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Moniskop

Evan Mahaneys Leprechauns

Der Winter hat seinen toten Punkt erreicht - die Weihnachtsgeschenke sind weggepackt und vergessen, die guten Vorsätze fürs neue Jahr verworfen und verblasst, und es ist kalt. Auf der Suche nach etwas Neuem und Interessanten klapperte ich Computerkataloge und das Internet ab. Wie immer zu dieser Jahreszeit überzeugte mich nichts darin so richtig, und ich hatte großen Bedarf nach einem Besuch der Leprechauns.

Aus dem Amerikanischen von Reinhard Gantar

Es muss also Gedankenübertragung gewesen sein, als sie plötzlich an meiner Tastatur erschienen - wie durch Zauberei und innerhalb eines Augenblicks. Nun, seien wir ehrlich: Es war tatsächlich Zauberei. Wie ich mich freute sie zu sehen! Ich offenbarte den Leprechauns schon zur Begrüßung, dass ich gar kein dankbares Publikum für unsere üblichen Erörterungen wäre, denn mir käme vor, die ganze Computerei hätte ihr Plateau erreicht und verfolge keine erkennbare Richtung mehr. Dieses Jahr würde es nicht mehr geben als einen 1500 MHz-Pentium. Nichts, was die Konsumenten würde hinreißen können. Irgendwann im Jahr 2002 käme vielleicht ein Windows 2000 namens Whistler für Einzelplatz-PCs heraus, aber in Sachen Software wäre Flaute. Und ich war wirklich pessimistisch: Die Welt der Computer schien stillzustehen.

"O Feinschmecker der Mürbteigtörtchen, wie immer liegt Ihr vollkommen falsch. Viele aufregende Dinge geschehen", meldete sich die immer optimistische Frau Süß. "Es ist", hauchte sie mit einer großen Geste, "es ist das Jahr des Content - und Content ist nicht nur großgeschrieben weil es ein Hauptwort ist." (Und fast hätte sie Mister Blade von der Feststelltaste für Großschreibung gefegt.)

Nachdem sie mich angestrahlt hatte, fuhr sie fort: "Ihr werdet dieses Jahr einige ernstzunehmende Inhalte in das Web kommen sehen. Wie wir Euch schon erklärt haben: Die improvisierten DotComs mit ihrem erbärmlichen Angebot lösen sich gerade sehr schnell in Luft auf. Das World Wide Web - ein Name, den man gar nicht mehr oft hört - macht gerade einen Reifungsprozess durch. Mister Fuuturiste, unser Futurist und abgesehen davon ein sehr netter Kerl, kann Euch ein Beispiel geben, das er erst vor kurzem selbst besucht hat."

Mister Fuuturiste stand hochgereckt auf der Eingabetaste und erklärte: "Ich danke Ihnen, Madam. Ihr bezieht Euch vermutlich auf das Projekt Cold North Wind. Es ist nur eines von vielen derlei Unternehmungen, die sich gerade vor unseren Augen entfalten." Er wandte sich an mich und sagte: "Ich setze voraus, Ihr habt vom Cold North Wind-Projekt noch nichts gehört?" Ich nickte, denn tatsächlich hatte ich nicht die leiseste Ahnung, wovon er sprach. Das letzte, was mich in der Mitte des Winters reizen konnte, war kalter Nordwind.

Mister Fuuturiste erklärte weiter. "Cold North Wind ist ein gemeinnütziges Projekt. Eines, dass sich schnell ausbreitet. Kurz gesagt, es ist eine Gruppe von Leuten, die ein Verfahren entwickelt hat, mit dem sie alte Zeitungen digitalisieren kann, die es im Augenblick nur auf Mikrofiche gibt. Sobald eine Zeitungsseite digitalisiert ist, verwenden sie OCR-Software, um den Text zu scannen und einen Index zu schaffen. Durch Ignorieren von Wörtern wie und, aber, oder oder dass - und Dutzenden anderen - funktioniert dieser Index fast wie eine Volltextsuche. Die digitalisierten Bilder der Zeitungsseiten werden als TIF-Format aufgehoben."

"Was das bedeutet ist folgendes", fuhr Mister Fuuturiste fort. "Ein Forscher, oder auch Otto Normalverbraucher, vielleicht auf der Suche nach Vorfahren, kann Textrecherchen vom Heimcomputer aus machen, und das in Zeitungen und Magazinen, die lange vor 1900 erschienen sind. Das ist eine erstaunliche Leistung und sie wird exponentiell wachsen."

Ich war beeindruckt. Als alter Zeitungsreporter konnte ich sehen, dass dies völlig neue Wege eröffnen würde. Ich wusste, dass es da draußen jede Menge Geschichte gab, die der Menschheit helfen konnte, eine Wiederholung und Wiederholung und Wiederholung immer der gleichen Fehler zu vermeiden; gleichzeitig war ich aber darüber besorgt, dass diese Information in staubigen alten Bibliotheken und Zeitungsarchiven begraben liegt und dass weder Autoren noch gewöhnliche Sterbliche jemals Zugriff dazu erhalten und daher auch nichts darüber schreiben könnten. Ich fragte, welche Zeitung schon mit der Aufbereitung ihrer alten Ausgaben befasst wäre.

Frau Süß schaltete sich wieder in die Diskussion ein: "Das erste Blatt in diesem Vorhaben ist die angesehene kanadische Zeitung Toronto Star. Der Toronto Star ging 1892 das erste mal an die Öffentlichkeit, ist heute aber ein Konglomerat aus mehr als 20 kleineren kanadischen und amerikanischen Zeitungen, die ihm zweifellos alle folgen werden. In den USA begann Cold North Wind in Massachusetts mit der Aufbereitung alter Zeitungen in diesem geschichtsträchtigen alten Bundesstaat. Und jetzt wurden sie gebeten, sich mit der Digitalisierung von spanischen und holländischen Zeitungen zu befassen. Ihr seht also, O Liebhaber der Bananensplit-Waffeln, das ist nur eine von wenigen Baustellen, an denen nützlicher Content am Internet Realität wird."

Der immer zuverlässige Mister Scribe, der sich in der Rolle des Journalisten gefiel, einfach weil sein Name ein wenig daran erinnert, schaltete sich in die Konversation ein. "Apropos Zeitungen", sagte er, "sie werden es sein, die ab 2001 zu einem nützlicheren Internet beitragen werden. Endlich lernen die nachrichtenverbreitenden Medien, wie man das Internet verwendet. Bisher war es so, dass Fernsehen und Zeitungen - und sogar Radio - den klickenden Massen nicht mehr boten als bloße Wiederholungen dessen, was sie bereits in der Zeitung oder auf Sendung hatten."

"Endlich aber", fuhr er fort, "lernen sie, ihrem Online-Content Aussagekraft und Detail hinzuzufügen. Abgesehen von dem Phänomen, dass die Anzahl der Meldungen offline rasend wächst, werdet Ihr vielleicht beobachtet haben, dass sie kürzer als in der Vergangenheit sind. Eure Zeitungen sind jetzt etwas schmäler als früher. Und Fernsehen hatte immer Zeitprobleme. Wenn der Sender einer Story zwei Minuten gibt, spendiert er schon ein beachtliches Stück einer Sendung. Nun aber erkennen sowohl die Zeitungen als auch die Fernsehstationen, wie man das handhabt. Sie geben ihren Lesern eine gute Zusammenfassung einer Story - und die Details, komplett mit Web Links, kommen aufs Web.

"Das macht das Web zu einer Erweiterung des Nachrichtenprogramms in Fernsehen und Zeitungen. Die Menschen, die sich näher für eine Materie interessieren, können der Story am Web nachgehen und sich dort von der Fülle der Details, Charts, Meinungen und Erörterungen überwältigen lassen - egal, um welche Sache es sich handelt. ABC News macht diese Aufteilung von Zusammenfassung auf Sendung und Details am Web sehr gut", schloss Mr. Scribe.

Eine andere Stimme meldete sich. Es war die etwas arrogante Frau Prisse, die hörbar ihre Nase hochzog. "Und noch etwas, O Freund der Haselnussecken. Um all diese wundervollen Inhalte online auch zu finden, brauchen wir bessere Suchmaschinen. Diese beiden jungen Standford-Studenten, die vor ein paar Jahren Google begründet haben, sehen sich inzwischen von anderen Suchmaschinenbetreiber durch ihre eigene Technologie imitiert. Google gehört zwar noch zu den besten weit und breit - aber am Horizont werden schon einige gute Mitbewerber sichtbar. Es gibt sogar schon Suchmaschinen, die eklektisches Genie darauf verwenden, das Bilder und Texte verarbeiten werden - Eros (http://www.ereo.com/home/) ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür. Das ist eben die Folge davon: Mit all diesen schönen Inhalten brauchen wir immer bessere Suchmaschinen, um sie zu finden."

Nach diesem Schlusswort lösten sich die Leprechauns einfach in Luft auf. Und ich fühlte mich besser. Ich sah mich nach den zurückgelassenen Phrasen um, und wie immer fand ich sie auch.


Phrasen, die übersetzt werden müssen

Das Zitat: "AltaVista found no document matching your query"

Die Umstände: Vollzugsmeldung der Suchmaschine AltaVista, nach einem zu langen oder zu komplizierten Suchbegriff

Die Übersetzung: Versuchs nochmal, Schwachkopf

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Das Zitat: "AltaVista erklärte, sie würden drei Millionen Benutzer aus ihrem Internet Access Service entlassen."

Die Umstände: Eine Story von Associated Press über AltaVistas Rückzug aus dem Gratis-e-Mail- und Gratis-Internet-Business

Die Übersetzung: Und wieder fällt eine blöde Idee in die Rundablage.

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Das Zitat: "Wir sahen immer Gelegenheiten, und wir sehen weiterhin Gelegenheiten, um Premium Services für unseren Kundenbestand zu entwickeln."

Die Umstände: Tim Koogle, CEO von Yahoo!, in einem Statement mit der Warnung, dass Yahoo seine Gratis-Services so umarrangieren werde, dass "Premium Services" nicht mehr gratis sind.

Die Übersetzung: Oh Schreck, auf was für eine dumme Idee wir gekommen sind. Man kann nichts verdienen, wenn man alles herschenkt. Und komischerweise verlangen unsere Investoren, dass wir Gewinne erwirtschaften.

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Das Zitat: "Wir als Aktionäre haben einen starken Anreiz, die kostenbewusste Firmenkultur aus Microsofts früheren Tagen wieder aufleben zu lassen."

Die Umstände: Der zentrale Satz in Steve Ballmers siebenseitigen Memo, das er an alle Abteilungsleiter verschickte.

Die Übersetzung: Get lean, get mean und macht mehr Gewinn. Sparen, sparen, sparen.

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Das Zitat: "Es gibt die Auffassung, dass die High-Tech-Industrie für den erhöhten Stromverbrauch verantwortlich ist. Das ist aber nicht notwendigerweise richtig."

Die Umstände: Ein Zitat von Michelle Montague-Bruno, der Sprecherin für mehr als 190 High-Tech-Firmen in Silicon Valley, beim Leugnen der Tatsache, dass das Internet den Stromverbrauch in den USA um 8 Prozent erhöht hat.

Die Übersetzung: Bitte beachten Sie, dass ich "nicht notwendigerweise" gesagt habe. Es mag stimmen, aber wir wollen hier doch nicht so offen und plakativ Schuldzuweisungen aussprechen. Habt ihr denn gar kein savoir-faire?

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Mag. Christoph Weiss

Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) ..mehr..

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