Die im Mai des Vorjahres veröffentlichte Studie "Arbeits- und Qualifikationsnachfrage im Telekom- und Mediensektor" des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) setzte der schwelenden Diskussion über den IT-Fachkräftemangel "Feuer aufs Dach": Die Unternehmen fühlten sich in ihren bereits seit Jahren geäußerten Befürchtungen bestätigt, Arbeitnehmer konnten sich noch mehr Hoffnungen machen, von der "New Economy" zu profitieren, und die Politiker waren zu einem Spagat zwischen herkömmlicher Bildungspolitik und kurzfristigen Arbeitsmarktoffensiven angehalten.
Der Bericht des WIFO (http://www.wifo.at), der den Zeitraum 1999 bis 2003 unter die Lupe nimmt, kommt zum Fazit, dass "die zusätzliche Nachfrage dieses Sektors nach Arbeitskräften bis 2003 rund 13.000 und in Wien rund 9.000" (als Untergrenze) erreichen wird.
"Diese Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften aus dem Telekom- und Mediensektor wird eine weitere strukturelle Anspannung auf dem Arbeitsmarkt auslösen, die Konsequenzen für das Aus- und Weiterbildungssystems hat. Dabei geht es nicht nur um eine Erhöhung der Absolventenzahlen, sondern vielfach um die Schaffung von Weiterbildungsangeboten, die die Zahl der Arbeitskräfte mit IT-Qualifikationen nachhaltig erhöhen. Andernfalls wird die dynamische Entwicklung dieses Sektors gebremst und das gesamtwirtschaftliche Wachstum gedämpft."
Zu ähnlichen Aussagen kommt auch eine Studie (http://lux7.wu-wien.ac.at/swstudie2000) , die zur österreichischen Softwarebranche an der Wirtschaftsuniversität Wien, Abteilung Informationswirtschaft erstellt wurde: "Es besteht für alle Berufsgruppen eine unbefriedigende Angebotssituation, wobei diesbezüglich die Berufsgruppen Software-EntwicklerIn und Systemanalyse am schlechtesten abschneiden."
Und auch hier wird betont, dass der IT-Arbeitsmarkt und insbesonders das Softwaresegment "vor allem am oberen Level leergefegt ist" und deshalb dem Rekrutierungsprozess eine besondere Bedeutung zukommt. "Die österreichische Softwareindustrie rekrutiert Fachkräfte vornehmlich aus der Praxis."
Ein "schizophrener" Arbeitsmarkt
Allerdings schien noch Anfang 2001 nicht klar, was denn nun unter den allseits gewünschten "IT-Fachkräften" wirklich zu verstehen ist. Anders läßt sich eine Anfang Jänner kursierende Pressemitteilung, die auf http://www.oevp.at zu lesen war, schwer verstehen, in der von "Sekretärinnen und Sekretären", die Rede war, "die Excel-Makros schreiben können".
Dabei definierte bereits Hannes Leo in der obgenannten WIFO-Studie Datenbankadministratoren, Datenbankentwickler, Netzwerkadministratoren und Webmaster als Bereiche mit den derzeit größten Engpässen. Große Defizite gibt es demnach auch bei der Softwareentwicklung. Erschwerend kommt hinzu, dass in allen genannten Bereichen bis 2003 die Nachfrage stark zunehmen wird - einzig die Bereiche Automatisierungstechnik und Hardwareentwicklung scheinen von dieser Entwicklung ausgenommen.
Während inzwischen dieses Mißverständnis behoben scheint, und die Regierung in der Ende Jänner verordneten Umschichtung bei der Zuwandererquote der heimischen Wirtschaft für 2001 explizit rund 600 zusätzliche IT-Führungskräfte in Aussicht stellt, scheint es vor allem auch wichtig auf Seiten der Arbeitnehmer, die allgemeinen Hoffnungen in neue Jobs durch die "New Economy" zu relativieren.
Ältere IT-Fachleute sind ebenso auf dem Arbeitsmarkt schwer vermittelbar wie die die oben angesprochenen "Sekretärinnen und Sekretäre" allein durch eine Beherrschung von Excel-Makros schon einen wesentlichen Arbeitsmarktvorteil erhoffen dürfen. Auch die rasch in einem mehrwöchigem Kurs angehäuften Kenntnisse einer gängigen Programmiersprache, wie etwa JAVA, machen einen noch nicht zum gesuchten IT-Spezialisten.
Denn hier werden vor allem Fachkräfte mit Projekterfahrung und Teamfähigkeit - oft in sehr spezifischen Teilbereichen - gesucht, die nach kürzester Einarbeitungszeit für das Unternehmen schon den größtmöglichen Nutzen erzielen sollen. Wenn man die altbekannte Formel zur Hand nimmt: "drei Internet-Monate sind ein Kalenderjahr", dann kann man den Zeitdruck ermessen, unter dem eine internetbezogene Projektabwicklung steht. Längere Einarbeitungszeiten von Arbeitnehmern kann sich in diesem Umfeld kein Betrieb mehr leisten.
Mehrwege-Strategie
Zum Glück hat die eingangs angesprochene WIFO-Studie den allgemeinen Nachdenkprozess beschleunigt. Nachstehend nun beispielhaft einige Initiativen, die kurz- oder längerfristig dem "Notstand" abhelfen wollen.
Während noch im Juni des Vorjahres Univ.Prof Dr. A Min Tjoa von der Österreichischen Computergesellschaft düstere Prognosen stellte und "ein neues Bewusstsein für Informatik" einforderte, präsentierte die OCG im letzten November ihre Initiative AT-21 (http://www.ocg.at) in deren Rahmen auch eine "Gesamtdarstellung der IT-Ausbildung in Österreich" geplant ist. Für den Leiter der Initiative, Günther Krumpak, geht es vor allem darum den Standort Österreich bekannter zu machen, um dadurch auch für bessere Ausbildungsmöglichkeiten und für genügend Fachkräfte zu sorgen. Ein wesentlicher Aspekt dieser Initiative ist die Kooperation mit Unternehmen und Universitäten.
Einen wichtigen Mosaikstein steuern auch die Fachhochschulen (http://zeder.fhr.ac.at) bei. Derzeit werden im Fachbereich Technik "Untergruppe Information und Kommunikation" bereits 19 Studiengänge ausgewiesen. Und auch der Zulauf stimmt: Auf einen Studienplatz kommen im Schnitt 2,8 Bewerber. Ab heurigem Sommer werden wieder etwa 390 Absolventen in diesem Bereich der Wirtschaft zur Verfügung stehen.
Eine weitere wichtige Ressource sind die HTLs. So sieht beispielsweise die Industriellenvereinigung (http:/www.industriellenvereinigung.at) in der HTL die "bedeutendste Bildungseinrichtung zur Sicherung des Technikernachwuchses". Besonders wichtig scheint dabei der Ansatz, durch Partnerschaften von Industrie und berufsbildenden Schulen die Praxisrelevanz und Projektbezogenheit der Ausbildung deutlich zu steigern.
Auch das Arbeitsmarktservice hat sich mit seiner internationalen Vermittlungsbörse für IT-Jobs (http://www.ams.or.at/itjobs) der Problematik angenommen. Hier können sich auch Unternehmen informieren, welche bürokratischen Hürden auf sie warten, wenn sie Ausländer/innen aus Nicht-EU-Staaten beschäftigen wollen.
Fazit
Die Prognosen für die nächsten Jahre sind trotzdem düster. "Auch zusätzliche Ausbildungswege wie Fachhochulen werden den Bedarf längerfristig noch nicht abdecken können", gibt sich beispielsweise Jochen Kienbaum, Vorsitzender des Beratungshauses Kienbaum Management Consultants, pessimistisch.
Während aber größere Betriebe über bessere Ressourcen verfügen, um Fachkräfte zu rekrutieren beziehungsweise innerbetrieblich auszubilden und dann auch zu halten, trifft der Mangel an IT-Spezialisten kleinere Unternehmen mit ganzer Härte. Dabei ist bezüglich Fachkräfteangebot regional gesehen der Osten Österreichs, wie auch die schon zitierte Studie der Wiener Wirtschaftsuni ausweist, noch in einer besseren Situation.
Fachhochschul-StudiengängeFolgende Liste zeigt die aktuellen Fachhochschul-Studiengänge des Fachbereiches Technik "Untergruppe Information und Kommunikation".
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Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 