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Office-Monitor

Büromöbel - neue Trends

Und sie bewegen sich doch

Gesunde und praktische Arbeitsplätze ersetzen allmählich starres Ambiente im Büro. Moderne Büromöbel zeigen Phantasie, bewegen sich und die Mitarbeiter. Hier einige Highlights, die von österreichischen Büromöbelfirmen angeboten werden. Da geht es um Stühle mit Eigeninitiative: elektronisch und angenehm bewegen sie den Hinterteil des Mitarbeiters und entlasten seine Wirbelsäule. Ein Konferenz-Stehtisch mit gepolstertem Alcantara-Bezug sorgt für Gedanken- und Ellbogenfreiheit bei Meetings. Komplett angebotene Büro-Cafeterias machen Schluss mit dunklen Kühlschrankkämmerlein, und Tische werden zu Systemen.

Dimitri Ikonomu

Gesundheit ist ein Gut, das man sich selbst schenken muss. Wenn sich diese Einsicht durchsetzt, dann sitzen und liegen die Büromitarbeiter gut. Der Geschäftsführer der Wiener Büromöbelfirma A.P., Aldo Pichler, legt Wert auf gute Stühle in seinem Angebot. Im Durchschnitt hat ein 72-jähriger Mensch insgesamt 38 Jahre gesessen, nicht hinter schwedischen Gardinen, sondern oft auf schlechten, unergonomischen Stühlen. Viele Büroangestellte sitzen bis zu acht Stunden täglich. Ob die Schreibtischplatte aus edlem Mahagoni oder eine einfach geschliffene Spanplatte ist, spielt keine große Rolle, Hauptsache die Höhe stimmt. Beim Stuhl ist es anders: Wenn der höchstens 300 Schilling kosten darf, sollte man gleich regelmäßige Besuche beim Orthopäden einkalkulieren und sich informieren, in welchen Krankenhäusern die besten Spezialisten für Bandscheibenvorfälle sind. Gute Gesundheitsstühle haben hohe Rückenlehnen mit Schulterkissen und verstellbare Nackenstützen. Ideal sind aufblasbare Becken und bewegliche Sitzflächen; dadurch entsteht in keiner Sitzposition Druck im Unterschenkel, das Sitzen bleibt entspannend.

Neues Highlight im A.P.-Stuhlangebot ist der so genannte Mikromotiv-Stuhl der Firma Drabert. Der Stuhl legt die Mitarbeiter nicht aufs Kreuz, sondern schont es vielmehr durch regelmäßige Rotationen der Sitzfläche. Ein eingebauter Elektromotor sorgt dafür, dass sich der Sitz fünf Mal pro Minute um 0,8 Grad nach links und rechts dreht. Ein Akkumagazin versorgt den Motor und ist unter der Sitzschale versteckt. Die wohltuende dezente Massage der vier Buchstaben des Mitarbeiters entlastet die Wirbelsäule und entspannt Rücken und Nacken. Der konzentrierte Geistesarbeiter darf endlich gutes Sitzfleisch haben und sich um Tabellen und Bilanzen kümmern; er nimmt dabei die Stuhl-Bewegung kaum bewusst wahr. Die Mikrorotationen durchbluten auch die Beine besser, das Thromboserisiko nimmt ab.

Möbel, die den Mitarbeitern gut stehen

Mitarbeiter, die mit beiden Beinen im Büro stehen brauchen Stehpulte oder Stehtische, die wieder in sind. Gerade wenn kurze Meetings laufen, die Gedanken frei schweifen und die Abteilungsleiter schnell entscheiden müssen, ist der Stehtisch die ideale Stütze. Originelles Angebot des Büromöbel-Marktführers Bene ist der High_Com Table im Cubicle. Clou des Steh- und Besprechungstisches: Eine Bepolsterung durch einen Alcantara-Bezug sorgt für weiche Ellbogenfreiheit. Beim Drauflehnen sinkt man ein wenig ein. Die Atmosphäre wird gemütlich: Die Mitarbeiter stehen sich gut. Um den Tisch können auch Stütz- und Sitzhocker stehen. Das abgebildete Produkt heißt "Stitz" von Firma Wilkhahn.

Besonders gut macht sich der Tisch in einer gläsernen Box, dem so genannten Cubicle. Die Box lässt sich durch Schiebewände verschließen und schirmt zwar so eine Besprechung akustisch ab, ermöglicht aber durch das Glas Blickkontakte - im Sinne einer offenen Atmosphäre. Nach der Erfahrung der PR-Sprecherin der Firma Bene, Désirée Schellerer, stehen Büromitarbeiter anfangs manchmal Änderungen wie Glaswänden skeptisch gegenüber, sehen jedoch mit der Zeit, welche Vorteile neue Systeme bringen. Wenn Glaswände Transparenz im Büro schaffen, werden Wir-Gefühl und Teamgeist gestärkt. Offene Chefs und leitende Angestellte haben in ihren Abteilungen nichts zu verbergen. Wenn und wie oft etwas zu besprechen ist, darf kein Geheimnis sein; warum sollten Sekretärinnen und Sachbearbeiter das eigentlich nicht mitbekommen?

Den richtigen Weg finden

Mitarbeiter brauchen mitunter Orientierung im Bürolabyrinth, damit sie sich nicht verirren. Bene zum Beispiel strukturiert die moderne Bürowelt durch Hinweiseschilder, so genannte Icons, die witzig und treffend sind. Gerade die Struktur im Büro wandelt sich gegenwärtig am meisten. Icons gibt es für sämtliche Einrichtungsthemen; sie erleichtern Planern und Kunden den Überblick und stehen für eine individuelle Unternehmenskultur. Die verschiedenen Zonen werden strukturiert nach dem Motto: einfach planen und einprägsam gestalten. Sie reichen von dem klassischen Empfang und der Garderobe bis hin zu Bereichen, die noch vor einigen Jahren unverständliche Fremdwörter waren.

Im "Call Center" werden Kunden am Telefon bedient; beim "Desk Sharing" werden Schreibtische von mehreren Mitarbeitern benutzt, interessant für Firmen mit vielen Stellen im Außendienst. Bei Start-up-Firmen oder Beratergesellschaften geht es schon fast so zu wie in einem Hotel. Das Icon "Hotelling" weist darauf hin, dass die Arbeitsplätze in diesem Sektor nicht Frau Hofner oder Herrn Lackner gehören, sondern über ein zentrales Buchungsmanagement verwaltet und den Mitarbeitern zugewiesen werden, die sie gerade brauchen. Der Mitarbeiter checkt ein, arbeitet an dem "Desk Sharing"-Schreibtisch und kümmert sich nach getaner Arbeit vor dem Auschecken um seine persönliche "cleaninvest policy". Die "Saubere-Tisch-Ordnung" ist eine unbürokratische Lösung: "Ordnung ist das halbe Leben", denn der nächste Mitarbeiter möchte den Schreibtisch ordentlich vorfinden, damit er frisch mit seinem Tageswerk beginnen kann.

Kaffeetanten sind in

Die Türken haben ihn nach Wien gebracht, der Franzose Talleyrand trank ihn am liebsten heiß wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe: Kaffee. Die Bohne mit oder ohne Koffein hat dem vielleicht wichtigsten Ort im modernen Büro den Namen gegeben: Ohne anständige Cafeteria läuft nichts mehr. Kaffee und Tees wurden zwar schon immer in Büros getrunken aber wie und wo? In dunklen Ecken, die gerade mal mit einer flimmrigen schwachen Neonlampe beleuchtet waren, musste der Mitarbeiter die alte Kaffeemaschine bedienen, die zwischen dem vergammelten Kühlschrank und dem Spülbecken dahinkalkte. Diese Plätze eigneten sich besser für zwielichtige Geheimabsprachen und Mobbing-Pläne als für offene Gespräche und Problemlösungen.

Da ist sich der Niederlassungsleiter für uffix-Büromöbel, Werner Bolek, sicher: Gerade in angenehmer Atmosphäre, also in einer schönen, hellen Cafeteria werden Schwierigkeiten im Arbeitsalltag angesprochen und schnell aus dem Weg geräumt. Außerdem treffen sich gerade in der Cafeteria Mitarbeiter aus verschiedenen Bürosektoren und können so über Abteilungsgrenzen hinweg Probleme besprechen und lösen. Wenn es um kreatives Arbeiten geht, ist die Atmosphäre entscheidend: Licht und Offenheit bringen die zündenden Ideen. Uffix zum Beispiel hat eine Cafeteria- Komplettausstattung in seinem Angebot.

Neue Formen im Büro machen langsam die Runde

"Wo war er noch mal, der Locher? Ah, da vorne rechts liegt er ja." Streckt die Sekretärin nun die Hände aus und bewegt sich von links nach rechts, entsteht ein Halbkreis. Werner Bolek rät seinen Kunden zu bogenförmigen Schreibtischen, denn die sind dem menschlichen Greiferradius angepasst und die bessere ergonomische Lösung. Die Körperformen des Menschen sind nicht eckig. Die Büroarbeit läuft daher auch am besten rund mit weich geformten Tischen. Zimmer mit eckigen Möbeln wirken außerdem dichter bepackt und kleiner. Der gleiche Raum mit runden Tischen erscheint dem menschlichen Auge bis zu 20 Prozent größer.

Ehrgeizige Tische wollen nach oben und helfen dem modernen Büromitarbeiter

Bürotische brauchen nicht ehrlich zu sein, sie sollen sich ruhig verstellen, und zwar problemlos. Komplizierte Systeme für die Höhenverstellung, meist mit Distanzklötzen, laden nicht dazu ein, den Tisch anzupassen. Braucht man doch ein Werkzeug, mindestens zwei Personen und erheblich viel guten Willen. Bequeme elektrische Verstellsysteme dagegen bringen die Augen des Schreibtischarbeiters zum Leuchten, den Firmenbuchhalter und den Chef der Firma oft aber zum Verzweifeln, denn diese Systeme kosten. Blaha bietet mit dem Tischsystem t.y.p.1 eine preisgünstige Lösung. Durch eine einfache Kurbelmechanik verändert auch der körperlich schwache Mitarbeiter die Tischhöhe, und zwar im Bereich zwischen 65 und 80 cm.

Guter Rat kommt manchmal über Nacht, aber besser von Profi-Beratern

Die Standardarbeitsplätze werden immer weniger. Der Vertriebsleiter des Unternehmens Blaha, Gustav Kneisz, ist sich sicher, dass besonders die Beratung von kompetenten Fachleuten im Büromöbelsektor immer stärker erwünscht wird. Die erste Frage, die sich der Experte stellt, ist wie der Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz arbeitet und was man mit der Einrichtung erreichen möchte. Eine Sekretärin, die den ganzen Tag im Unternehmen tätig ist, braucht einen völlig anderen Arbeitsplatz als ein Mitarbeiter, der im Durchschnitt auf zwei Stunden täglich reinschaut. Bei Blaha arbeiten zur Zeit drei, demnächst sechs, professionell ausgebildete Büroberater. Die Akademie Mensch & Büro im deutschen Bad Nauheim bietet spezielle Kurse an; die Schwerpunkte der Ausbildung reichen von der Organisation am Arbeitsplatz, Ergonomie, über Planung bis hin zu Unternehmensprofilen.

Büros für Menschen, nicht Menschen für's Büro

Segen oder Fluch der Globalisierung: Ob nun in Bombay oder in Graz, man darf erwarten, dass der Hamburger überall gleich schmeckt. Das moderne Büro, eine erfrischende Ausnahme: Globale Zeiten bringen die Mitarbeiter zwar ganz schön ins Schwitzen, denn die Konkurrenz lauert überall, aber überall ist nicht das gleiche Büro. Gesund, offen und angenehm sollen sie sein, die neuen Arbeitsplätze. Wie das erreicht wird, hängt von verschiedenen Systemen ab und die Systeme haben sich an die Mitarbeiter anzupassen und nicht umgekehrt. Vielleicht hatte Goethe in seinem Faust schon an moderne Büros gedacht: "Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein."

Internetadressen der im Artikel angesprochenen Büromöbelfirmen:

A.P. http://www.apmoebel.at/
Bene: http://www.bene.com/
uffix: http://www.uffix.at/
blaha: http://www.blaha.co.at/

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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