Austria in einer als Pilotprojekt angelegten ASP-Lösung für Managed Exchange Services (MES) ermöglicht es, Daten von einem ASP-Server über WAP-fähige Endgeräte bequem von unterwegs abzurufen. Mobile MES wird nach Abschluss des Pilotprojekts als kommerzieller Service angeboten.
Das neue "Mobile MES" ist als Zusatzfunktionalität zu MES, der von KPNQwest lancierten ASP-Lösung für den Microsoft Exchange 2000 Server konzipiert und stellt eine Erweiterung der Unified Messaging-Produktfamilie von Materna dar. Wie die davor vorgestellte MES-Lösung ermöglicht auch die mobile Variante Mails zu lesen, zu editieren und zu versenden, den persönlichen wie den Gruppenkalender zu benutzen und Kontakte zu verwalten. Der Vorteil von Mobile MES liegt in der Unabhängigkeit vom Internet-Zugang und im Wegfallen von Synchronisationsvorgängen. Der Benutzer kann mit einem WAP-fähigen Endgerät auf den von KPNQwest gehosteten Server und seine Daten darauf zugreifen und von jedem Ort jederzeit über seine E-Mails, Kalenderfunktionen und Kontakte verfügen. "Mit diesem innovativen Service geben wir dem M-Commerce neue Impulse", freut sich Franz Schiller, Geschäftsführer von KPNQwest.
Weitere ASP-Kooperationen bestehen mit Compaq, Microsoft und Uppdate.com in Form einer ASP-Portal-Implementierung, die den "Marketing.Manager" in Richtung Internet erweitert. Nicht nur das Datenmaterial, auch die komplette Funktionalität ist entsprechend über die Browser-Oberfläche verfügbar. Als erste ASP-Branchenlösung wurde "style.vip.net" in Kooperation mit Compaq Austria und KPNQwest in Wien aufgebaut und mit der Friseur-Software Style 2000 in Betrieb genommen. Das Branchentool bietet Kundenverwaltung, Lagerverwaltung, Personalabrechnung, Lohnverrechnung, Betriebs-Datenerfassung, Gutscheinverwaltung. Online-Bestellservice, Urlaubsplanung, Terminverwaltung. Chipkartenverwaltung, Statistiken, Marketingauswertungen usw. speziell für die Friseur-Branche. Die Programme laufen auf zentralen Servern im CyberCentre der KPNQwest. Auch die sensiblen Daten der Buchhaltung liegen in professioneller Rechenzentrums-Umgebung, hochverfügbar, ausfallsicher und durch Firewalls und Desaster Recovery Mechanismen wie Back-up-Roboter und Storagesysteme geschützt. Auf Wunsch können alle beliebigen Office-Produkte für die Filialen eingesetzt und bereits vorhandene Hardware weiterverwendet werden.
Mittlerweile bieten immer mehr Softwarehäuser ihre Lösungen als ASP-Dienstleistung eines Providers an. Auch Navision Österreich ist bereits ein ASP-Kooperationspartner von KPNQwest, Compaq und Microsoft und offeriert nunmehr seinen Kunden ERP-Lösungen auch als ASP-Dienstleistung.
Gute Vorbereitung ist wichtig
"ASP-Lösungen müssen gut überlegt sein. Hier spielt auch die Qualität des Internetanschlusses eine starke Rolle", weiß Andreas Lenzenhofer, Geschäftsführer der Österreich-Niederlassung von Active ISP (http://www.activeisp.at). Das Unternehmen mit Zentrale in Oslo, Norwegen, richtet sich vor allem an Klein- und Mittelbetriebe, um ihnen eine umfassende Internetpräsenz zu ermöglichen, ohne selbst einen Internetzugang anzubieten. Vorerst hat sich das Unternehmen auf Domainregistrierung, Web- und Serverhousing spezialisiert.
"Produkte wie MS-Exchange bringen heutzutage schon enorme Erleichterungen in einem Firmenverbund, wo das Internet als Kommunikationsplattform genutzt wird", erklärt Lenzenhofer. ActiveISP betreibt im Moment eine Serverfarm in Oslo, welche über drei 34 MB-Backbones an das Internet angebunden ist. Zwei weitere Standorte sind geplant. In Europa verfügt ActiveISP über 880 Marketing- und Entwicklungspartner.
Netway hat sich vorgenommen, seinen ASP-Kunden 100% Verfügbarkeit, 100% Service und 100% Wartung sowie Server Hosting und Housing zu bieten. Seit Herbst 2000 läuft das erste ASP-Projekt, an dem mittlerweile rund 800 Trafiken in Österreich teilnehmen. Den Trafiken wird über VPN (Virtual Private Network) im Trafiknet (http://www.trafiknet.at) Internet-Zugang geboten und damit der Verkauf von Tickets über Austria Ticket Online, von Formularen über help.gv.at und künftig auch von Bahntickets der ÖBB und Klassenlos ermöglicht. In der Compaq-Plattform "the Source" ist Netway ASP gleich von Beginn an mit netway Outlook Web Access (OWA) sowie netway officeweb (Word und Excel) dabei.
"Wir gehen nicht davon aus, dass sich die IT-Landschaft bis übermorgen nachhaltig verändern wird. In Teilbereichen wird ASP jedoch sicherlich eine herrschende Rolle einnehmen", stellt Tristan Libischer, VIANET-Vorstand (http://www.vianet.at) fest. "Als innovatives Unternehmen arbeiten wir an den Lösungen von morgen. In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern entwickeln wir maßgeschneiderte Produkte für österreichische Unternehmen". Neben den klassischen ISP-Services aus den Bereichen Connectivity, Network Services und Webservices schuf das Unternehmen frühzeitig die Voraussetzungen für ein Angebot an projektorientierten, zentralen Applikationen für seine Kunden. Damit kommt Vianet dem steigenden Bedarf nach umfassender Betreuung von der Steckdose bis zur eigentlichen Anwendungsebene nach. Im Rahmen des ASP-Angebotes werden aber auch für individuelle Verrechnungswünsche wie beispielsweise transaktions- oder volumenbasierende Verrechnung entsprechende Datensammlungsschnittstellen (Billing Mediation) bis hin zum Verrechnungssystem selbst in das Gesamtprojekt integriert. So ist auch eine gegebenenfalls bedarfsorientierte Kostenabrechnung gewährleistet.
Bereits im Jahr 2000 initiierte Vianet gemeinsam mit den Partnern Compaq und Microsoft ein nationales ASP-Business-Portal. In einer Testphase wurde Interessenten die Möglichkeit geboten, sich vom einfachen und qualitativ hochwertigen Arbeiten in der ASP-Umgebung zu überzeugen. Reges Interesse und positives Feedback bestätigten die Richtigkeit des Business-Konzepts. Viele Kunden machten gerne von dem Angebot Gebrauch und überzeugten sich, wie einfach es ist, Software über das Internet zu nutzen. Programme wie Microsoft Office 2000, Microsoft Exchange sowie WINLine der Firma Mesonic standen den Internetusern dabei zur Verfügung. Die daraus gewonnenen Erfahrungen und zusätzliche Aspekte wie Mobilität in der Anwendung werden nun in das derzeitige Schwerpunktangebot von Vianet im Rahmen von ASP, nämlich dem Application Infrastructure Providing (AIP) eingebunden. Dabei stellt Vianet seinen Kunden aus dem Markt der Softwarehersteller ein umfassendes Paket auf Projektbasis bereit, beginnend bei einer Consulting-, Test- und Evaluierungsphase bis hin zur integrativen Lösungsumsetzung. Vor allem in der Projektstartphase ist das breite Know-how eines spezialisierten Projektteams sowohl in bezug auf Technologie als auch in den sensiblen Bereichen des ASP-Processings, bei Service Level Agreement, Security und Business Planning von unschätzbarem Wert. Darüber hinaus rechnet man bei Vianet damit, dass diese partnerschaftlichen, individuell gestalteten Projekte mit Software-Anbietern in weiterer Folge auch anteilig den Weg für branchenspezifische Komplett-ASP-Lösungen gegenüber der breiten Masse an Businesskunden bereiten werden.
Gute Verbindungen sind wichtig
Wie eingangs schon erwähnt setzt Application Service Providing schnelle Datenleitungen über Breitbandkabel, DSL oder eigene Glasfaser-Anbindungen voraus. So gut wie alle namhaften heimischen Provider bieten seit einiger Zeit extra schnelle Internetzugänge an. So hat Net4You (http://www.net4you.at), ein Unternehmen der US Via Net.Works mit einem eigenen synchron und redundant ausgelegten Backbone Netzwerk, das Amerika und Europa miteinander verbindet, eine eigene ADSL-Produktlinie entwickelt, die auch eifrigsten ASP-Nutzern gerecht wird.
Der ADSL Highspeed Zugang von Net4You eliminiert zeitaufwendige Einwahlprozeduren und ermöglicht eine Verbindung, die immer online ist. Das Modem erreicht derzeit Übertragungsgeschwindigkeiten von 512 kbit und ist somit achtmal schneller als herkömmliche Modems. Es sind aber auch Bandbreiten von 256/256 kbit und 512/256 kbit verfügbar. ADSL4Biz ist mehrplatzfähig und gestattet den Anschluss beliebig vieler Computer. Außerdem vergibt Net4You statische IP-Adressen, die es beispielsweise ermöglichen, einen eigenen Mailserver zu betreiben. Im Produkt für Business-Kunden enthalten sind 5 MB private www-space, 10 E-Mail-Boxen und 500 MB Datenvolumen.



7/2011
6/2011
5/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 