Während andere Notebooks mit maximal 850 MHz takten, schießt Gericom mit seinem GigaHertz-Notebook den Vogel ab. Ob diese hohe CPU-Leistung auch bringt, was sie verspricht, haben wir uns angesehen.
Das Angebot des Monitor-Chefredakteurs, das neue Gericom-Notebook zu testen, nahm ich freudig an. Die mittelgroße, blaue Kiste war schnell ausgepackt und enthielt neben dem Notebook das Netzkabel mit externem Trafo, ein Modemkabel, zwei buntblaue Handbücher und eine gleichfarbige Treiber-CD. Daneben natürlich die Windows Millenium-Recovery CD mit beiliegender Kurzanleitung und eine Werbe-CD von AOL.
Installieren ist bei modernen Notebooks nicht mehr notwendig, stattdessen müssen nur noch die persönlichen Daten erfasst und die passende Zeitzone bestätigt werden. Außerdem ist es gut, den Akku erst einmal ordentlich laden zu lassen, bevor man ihm schon wieder den Saft entzieht.
Ist CPU-Speed alles?
Das, was das Supersonic 1 GHz von Gericom von allen anderen Notebooks unterscheidet, ist die Verwendung eines normalen Pentium III-Prozessors anstelle eines von Intel speziell für den mobilen Einsatz designten. Der Einwand, dass dieses Teil wesentlich mehr Strom benötigt als seine mobilen Pendants - die übrigens zur Zeit bis maximal 850 MHz takten - stimmt in der Praxis nicht, da Hochleistungsprozessoren dieser Klasse eh die meiste Zeit nur warten. Auch in Sachen Wärmeentwicklung macht das Notebook keine Probleme, ein kleiner Lüfter führt die Abwärme von Zeit zu Zeit nach außen ab.
Der Vorteil der mobilen Prozessoren liegt eher darin, dass die mobilen Intel-Prozessoren auf Wunsch den Prozessortakt und die Kernspannung reduzieren können, um zusätzlich Strom zu sparen. Neben dem hohen Takt greift ein "normaler" Pentium III auch um 33 Prozent schneller auf den Hauptspeicher zu (133 statt 100 MHz Frontside-Bus). Es wäre also zu erwarten, dass das neue Gericom-Notebook seine Konkurrenten sehr alt aussehen lässt. Leider ist dem mitnichten so.
Einer der Geschwindigkeits-Engpässe ist die eingebaute Grafikkarte, eine Trident CyberBlade, die auf dem 14,1 Zoll großen, sehr gut aussehenden TFT-Display eine maximale Auflösung von 1.024 x 768 Bildpunkten bei einer Farbtiefe von 16,7 Mio. Farben erlaubt. Leider zweigt sie die benötigten 8 MB vom - für diese Zwecke relativ langsamen - Hauptspeicher ab, weshalb Windows auch nur 120 MB RAM meldet. Da macht auch die silbrige Oberfläche, die hohe Geschwindigkeit vermitteln soll, keinen Boden gut.
Gemischte Gefühle
Gut gefällt, dass die Audioanschlüsse ebenso wie der Lautstärkeregler vorne angebracht sind, weniger, dass die Tastatur recht klapprig und die Maustasten hart und unbeweglich geraten sind. Das DVD-ROM-Laufwerk auf der rechten Seite ist leider nicht in einem modularen Schacht untergebracht und kann daher auch nicht ausgetauscht werden.
Die Anzeigen für Einschalt- und Ladezustand befinden sich vor der Tastatur und sind somit auch bei geschlossenem Display gut sichtbar. Apropos Display: Das 14,1 Zoll große TFT stellt 1.024 x 768 Bildpunkte in 16,7 Millionen Farben für ein LCD außergewöhnlich gut dar.
Gute Verbindungen
Mobile Geräte müssen sich an möglichst alle Umstände anpassen, und das kann das Supersonic von Gericom auch. Neben PS/2-, paralleler und serieller Schnittstelle kann auch ein externer Monitor oder ein TV-Gerät angeschlossen werden. Der PortBar-Stecker dient zur Verbindung mit der optional erhältlichen Docking-Station, die bei der Verbindung in die beiden Kerben an der Außenseite einrastet. Zwei USB-Buchsen tragen der immer stärker werdenden Bedeutung dieser Schnittstelle Rechnung. Standardmäßig passen zwei PCMCIA-Karten der Typen I oder II oder eine vom Typ III ins neue Gericom-Notebook, die RJ-22-Buchse des 56 k-Modems kann optional einem RJ-45-Anschluss der Fast-Ethernet-Karte Platz machen.
Ein Handbuch zum Schießen
Im Gegensatz zu anderen Gericom-Notebooks haben die Handbücher des Supersonic bunte Umschläge erhalten. Leider ist das offensichtlich auf Kosten der Qualität passiert. Während im dünnen Quick Setup Manual ob der chinesischen und japanischen Variante die Toleranz schon recht hoch ist, wird man im normalen, an sich recht umfangreichen Handbuch getroffen wie vom Blitz: "Wenn Sie nicht eine "Suspendieren-zu-Diskette" Aufteilung haben, und die Batterie läuft niedrig, wird das System nicht fähig sein "Suspendieren-zu-Diskette" zu betreten, und wird suspendieren zum RAM. Der Inhalt wird stattdessen im Speicher bewahrt werden, und Sie müssen die Wechselstrom Anpassungsvorrichtung anschließen." Dass eine Funktionstaste ein "Funktion Schlüssel" ist, lässt sich noch erahnen, was aber ist ein "Einlege Schlüssel"?
Die Gericom-seitige Garantie für das Supersonic 1 GHz beträgt standardmäßig ein Jahr und kann optional auf drei Jahre ausgedehnt werden. Ein schmuckloser Dreiseiter dient zur Anleitung der Reparaturabwicklung und weist darauf hin, was alles sein könnte, wenn das Notebook nicht funktioniert. Auch darüber, dass einige defekte Bildpixel ganz normal sind, wird informiert. Von der Selbstreparatur wird dringend abgeraten, da ansonsten die Garantie erlischt. Wenn also letztendlich das Notebook offensichtlich doch defekt ist, gilt es, den Fehlerbericht auszufüllen und das Gerät gut zu verpacken. Nach Erhalt einer RMA-Nummer von einer kostenpflichtigen Hotline wartet man nur noch auf den Abholservice, dem man das teure Stück aushändigt. Der erste Abholversuch ist ebenso wie die erstmalige Zustellung nach erfolgter Reparatur kostenlos. Die gesamte Prozedur klingt kompliziert, ist es aber nicht und dauert alles in allem zwischen acht und zehn Tagen.
Fazit
Im Großen und Ganzen ist das Ergebnis, das das Supersonic 1 GHz von Gericom bringt, ein wenig enttäuschend. Mangelnde Grafikleistung und langsamer Bus lassen den superschnellen Prozessor am Stand durchdrehen. Auch die Ausführung ist bei weitem nicht so perfekt wie zum Beispiel beim Millenium 3. Schade.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 