Es war also sehr einfach Mr. Matures Stimme zu erkennen, als die Leprechauns plötzlich an meiner Tastatur erschienen. Er übertrieb meinen amerikanischen Akzent, als er sagte: "Wehe mir, ich armer Wicht, ich sag es Euch, die Europäer und Amerikaner beklagen den Untergang der Computerindustrie, ich kriege Kopfschmerzen davon, so viel Genörgel und Geraunze..."
Die liebenswürdige Frau Schaum lächelte mich verschwörerisch an und erklärte: "Ich denke, was Mr. Mature uns sagen möchte ist, dass das Ende der Welt doch noch nicht naht. Tatsächlich haben wir uns gestern Nacht darüber unterhalten und sind zu dem Schluss gekommen, dass Ihr Euren Lesern verkünden sollt: Es gibt noch Hoffnung."
"Yes," sagte eine Stimme, die ich erst nach einer Minute erkannte. Sie gehörte Frau Splainit, eine Art Backfischintellektuelle, die alles weiß, oder wenigstens davon überzeugt ist alles zu wissen. "Yes, O Freund der Schokonussecken, glaubt uns doch, wenn wir sagen, dass das Internet nicht aufhören wird zu wachsen, schneller und smarter zu werden. Mehr und mehr Benutzer werden online gehen, die globale Wirtschaft wird weitergehen - wie auch die Globalisierung. Die Venture Capitalists in Europa und den USA werden weiterhin enorme Summen in neue Unternehmungen pumpen. Die Welt wird sich weiterdrehen, sogar die Welt wie wir sie kennen."
Frau Schaum stimmte mit ein: "Und die Leute werden weiter Aktien kaufen. Die Kurse werden steigen, manche werden fallen. Neue Firmen werden gegründet. Einige heute existierende Firmen werden verschwinden. Und - jetzt genau zuhören - die New Economy ist gesund und munter. Die Old Economy steht nicht mit dem einen Fuß auf einem erlegten Rivalen. Die neue und die alte Economy marschieren gemeinsam vorwärts." Sie blickte mich erwartungsvoll an, weil ich nichts sagte - mir hatte es die Sprache verschlagen. "Ihr glaubt es nicht?" fragte sie dann.
Nach einiger Überlegung erkannte ich, dass meine Reaktion vielleicht etwas zu überschwenglich ausgefallen war. Trotzdem, so erklärte ich ihnen, sei der Einbruch des Aktienmarkts und der Tod so vieler Dot.Coms in den USA, Österreich, Deutschland, Frankreich und den UK ein Zeichen, dass eine große Seifenblase geplatzt sei.
"So isses," sagte Mr. Mature, "eine große Blase ist geplatzt. Aber, wie uns die Volkswirtschaftler ja von Anfang an gesagt haben, die Blase musste platzen, weil sie von jeglicher Realität abgehoben war." Er lächelte mich mit seinen Strahlemannzähnen an und sprach weiter. "Worauf man sich hier konzentrieren muss, ist das Bewährte. Die Konstanten, sozusagen." Er ging seine Liste mit Bewährtem mit mir durch. "Es werden immer noch viele, viele Computer gebaut. IBM, Gateway, Dell, Compaq - sie alle finden noch Wege, neue Computer zu bauen und einen sehr vitalen Markt damit zu versorgen.
"Das Internet wird uns bleiben. Und jeden Tag werden neue Dot.Coms aufmachen. Einige werden es schaffen, anderen werden sterben. Microsoft wird weiterhin eine Gelddruckmaschine für Bill und Melinda Gates sein. Ihr Vermögen und das der Microserfs wird weiterwachsen. Wir Leprechauns sind sogar der Ansicht, dass es nicht zur Zergliederung der Firma kommen wird, dank Bezirksrichter Thomas Penfield Jacksons großer Klappe. Und es ist Tatsache, dass David Boies, der Ankläger, der Microsoft mit Ihrer eigenen Aussage über den Schädel gefahren ist, beim Justice Department nichts mehr zu melden hat. Microsoft-Aktien werden nicht auf Null fallen.
"Das viele Geld, das in die Telekommunikationsindustrie geflossen ist, wird nicht von der Donau weggespült. Wireless und eine lange Reihe von Kommunikationsprodukten sind weiterhin eine Wachstumsbranche. Broadband wird sich nach und nach auf Kosten von Kupferdrahtverbindungen durchsetzen - bald werdet Ihr eines Morgens aufwachen und die ganze Welt wird mit mindestens 220 kbps unterwegs sein."
"Bretter. Bretter vorm Kopf," sagte Mr. Mature dann und bewegte belehrend seinen knochigen Zeigefinger. "O Liebhaber der Sundae Spa Eisbecher, Ihr müsst diese Dinge anders betrachten. Ihr verrennt Euch in Details und macht aus jeder Mücke einen Elefanten. Man muss über den Tellerrand hinausblicken."
Den Rest gab mir Fräulein Lieblich. "Ich weiß noch etwas Gutes, was uns bleiben wird," sagte sie. "Ihr kennt doch diese kleinen Links auf praktisch jeder Website, mit Aufrufen wie 'Coole Jobs bei Northern Light'? Die wird es auch weiterhin geben - dieses Jahr und noch länger."
"Es steht nicht so schlimm wie es aussehen mag," schloss sie dann. Nach dieser Unterhaltung mit den Leprechauns musste ich ihnen wohl Recht geben. Es ist überhaupt nicht so schlimm wie es aussieht.
Phrasen die übersetzt werden müssen
Das Zitat: "Konfrontiert mit der Tatsache, dass wir kein Marktführer sind, wurde uns klar, dass dieses Business eine große Herausforderung darstellt, und dass diese Herausforderung nur noch größer werden würde, und dass es Zeit wäre, den Laden dicht zu machen."
Die Umstände: Der Disney-President Robert Iger erklärt der versammelten Presse, dass Disney Go.com ersatzlos zusperrt. Es hat sich ausgeGo.comt.
Die Übersetzung: Wir haben uns zuviel vorgenommen. Wir kennen uns mit Micky Maus gut aus, nicht mit Dot.Coms.
Das Zitat: "Um so mehr Leute Ihre Lebensläufe posten, um so attraktiver werden wir für potentielle Arbeitgeber."
Die Umstände: Kellie Buckly, Sprecherin von Monster.com, räumt ein, dass ihr Headhunter-Jobservice noch nie so gewimmelt hat, dank der Pleitewelle in der Dot.Com-Industrie.
Die Übersetzung: Verweile Augenblick, Du bist so schön.
Das Zitat: "Hewlett-Packard glaubt, es ist eine großartige Gelegenheit, ein wenig innezuhalten und das ganze Steuergefüge umzustrukturieren. Wir halten nichts von der Philosophie, das Internet nie besteuern zu wollen. Es ist einfach nicht realistisch."
Die Umstände: Gary Fazzino, der Vizepräsident der Government And Public Affairs Hewlett-Packard Co. bei der Erörterung der Möglichkeit zur Internet-Besteuerung in den USA.
Die Übersetzung: Das Internet wird ohnedies besteuert werden. Am besten sind wir dran, wenn wir die Höhe der Abgaben mitgestalten, anstelle sie unseren Hals runtergeschoppt zu bekommen.
Das Zitat: "Diese Dinger sind einfach nicht totzukriegen. Die sind für die Ewigkeit gebaut."
Die Umstände: Robert Palmer, der Herausgeber des Hard Copy Observer, eines Branchenblatts der Druckerindustrie, bemerkt die schwindenden Erträge aus dem Verkauf von Laserdruckern, die vermutlich nie wieder zunehmen werden.
Die Übersetzung: Die Hersteller haben leider versagt und vergessen, die übliche Materialermüdung mit einzubauen.




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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 