Ilse und Rudolf Wolf
Durch das Bundesstatistikgesetz 2000 (BStatG) wurde das Österreichische Statistische Zentralamt mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 2000 aus dem Bundesdienst ausgegliedert und als selbständige, nicht gewinnorientierte Bundesanstalt öffentlichen Rechts mit dem Namen Statistik Austria errichtet.
Das Bundesstatistikgesetz definiert die Bundesstatistik als (nicht personenbezogenes) Informationssystem des Bundes, das Daten über die wirtschaftlichen, demografischen, sozialen, ökologischen und kulturellen Gegebenheiten in Österreich den Bundesorganen zur Planung, Entscheidungsvorbereitung und Kontrolle von Maßnahmen sowie der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Öffentlichkeit bereitstellt. Die Bundesstatistik umfasst die Erstellung von Statistiken aller Art, einschließlich der damit zusammenhängenden Analysen, Prognosen und statistischen Modelle, die über die Interessen eines einzelnen (Bundes-)Landes hinausgehen.
Auslöser für das Projekt "Elektronisches Frage-Bogen-Management-System" (EFBMS) war der Druck der Wirtschaft, die bisher papiergebundenen Erhebungen für nationale und EU-bezogene statistische Auswertungen von Betriebs- und Wirtschaftsdaten sukzessive durch zeitgemässe Möglichkeiten der Informationstechnologie zu ersetzen.
Auswahlverfahren und Auftragserteilung für das EFBMS
Für die Erstellung des SW-Paketes galten folgende technische Anforderungen: Alle Programme und Komponenten müssen unter Windows 95, Windows 98, Windows NT 4 und Windows 2000 funktionieren. Die Programme müssen auf Intel-486-PCs (bzw. PCs mit vergleichbaren Prozessoren der Intel-Konkurrenten) mit 16 MB Hauptspeicher (unter Windows 95/98) bzw. 32 MB Hauptspeicher (unter Windows NT 4/Windows 2000) laufen. UML und (vorzugsweise) Rational Rose 98 für Analyse und Design. Programmierung vorzugsweise in Delphi, aber auch Visual Basic, Visual C++ und C++Builder. Microsoft-Standards für Gestaltung von Benutzeroberflächen. Handelsübliche Installationssoftware (vorzugsweise Installshield). Relationale Datenbank für Strukturdaten und alle Schnittstellen im XML-Format. Alle Runtime-Lizenzen kostenlos für den Benutzer. Der Sourcecode geht ins Eigentum der Statistik Austria über.
Servodata beteiligte sich noch in der Flirtphase mit Ploenzke Österreich an einem zweistufigen Ausschreibungsverfahren des "Österreichischen Statistischen Zentralamtes ". Die Erteilung des Auftrages (Festpreisprojekt, Volumen ca. 5 Personenjahre) zur Lieferung und Wartung eines EFBMS durch die nach der Ausgliederung als eigenständiges Unternehmen agierende Statistik Austria beschert den nun zur CSC-Austria verschmolzenen Partnern einen nicht nur für österreichische Verhältnisse fast einmaligen Erfolg: 20.000 Betriebe erhalten im April 2001 ein Software-Paket "engineered and maintained by CSC-Austria".
Das Elektronische Frage-Bogen-Management-System wird allen meldepflichtigen Unternehmen von der Statistik Austria auf CD-ROM kostenlos zur Verfügung gestellt und soll die bisher papiergebundenen Erhebungen für nationale und EU-bezogene statistische Auswertungen von Betriebs- und Wirtschaftsdaten sukzessive ersetzen. Das bereitgestellte System wird die Betriebe oder deren Wirtschaftstreuhänder bei der Erfüllung ihrer Meldepflicht deutlich entlasten, zugleich aber auch die Effizienz und Qualität bei der Übernahme, Kontrolle und Weiterbearbeitung der Daten durch die Statistik Austria wesentlich verbessern.
Der steinige Weg zum EFBMS
Von der Design-Phase bis weit hinein in die Realisierung war das EFBMS "Neuland" und System-Design war sehr oft nur Basis für Redesign in Teilbereichen. Prototyping musste aus Zeitgründen nicht vor, sondern parallel zur Entwicklung (Korrekturen nach Kundengesprächen) erfolgen.
Weil es "gravierende Meinungsverschiedenheiten in der Windows-Familie" gibt, waren umfangreiche Adaptierungen in Richtung "Plattform-Neutralität" erforderlich. Die bisher fragebogenorientierte "Ausfüll-Anleitung" musste zu Help-Informationen für die Installation und Verwendung des EFBMS transferiert werden.
Die Pilotphase
Die Beta-Version wurde Ende November 2000 an ca. 40 Pilotanwender gemeinsam mit einem Fragebogen zur Erfassung der Benutzermeinung versandt und verfügt über alle Funktionalitäten für die Konjunkturerhebung 2001, ausgenommen einige Randfunktionen.
Die Reaktionen der Pilotanwender hielten sich - nicht zuletzt wegen der sehr späten Bereitstellung - in Grenzen, waren aber in Bezug auf die prinzipielle Verwendbarkeit durchaus positiv und können als Bestätigung für die Richtigkeit der Strukturen, Nutzungsformen und der Help-Informationen angesehen werden.
Die Reaktionen zeigten aber auch die bereits bekannten Grenzen der von der Statistik Austria vorgegebenen Mindestkonfigurationen insbesondere in Richtung Zeitverhalten beim Öffnen der Fragebögen auf und enthielten eine Reihe von Anmerkungen, die in der laufenden Nachbearbeitung berücksichtigt werden.
In Arbeit ...
... sind die notwendigen Anpassungen
- auf Grund der Anregungen der Pilotunternehmen;
- zur Bereinigung der COM-Strukturen;
- in Bezug auf Fertigstellung der DB2- und Oracle-Anbindung;
- der Applikation mit den Schwerpunkten: Performance, Stabilität, Zugriffsberechtigung und Datenschutz, Optimierung der Benutzerschnittstelle und Ergänzung der Funktionalitäten.
- sind die Funktionalitäten für die Bearbeitung der einlangenden Meldungen durch die Sachbearbeiter der Statistik Austria: Die sogenannte "Topf-Verwaltung" und ihre Integration in die internen Abläufe (Der "Topf" ist ein inzwischen lieb gewordener Begriff für einen Datenbestand, der einer bestimmten Fachabteilung zur Bearbeitung zugeordnet ist).
- ist ein Tool zur Erstellung der XML-Daten für die dynamische Generierung folgender Fragebogenfunktionalitäten: Inhalt der Fragebögen, Gestaltung der Fragebögen (Layout), Widget-Typen, Widget-Positionierung, Vorgabe der Steuerung (Ablauf), Definition der Plausibilitätskontrollen, Erhebungsstrukturen und -versionen. Dieses XML-Tool wird besonders geschulte Mitarbeiter der Fachabteilungen der Statistik Austria bei der Vorbereitung weiterer Erhebungen unterstützen.
Der Endspurt
Nach der Vorbereitung der auszuliefernden CD-ROM's bis Mitte April 2001 erfolgt der Versand an die meldepflichtigen Unternehmen.
Die ersten echten Anwendungen des Elektronischen Frage-Bogen-Management-Systems werden ab diesem Zeitpunkt die monatlichen Erhebungen der Konjunktur- sowie der Leistungs- und Strukturdaten sein.
Die Perspektiven für weitere Anwendungen des EFBMS
In- und ausländische Institutionen und Organisationen sind bereits auf das Projekt aufmerksam geworden. Das System ist von der Konzeption bereits für fast beliebige weitere Anwendungen ausgelegt; eine sprachunabhängige Variante ist in Vorbereitung. Das XML-Tool kann für die Gestaltung und Erstellung unterschiedlichster Erhebungen genutzt werden; wobei durchaus auch sehr komplexe Strukturen und Steuerungsfunktionen sowie aufwendige Plausibilitätsprüfungen dargestellt werden können.
Die Perspektiven für die weitere Entwicklung des EFBMS
Den meldepflichtigen Unternehmen werden bei Bedarf ergänzende Dienstleistungen angeboten, z.B. zur Lösung von Problemen im Bereich Datenimport/-export (MS-Excel, etc.); zur Überleitung von Erhebungsdaten aus ERP-Systemen (SAP, etc.); bei der Einrichtung von bzw. Anbindung an Datenbank-Systeme (Oracle, DB2, etc.)
Die Projektleiter, stellvertretend für ihre Teams: Wolfgang Koller und Mag. Günther Zettl (Statistik Austria) DI Paul Frederick Rennert und Gerhard Rumpeltes (CSC AUSTRIA)
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Statistik Austria modernisiert ihre internen und externen Prozesse
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8/2011
7/2011


