Dass Risikokapital nicht nur etwas für Start-ups ist, beweist ein schon 1990 von Siegfried Milly und Ernest Friedwagner gegründetes Unternehmen. Mit der Firma Infoniqa haben sie im oberösterreichischen Wels ein Softwareunternehmen aufgebaut, das sich entgegen dem derzeitigen Trend höchst erfolgreich auf Expansionskurs befindet.
"Wir unterscheiden uns nicht nur durch unsere mehr als zehnjährige Erfahrung von anderen Unternehmen, die auf der Suche nach Risikokapital sind, sondern konnten unseren Investoren bereits ein fertiges Produkt vorweisen", erläutert Dr. Markus Köberl, Marketing Director, die Unterschiede zu einem typischen Start-up-Unternehmen.
Bei diesem Produkt handelt es sich um "ec2use", eine Softwarelösung für den E-Commerce-Bereich, die alle Teilnehmer des Geschäftsprozesses verbindet und so die Kommunikation enorm beschleunigt. "Ob Außendienstmitarbeiter oder Lieferanten, alle werden von diesem e-communicator mit den für sie relevanten und aktuellen Informationen versorgt", so Köberl. Nicht nur die schnelle Kommunikation spricht für dieses Softwareprodukt, das in Österreich von immer mehr Unternehmen genutzt wird, sondern auch handfeste finanzielle Vorteile, wie Köberl ausführt. "Durch die elektronische Abwicklung lassen sich Fehllieferungen vermeiden. Jeder Unternehmer weiß, welche Mehrkosten anfallen, wenn ein Kunde die falsche Ware geliefert bekommt und reklamiert. Da mit Hilfe von ec2use die Fehlerquoten enorm gesenkt werden können, ist das Einsparungspotential entsprechend groß."
Mit der Markteinführung im Jahr 1999 floss dann auch das erste Risikokapital, denn, so Köberl, "ohne Investoren hätten wir die nächsten Schritte nicht geschafft". Natürlich sei diese Art der Venture-Finanzierung eine enorme Herausforderung für das Unternehmen gewesen, verweist Köberl auf die Umstellungen, die eine solche Beteiligung mit sich bringt. "Man kann plötzlich nicht mehr alleine entscheiden und verliert an Einfluss. Aber man bekommt durch den Partner auch ganz neue Betrachtungsweisen vermittelt und überwindet so eventuell seine eigene Betriebsblindheit."
Der größte Vorteil liegt nach Ansicht Köberls aber in den Netzwerken, über die ein Risikokapitalgeber verfügen sollte. Auf diese Partnernetzwerke zurückgreifen zu können, sei zum Beispiel beim Aufbau der Vertriebsniederlassung in München sehr hilfreich gewesen, erläutert er. "Wir brauchten Wirtschaftstreuhänder, Headhunter oder auch Büroräumlichkeiten und konnten auf ein gut funktionierendes Netz zurückgreifen", so Köberl. Mit Hilfe des Risikokapitals hat das Unternehmen einen Wachstumsprozess eingeleitet, den es ohne die Beteiligung von Investoren nie mit dieser Geschwindigkeit umsetzen könnte. "Wir wollen den europäischen Markt erobern", verweist Köberl auf die Herausforderungen für das Unternehmen, "und dabei sind Marketing und Personal die größten Kostenfaktoren".
Die Zahl der Mitarbeiter ist in den letzten 18 Monaten von 28 auf fast 100 angestiegen. Fingerspitzengefühl ist also gefragt, um die neuen Mitarbeiter zu integrieren und keine Unzufriedenheit aufkommen zu lassen. Dies scheint gelungen zu sein, denn "wir haben fast keine Fluktuation", berichtet Köberl und führt dies auch darauf zurück, "dass wir als gewachsenes Unternehmen auf die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter achten". Es müssen also nicht immer nur Start-up-Unternehmen sein, die mit Risikokapital zum Höhenflug ansetzen, denn Infoniqa wird die Erfolgsspur wohl nicht so schnell verlassen.




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8/2011
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Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 