Hans-Peter Bürgler
Die Strenesse AG mit Hauptsitz im deutschen Nördlingen ist ein mittelständisches Unternehmen mit etwa 500 Mitarbeitern, das im Geschäftsjahr 1999 einen Jahresumsatz von 160 Mio DM erzielt hat. Für das Entwerfen seiner beiden Linien GS und Blue, die jeweils als Winter- und Sommerkollektion erscheinen, setzt das Modeunternehmen seit Jahren den Designer, eine Pixelgrafik-Software von Micrografx, ein.
Nach dem Designen der einzelnen Bekleidungsstücke hieß nun der nächste Schritt, die diversen Entwürfe der beiden Kollektionen mit der Modell- und Stoffnummer für die weitere Bearbeitung auszuzeichnen. Diese Informationen wurden in einer Datenbank nachgeschaut, abgeschrieben und mussten anschließend händisch in die Skizzen übertragen werden. Abschließend generierte eine Barcode-Software aus den Modell- und Stoffinformationen einen Strichcode für die weitere Bearbeitung. Pro Saison wurden auf diese Weise etwa 500 bis 600 Modelle der beiden Linien ausgezeichnet und in sogenannte Verkaufsbücher integriert.
Doch das Generieren und das Ändern der Barcodes sowie die manuelle Dateneingabe waren zeit- und kostenintensiv und die zudem sehr fehleranfällig. Innerhalb des Projektes standen zwei Bereiche im Vordergrund: Das Entwerfen neuer Kollektionen anhand einer umfassenden Grafiklösung sowie die Automatisierung von Prozessen mit Hilfe einer individuell abgestimmten Anwendung. Die Lösung sollte sein, eine zentrale Plattform zu schaffen, die diesen Workflow automatisierte.
Die Erwartungen an die Software waren dabei klar definiert: Das iGrafx System sollte helfen, die Produktionskosten erheblich zu reduzieren und für einen freien Informationsfluss zwischen Kreation und Projektmanagement zu sorgen. Das bedeutete, den Zeitaufwand deutlich zu minimieren und potenzielle Fehlerquellen in der Produktion zu vermeiden, die sich überwiegend durch die manuelle Eingabe von Daten einschlichen.
Bei der Suche nach einer Software-Plattform kristallisierte sich für die Strenesse AG als einzig machbare Lösung schnell das iGrafx System von Micrografx heraus, eine modular aufgebaute, skalierbare Software-Plattform für technische Illustration und Prozessmanagement. Die Strenesse AG hatte bereits mit früheren Anwendungen von Micrografx sehr positive Erfahrungen gemacht. Zur Realisierung des Projektes wurden zwei Komponenten des iGrafx Systems implementiert: Der iGrafx Designer, ein Grafikpaket bestehend aus einem Pixel- und Vektorgrafikprogramm, in der Kreativabteilung des Unternehmens und iGrafx Professional in der kaufmännischen Arbeitsvorbereitung.
Mit dem iGrafx Designer sollten Skizzen und Entwürfe als Vektorzeichnungen für die weitere Bearbeitung und den Produktionsprozess erstellt werden. Die so entstandenen Skizzenblätter sollten in einem späteren Prozessschritt in die Verkaufsbücher integriert werden. Dabei garantierte der Plattformgedanke vom iGrafx System die reibungslose Einbindung der Vektorzeichnungen in die Flowchart-Software.
Das zentrale Stichwort für eine effizientere Produktion der Kollektionsbücher hieß "Automatisierung". Mehr Effizienz bedeutete hier vor allem eine schnellere Erstellung mit einer geringeren Fehlerquote. So war der Rahmen für den Einsatz von iGrafx Professional vorgegeben.
Mit Hilfe der Software und einer von Micrografx programmierten Kundenanpassung auf Basis von Visual Basics for Applications 6.0 wurden die Verkaufskataloge automatisch an das interne IBM AS/400 Datenbanksystem angebunden sowie die Generierung von Strichcodes automatisiert. Einer der großen Vorteile dieser Gesamtlösung ist, dass die zuvor in iGrafx Designer erstellen Skizzenblätter in iGrafx Professional automatisch eingelesen und an das Back-Office System angebunden werden können. Somit entfiel die manuelle Eingabe von Preisen, da diese jetzt direkt aus der AS/400 Datenbank eingelesen werden. Zudem lassen sich jetzt die Kollektionen im Handumdrehen mit der richtigen Währung auszeichnen.
Das Resultat
Die ursprüngliche Zielsetzung einer fehlerfreien und effizienten Auszeichnung der Kollektionen konnte Strenesse zu 100 Prozent mit der kundenspezifischen Lösung umsetzen. Auch die zuvor nicht absehbaren Kundenanforderungen, die während der Entwicklungs- und Testphase entstanden, ließen sich in den Prozess integrieren. Für die zwei Designlinien und die Erstellung der Verkaufsbücher in 10 Währungen war ein Zeitaufwand von etwa 40 Mann-Tagen pro Jahr notwendig. Durch die Automatisierung mit dem iGrafx System konnte dieser Workflow nun auf lediglich etwa 20 Stunden pro Jahr reduziert werden.
Neben der deutlichen Zeiteinsparung wird durch die automatische Datenbankanbindung zusätzlich eine Fehlerfreiheit bei den Preisen sowie bei der Bar-Code Generierung gewährleistet. Sollten Fehler in der Datenbank auftreten, werden selbst diese durch eine Log-Datei protokolliert und können dadurch sofort erkannt und korrigiert werden. Dies bedeutet für die Strenesse AG einen eindeutigen Konkurrenzvorteil, da bei Wettbewerbern oftmals die Verkaufsbücher ohne Preise und Barcode ausgeliefert werden und diese am Ausstellungsstück oder am Modell eingelesen werden müssen.
Hans-Peter Bürgler ist IT Leiter bei der Strenesse AG




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 